Iran-Konflikt

Tausende Iraker fordern bei Soleimani-Trauerzug den «Tod Amerikas»

"Tod Amerikas" gefordert: Iran macht 35 wichtige US-Stellungen aus

"Tod Amerikas" gefordert: Iran macht 35 wichtige US-Stellungen aus

Tausende Iraker haben bei einem Trauerzug "Rache" für den von den USA getöteten iranischen Elite-General Ghassem Soleimani gefordert. Am Samstag zogen sie hinter dessen Sarg durch Bagdad und skandierten Drohungen gegen die USA. Der Iran sagte zudem, man habe 35 wichtige US-Stellungen in der Region ausgemacht, die in Reichweite des Irans lägen.

Tausende Iraker haben bei einem Trauerzug für den von den USA getöteten iranischen Elite-General Ghassem Soleimani «Rache» und den «Tod Amerikas» gefordert. Hinter dem Sarg des Getöteten zogen sie am Samstag durch Bagdad und skandierten Drohungen gegen die USA.

Angesichts der explosiven Lage setzten Nato und auch die deutsche Bundeswehr die Ausbildung von Sicherheitskräften im Irak vorerst aus. US-Aussenminister Mike Pompeo warf den Europäern mangelnde Unterstützung vor.

Deutliche Worte

Soleimani und der irakische Milizenführer Abu Mehdi al-Muhandis sowie acht weitere Menschen waren in der Nacht zum Freitag durch einen US-Drohnenangriff nahe Bagdad getötet worden. Nach der gezielten Tötung stehen die Zeichen zwischen dem Iran und den USA auf Eskalation. Teheran drohte Washington «schwere Vergeltung» an. Die USA kündigten die Entsendung von 3000 bis 3500 zusätzlichen Soldaten in die Golfregion an.

US-Präsident Donald Trump versicherte, die USA hätten gehandelt, «um einen Krieg zu stoppen», nicht um einen Krieg zu beginnen. Doch der iranische Uno-Botschafter Madschid Tacht Rawantschi sprach von einer «Kriegshandlung» der USA.

Dreitägige Staatstrauer

Führende irakische Politiker und Geistliche nahmen an dem Trauermarsch in Bagdad teil. Unter anderem gaben Regierungschef Adel Abdel Mahdi und der frühere Ministerpräsident Nuri al-Maliki den Getöteten das letzte Geleit. Deren Särge waren mit den jeweiligen Nationalflaggen bedeckt und wurden auf Fahrzeugen durch die schwarz gekleidete Menge im schiitischen Bezirk Kadhimija gefahren. Im Anschluss an den Trauerzug war ein Staatsbegräbnis in der Grünen Zone Bagdads geplant, wo viele Ministerien und Botschaften liegen.

Die Leichen der bei dem US-Angriff getöteten Iraner sollen am Samstagabend in ihre Heimat geflogen werden. Dort wurde eine dreitägige Staatstrauer zu Ehren Soleimanis ausgerufen. Der langjährige Anführer der berühmt-berüchtigten Al-Kuds-Brigaden, die zu den Revolutionsgarden gehören, soll am Dienstag in seiner Heimatstadt Kerman beigesetzt werden.

Vorübergehender Ausbildungsstopp

Angesichts der angespannten Lage setzte die Nato die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte vorübergehend aus. Die Nato-Mission werde jedoch fortgesetzt, erklärte ein Sprecher des Bündnisses am Samstag. Die Mission umfasst mehrere hundert Soldaten. Auf Bitten Bagdads ist die Nato seit Oktober 2018 an der Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte beteiligt, um eine Rückkehr der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu verhindern.

Auch die deutsche Bundeswehr setzte ihre Ausbildungsmission im Irak vorübergehend aus. Betroffen sei das deutsche Einsatzkontingent an den Standorten im nordirakischen Erbil und im zentralirakischen Tadschi, teilte die Bundeswehr mit. Derzeit sind im Irak rund 130 deutsche Soldaten stationiert.

Dementi zu weiterem Angriff

Die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition entschied, die Sicherheitsmassnahmen für die im Irak stationierten internationalen Truppen zu verschärfen und ihre Einsätze «einzuschränken». Oberste Priorität habe der Schutz der Koalitionsstreitkräfte, sagte ein Vertreter der US-Streitkräfte der Nachrichtenagentur AFP am Samstag. Die USA dementierten zugleich Angaben des irakischen Staatsfernsehens, dass sie erneut einen Luftangriff auf pro-iranische Milizen im Irak geflogen seien. «Es gab keinen Angriff der USA oder der Allianz», sagte der Sprecher der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition im Irak, Myles Caggins.

US-Aussenminister Mike Pompeo kritisierte derweil die Reaktion der Europäer auf die Tötung Soleimanis. Washingtons europäische Verbündete seien «nicht so hilfreich» gewesen wie er gehofft habe, sagte Pompeo im Sender Fox News. Die Briten, die Franzosen und die Deutschen müssten verstehen, dass der US-Angriff «auch Leben in Europa gerettet hat». Nach der Tötung Soleimanis hatten mehrere westliche Staats- und Regierungschefs vor einer Eskalation im Nahen Osten gewarnt.

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