USA - Iran

Säbelrasseln in der Karibik: US-Navy soll verhindern, dass eine Hilfslieferung aus dem Iran Venezuela erreicht

Ihn will der Iran unbedingt an der Macht halten - und riskiert dafür einen Konflikt mit den USA: Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro.

Ihn will der Iran unbedingt an der Macht halten - und riskiert dafür einen Konflikt mit den USA: Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro.

Der Iran schickt 5 Supertanker nach Venezuela – doch in der Karibik wartet schon die US-Marine.

Im Konflikt zwischen Iran und den USA stehen die Zeichen auf Konfrontation. Der Schauplatz wird dieses Mal nicht der Persische Golf sein, sondern zunächst die Karibik, irgendwo nordwestlich von Curacao. Dort kreuzen seit Ende letzter Woche die amerikanischen Lenkwaffenzerstörer USS Lassen, USS Preble und USS Farragut. Die Kriegsschiffe sollen verhindern, dass fünf iranische Supertanker die venezolanische Halbinsel Paraguana erreichen, wo sich bei Punto Fijo die Raffinerie von Amuay befindet.

In den Anlagen wurden bis vor 10 Jahren 650 000 Barrel Rohöl verarbeitet. Heute ist es gerade einmal ein Fünftel davon. Doch das soll sich mit iranischer Hilfe ändern. Bereits Ende Februar hatte sich das Maduro-Regime an seinen Verbündeten im Iran gewandt, um technische Hilfe bei der Wiederinstandsetzung der Raffinerie zu erhalten. Denn ohne Benzin würde sich der venezolanische Diktator nicht länger an der Macht halten können.

Katalysatoren und Techniker aus dem Iran

Iran reagierte prompt: In der ersten Aprilwoche landeten auf dem Flughafen der Halbinsel Paraguana zwei Frachtflugzeuge der iranischen «Mahan Air». Sie brachten dringend benötigte Katalysatoren zur Herstellung von Benzin. Eine Woche später meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg die Landung zehn weiterer Maschinen. Neben Material waren dieses Mal auch iranische Techniker an Bord, die sich um die Reparatur der Raffinerie kümmern sollen.

Die Wiederinstandsetzung seiner Raffinerien lässt sich das Maduro-Regime einiges kosten: Laut Bloomberg soll Iran neun Tonnen Gold im Wert von mehr als 500 Millionen US-Dollar erhalten haben, das umgehend nach Teheran geflogen worden sei. Die Goldlieferung habe zu einem Rückgang der veröffentlichten Hartwährungsreserven von Venezuela auf nur noch 6,3 Milliarden Dollar geführt.

Maximaler Druck auf Maduro

Für den von US-Sanktionen und den massiven wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise geplagten Iran ist das Gold ein kleiner Segen. Die Barren, so Fachleute, könnten in Dubai bequem in Dollarnoten umgetauscht werden, die für die Bezahlung schiitischer Milizen im Libanon und Syrien benötigt würden.

«Der grösste Dieb der Welt (Maduro) hat sich mit dem weltweit führenden Sponsor von Terror zusammengetan», kommentierte der amerikanische Aussenminister Mike Pompeo den Deal. Seine Regierung führt seit gut zwei Jahren eine «Kampagne des maximalen Drucks» zur Absetzung von Maduro. Dazu gehört auch ein Ölembargo, das Treibstofflieferungen nach Venezuela blockiert. Auch im Iran wollen die USA mit massiven Sanktionen ein «Regimechange» erreichen.

So schlecht steht es um Venezuelas Diktator

Es ist daher kein Wunder, dass sich zwei von den USA als «Schurkenstaaten» bezeichnete Länder zusammengetan haben. Zur Unterstützung Maduros hat Iran fünf Öl– und Chemikalientanker, auf den Weg nach Venezuela geschickt.

Unbestätigten Berichten zufolge sollen sie 1,5 Millionen Fass Benzin sowie petrochemische Produkte transportieren. Die Tatsache, dass iranische Tankschiffe buchstäblich um die halbe Welt fahren, um Maduro aus der Patsche zu helfen, zeigt, wie schlecht es dem venezolanischen Diktator geht. Das haben auch die USA erkannt. Mit der Stationierung ihrer drei Lenkwaffenzerstörer in der Karibik wollen sie den Druck auf Maduro weiter verschärfen – vorausgesetzt es gelingt, die fünf iranischen Supertanker zu stoppen.

Iran droht mit Vergeltung

Das iranische Aussenministerium drohte für diesen Fall mit einer «schnellen und entschiedenen Reaktion», vermutlich nicht in der Karibik, sondern vor seiner Haustür, im Persischen Golf. Dort sollen nächste Woche Manöver der Revolutionsgardisten beginnen. Gerade einmal zehn Monate sind seit der spektakulären Kaperung des britischen Tankers «Stena Impero» in der Strasse von Hormuz durch iranische Revolutionsgardisten vergangen. Zuvor war ein iranischer Tanker vor Gibraltar festgesetzt worden.

Höhepunkt des letztjährigen «Tankerkrieges» waren die iranischen Lenkwaffenangriffe auf die saudischen Förderanlagen von Abqaiq am 14.September, der im Januar dieses Jahres Liquidierung von Kassem Soleimani folgte. Als Chef der für Auslandseinsätze spezialisierten Quds-Brigaden war der iranische General auch für sogenannte Geldbeschaffungsoperationen in Südamerika verantwortlich gewesen.

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