Chicago

«Schlimmer als in Afghanistan»: Trump schickt Kampftruppe in amerikanische Städte

Umstrittener Einsatz: Unmarkierte Sicherheitskräfte in Portland.

Umstrittener Einsatz: Unmarkierte Sicherheitskräfte in Portland.

Der US-Präsident heizt den Konflikt mit Metropolen an, die von den Demokraten regiert werden. Dahinter steckt ein klarer Plan.

Der Präsident versucht, sich als Vorkämpfer für Recht und Ordnung zu profilieren – und in einigen amerikanischen Grossstädten spielen ihm Kriminelle in die Hände. So war am Mittwoch ausgerechnet eine Beerdigung in der South Side von Chicago Schauplatz einer Schiesserei.

Aus einem fahrenden Auto heraus eröffneten Unbekannte das Feuer auf eine Trauergemeinde, die sich versammelt hatte, um einem 31-jährigen Mordopfer die letzte Ehre zu erweisen. Gegen 60 Schüsse fielen und mindestens 15 Menschen wurden verletzt. Mehr als 1600 Schiessereien haben die Ordnungshüter seit Jahresbeginn registriert, was einem Plus von 47 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr entspricht. Die Zahl der Tötungsdelikte stieg im gleichen Zeitraum von 275 auf 414.

Angesichts dieser stark steigenden Deliktzahlen will Donald Trump der Stadtpolizei helfend unter die Arme greifen und gegen 150 Agenten des Sicherheitsministeriums (Homeland Security Department) nach Chicago entsenden. «Das ist schlimmer als Afghanistan», sagte der Präsident zu Wochenbeginn im Weissen Haus über die Kriminalität in Amerikas drittgrösster Stadt.

Und er beschuldigte Politikerinnen wie die demokratische Stadtpräsidentin Lori Lightfoot, sie hätten Angst vor einer Konfrontation mit den Kriminellen. Die Demokratin konterte auf Twitter: «Unter keinen Umständen werde ich es Donald Trumps Truppen erlauben, nach Chicago zu kommen und unsere Bewohner zu terrorisieren.»

Lori Lightfoot kontert Donald Trump.

Lori Lightfoot kontert Donald Trump.

Als abschreckendes Beispiel dient Lightfoot dabei Portland (Oregon). Die Stadt an der Westküste, ein Zentrum der Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus, ist seit Tagen Schauplatz von Scharmützeln zwischen Aktivisten und rund 110 paramilitärischen Sicherheitskräften der Bundesregierung. Letztere dürfen eigentlich bloss Bauwerke oder Anlagen beschützen, die sich im Besitz der Bundesregierung befinden.

Dieses Mandat aber legen sie grosszügig aus: Lokale Medien berichten über uniformierte Ordnungshüter, die im Zentrum von Portland mutwillig Demonstranten festnähmen. Dabei verzichteten sie darauf, sich zu identifizieren.

Für den Präsidenten ist das Chaos Wahlkampfhilfe

Chad Wolf, der amtierende Sicherheitsminister, verteidigte das Vorgehen der Sicherheitskräfte, die mehrheitlich seinem Ministerium angehören, als «angemessen». Lokale Politiker hingegen forderten das Weisse Haus auf, die paramilitärischen Einheiten abzuziehen – auch weil die Präsenz von Ordnungshütern in Soldatenuniformen extremistische Kräfte aufstachle. So kam es in der Nacht auf Mittwoch in Downtown Portland zu wüsten Szenen, als die Sicherheitskräfte versuchten, eine Kundgebung aufzulösen.

Donald Trump hat einen klaren Plan.

Donald Trump hat einen klaren Plan.

Dem wahlkämpfenden Präsidenten allerdings scheint es recht zu sein, dass landesweit der Eindruck entsteht, Portland versinke im Chaos. Trump behauptet, die Fernsehbilder aus der Stadt gäben einen Vorgeschmack darauf, wie das Land nach einem Wahlsieg der Demokraten im November aussehen könnte – falls der politische Gegner sein Ziel erreiche und die Polizei abschaffe. Die Demokraten sagen, sie wollten die Polizei nicht abschaffen, sondern bei der Kriminalitätsbekämpfung weniger martialisch vorgehen.

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