Niederlande

Terror-Angst nach Schiesserei in Utrecht

Terroranschlag im niederländischen Utrecht

Anschlag in Utrecht: Szenen vom Montagnachmittag.

Nach Spekulationen über einen terroristischen Hintergrund ist das Motiv einer Schiesserei in der niederländischen Stadt mit drei Toten unklar.

Drei Tage nach dem antimuslimischen Attentat im neuseeländischen Christchurch mit 50 Todesopfern ist die Furcht vor möglichen Terrorangriffen und damit die Nervosität gross: Bei einer Schiesserei in einer Strassenbahn im niederländischen Utrecht mit drei Todesopfern war am Montag auch umgehend von einer terroristisch motivierten möglichen Vergeltungstat die Rede. Dies, zumal der mutmassliche Täter ein gebürtiger Türke ist und daher eine muslimisch geprägte Herkunft hat.

Es war Jan van Zanen, der Bürgermeister der 330 000 Einwohner zählenden Stadt, der entsprechende Spekulationen schon kurz nach der Tat beförderte: «Wir gehen von einem terroristischen Motiv aus», so Van Zanen in einer Videobotschaft. Auch Premierminister Mark Rutte sprach bei einer Pressekonferenz von einem «Anschlag».

Militärpolizisten am Flughafen in Amsterdam

Die niederländischen Behörden lösten in der Folge die höchste Terrorwarnstufe für die gleichnamige Provinz Utrecht aus. Schulen und andere öffentliche Einrichtungen wurden geschlossen und die Bürger zum Ver- bleib in ihren Häusern aufgefordert. Am Amsterdamer Flughafen Schipol marschierten Militärpolizisten auf.

Im Verlauf des Nachmittags mussten die Behörden ihre Informationen dann mehrmals korrigieren. So sagte der Chef der Anti-Terror-Behörde fälschlicherweise, es habe mehrere Schiessereien gegeben. Auch sprach die Polizei vorschnell von neun statt von fünf Verletzten. Später sah sich Polizeisprecher Bernd Jens genötigt, den Verdacht auf eine Terrortat zu relativieren: «Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist», so Jens gegenüber dem niederländischen Rundfunk.

So verwirrend und turbulent wie die Kommunikation am Nachmittag erfolgte, so ging es am Abend weiter: Noch während der Pressekonferenz bekam Polizeieinsatzleiter Rob van Bree einen Zettel zugesteckt, wonach der Hauptverdächtige eben gefasst wurde.

Täter war polizeibekannt

Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich um den 37-jährigen Gökmen Tanis. Schon kurz nach der Schiesserei veröffentlichte die Polizei Namen und ein Fahndungsbild, welches Tanis in der Strassenbahn zeigt. Laut Augenzeugen sei dieser gezielt auf eine Frau zugegangen und habe sie mit mehreren Schüssen aus einer Pistole regelrecht hingerichtet. «Ich dachte als Erstes an eine Abrechnung», sagte ein Passagier, der sich im selben Tram befand, gegenüber dem niederländischen Fernsehen. Als der Frau andere Passagiere zur Hilfe gekommen seien, soll Tanis auch auf diese das Feuer eröffnet haben. Zwei weitere Personen starben, fünf wurden verletzt.

Laut Medienberichten war Tanis der Polizei einschlägig bekannt. Im Dezember 2013 habe er in Utrecht in der Öffentlichkeit eine Schusswaffe abgefeuert. In seinem Vorstrafenregister finden sich viele Delikte wie Diebstahl, Autofahren in alkoholisiertem Zustand oder Beamtenbeleidigung. Ausserdem soll er erst vor wenigen Wochen vor Gericht gestanden sein, da er 2017 eine Frau vergewaltigt haben soll. Ob es einen Zusammenhang mit der Tat gibt, ist unklar.

Am Montagabend lagen keine belastbaren Infos über den Hintergrund vor. «Es gibt viele Fragen und Gerüchte», sagte Premier Rutte am Abend nur noch. Dennoch erhielten die Niederlande viele Solidaritätsbekundungen aus dem Ausland. «Immer dieselbe blutige Gewalt, an die man sich niemals gewöhnt und der man niemals nachgeben wird», so Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf Twitter. Angela Merkel liess ihre Trauer um die Opfer des «Anschlags in der Strassenbahn» über ihren Sprecher mitteilen. Und auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie EU-Kommissions-Chef Jean-Claude Juncker kondolierten.

Für den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders dagegen ist es einerlei, ob es sich um einen terroristischen Anschlag oder nicht handelte. Auf Twitter postete er ein Foto mit der Auflistung der Vorstrafen des mutmasslichen Täters und schrieb: «Was für eine Bereicherung, diese multikulturelle Gesellschaft». Er verlange morgen eine Aussprache mit Premier Rutte. Wilders: «Die Niederlande haben das Recht, die Wahrheit zu erfahren».

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