Ukraine

Schon vor der Abstimmung steht fest: Die Krim ist endgültig verloren

«Krim-Selbstverteidiger» wachen über wichtigen ukrainischen Armeestützpunkt auf der Halbinsel. keystone

«Krim-Selbstverteidiger» wachen über wichtigen ukrainischen Armeestützpunkt auf der Halbinsel. keystone

Auf der Krim weist alles auf einen baldigen Anschluss an Russland: Sämtliche Bankkonti wurden eingefroren, Gazprom wird die Förderung von Erdgas offeriert und selbst ernannte Selbstverteidiger besetzen weitere Stützpunkte.

Drei Tage vor dem Referendum über den Anschluss an Russland haben die prorussischen Machthaber der ukrainischen Halbinsel Krim Moskau ein weiteres Geschenk bereitet. Das Krim-Parlament lud am Donnerstag den staatlichen russischen Energiekonzern Gazprom dazu ein, die Erdgasvorkommen im Asowschen Meer im Ostteil der Halbinsel zu fördern. Die Gasfelder galten bisher in Kiew als Anzapfmöglichkeit der Zukunft, um von Russland energetisch etwas weniger abhängig zu werden.

Doch die Krim scheint endgültig verloren, auch wenn der Kiewer Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Andri Parubij, die Hoffnung äusserte, UNO-Blauhelme möchten bald auf der Schwarzmeer-Halbinsel stationiert werden.

Wie ukrainische Internetmedien meldeten, gelang es derweil den angeblich unbekannten «Krim-Selbstverteidigern», den wichtigen ukrainischen Armeestützpunkt in der krimtatarischen Stadt Bachtschissaraj ganz unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch sollen russische Soldaten die ukrainische Funkzentrale in Zelenograd besetzt haben. Damit fällt auch die ukrainische Funkantenne auf dem Berg Ai-Petri, dem höchsten Gipfel der Krim.

Der selbst ernannte Krim-Premier Sergei Aksjonow veröffentlichte einen Regierungsbeschluss, wonach ab gestern Mittag alle Bankkonten auf der Krim eingefroren und in einen speziellen Budgetfonds einbezahlt werden. Einmalig sollen demnach künftig noch maximal umgerechnet 25 Euro abgehoben werden können. Der Schritt, der kaum populär sein dürfte, soll die geplante Verstaatlichung der ukrainischen Bankfilialen auf der Krim einleiten. Da die Krim ein beliebtes Tourismusziel war, verfügte sie bisher über eine gute Infrastruktur und viele Banken.

Nationalgarde im Aufbau

In Kiew versucht die Regierung, die Angst vor einem baldigen russischen Angriff etwas abzuschwächen. Der Geheimdienst meldete, noch sei an der ukrainischen Ostgrenze kein schweres russisches Kriegsgerät aufgefahren worden. Internetzeitungen hatten zuvor Fotos russischer Panzerkolonnen in der Stadt Bielgorod unweit von Charkiw veröffentlicht.

Zur Unterstützung der unterfinanzierten und schlecht geschulten ukrainischen Armee gründete das Parlament in Kiew die zuvor schon angekündigte Nationalgarde. Dafür sollen schnellstmöglich 60 000 ehemalige Armeeangehörige und Polizisten mobilisiert werden.

Geradezu elektrisierend wirkte in Kiew die Meldung von der Festnahme des Oligarchen Dmitro Firtasch am Mittwochabend in Wien. Den lange eng mit dem abgesetzten Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch verbundenen ukrainischen Gasmagnaten mit mehreren Firmensitzen im Kanton Zug sollen die USA gesucht haben.

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