Diese wollten seine Festnahme verhindern. Es fielen auch Schüsse. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurde ein Beamter der Spezialeinheit erschossen, 36 weitere Menschen wurden verletzt. Eine Festnahme des Ex-Präsidenten könnte in der Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien Unruhen auslösen.

Als die Spezialkräfte einen ersten Anlauf zur Festnahme Atambajews unternahmen, versammelten sich nach Angaben eines Augenzeugen rund tausend Unterstützer vor dem Haus des Ex-Präsidenten in einem Dorf nahe der Hauptstadt Bischkek und lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Am Abend forderte das Innenministerium nach eigenen Angaben Verstärkung an.

Schüsse und Explosionen

Örtliche Medien veröffentlichten Fotos, die maskierte und bewaffnete Männer in Uniformen vor Atambajews Haus sowie Verletzte zeigten. Auf Videos waren offenbar Schüsse und Granatenexplosionen zu hören. Es gab weder Telefon- noch Internetverbindungen, Berichten zufolge wurde in dem Dorf auch der Strom abgeschaltet.

"Die Spezialkräfte haben Anhänger Atambajews angegriffen, als dieser hinausging, um sie zu grüssen", sagte die Sprecherin des Ex-Staatschefs, Gulisa Tschodubajewa. "Alle wurden verprügelt und es fielen Schüsse."

Die Sicherheitsbehörden versicherten, die Spezialkräfte hätten lediglich Gummigeschosse eingesetzt. Atambajews Anhänger hätten dagegen scharf geschossen. Eine Kugel durchschlug nach Angaben des Gesundheitsministeriums die kugelsichere Weste eines Beamten. 36 Verletzte mussten demnach im Spital behandelt werden, darunter auch 15 Sicherheitskräfte.

Korruptionsvorwürfe

Die Staatsanwaltschaft wirft Atambajew unter anderem den illegalen Kauf von Grundstücken vor. Er weist die Vorwürfe zurück. Ende Juni hob das kirgisische Parlament seine Immunität auf, um den Weg für einen Korruptionsprozess gegen ihn frei zu machen. Nur sechs Abgeordnete stimmten dagegen. Im Parlament haben die Anhänger von Atambajews Nachfolger Sooronbai Scheenbekow die Mehrheit.

Scheenbekow hatte 2017 die Präsidentschaftswahl gewonnen, bei der Atambajew nach sechs Jahren Amtszeit nicht mehr antreten durfte. Es war der erste friedliche Machtwechsel an der Staatsspitze der ehemaligen Sowjetrepublik seit der Unabhängigkeit 1991.

Atambajew hatte Scheenbekow zunächst unterstützt, doch dann nahmen die Spannungen zwischen den beiden Politikern zu. Scheenbekow liess unter anderem mehrere Vertraute Atambajews festnehmen, darunter den abgesetzten Ministerpräsidenten Sapar Isakow.