Auch ein tunesischer Zivilist sowie ein Polizist und zwei Angreifer wurden demnach getötet, bevor ein Polizei-Sonderkommando den Angriff beendete. Die Täter hätten 19 Menschen getötet, darunter 17 Touristen, erklärte der tunesische Ministerpäsdient Habib Essid am Mittwoch vor den Medien.

Laut Gesundheitsminister Said Aidi wurden zudem 38 Menschen verletzt, unter ihnen Touristen aus Frankreich, Südafrika, Polen, Italien und Japan. Von Opfern aus der Schweiz war zunächst nichts bekannt.

Hier fliehen die Touristen vor den Geiselnehmern

Hier fliehen die Touristen vor den Geiselnehmern

Sonderkommando stürmte Museum

Bewaffnete in Militäruniformen hatten am Mittag auf dem Platz, an dem das Bardo-Museum und das Parlament liegen, mit Schnellfeuergewehren um sich geschossen. Dabei kamen nach ersten Angaben des tunesischen Innenministeriums acht Menschen ums Leben - darunter sieben ausländische Reisende.

Essid sagte, die Täter hätten vor dem Museum willkürlich auf Touristen gefeuert und sie bis in das Museum verfolgt. Dort nahmen die Bewaffneten dann zahlreiche Touristen als Geiseln. Die meisten der etwa 100 Besucher, die sich zum Zeitpunkt des Überfalls im Museum aufhielten, hätten jedoch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden können.

Tunesische Sicherheitskräfte, die das Gebäude zunächst umstellt hatten, beendeten nach Angaben des Staatsfernsehens am Nachmittag die Geiselnahme. Dabei starben nach Angaben des Senders Watanija unter anderem zwei Terroristen und ein Polizist. Ob die übrigen Opfer bei dem Anschlag oder bei der gewaltsamen Beendigung der Geiselnahme getötet wurden, war zunächst nicht klar.

Präsident Béji Caïd Essebsi erklärte, ein "riesiges Unglück" habe Tunesien heimgesucht. "Wir müssen mit einer Generalmobilmachung beginnen und die Terroristen endgültig ausschalten", sagte Essebsi bei einem Besuch von Verletzten im Spital.

Kreuzfahrt-Passagiere

Unter den Toten des Anschlags seien womöglich bis zu vier Polen, teilte das polnische Aussenministeriums in Warschau unter Berufung auf offiziell zunächst nicht bestätigte Berichte. Zum Zeitpunkt des Anschlags habe sich eine Reisegruppe von 36 polnischen Touristen im Bardo-Museum aufgehalten, hiess es. Drei der Touristen seien verletzt worden, aber nicht in Lebensgefahr.

Auch zwei Italiener seien verletzt worden, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Einige der Touristen, die von dem Anschlag betroffen waren, waren vermutlich Passagiere der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere.

Das Schiff "Costa Fascinosa" habe im Hafen von Tunis geankert, teilte das Unternehmen mit. Einige Passagiere hätten an einer Tour durch die Stadt teilgenommen. Das Unternehmen sei in ständigem Kontakt mit dem Aussenministerium in Rom und den Sicherheitsbehörden vor Ort.

Auch Kunden des Schweizer Reiseanbieters Kuoni sollen sich unter den Reisenden befinden. Kuoni hat am Mittwoch angekündigt, dass keine Städtereisen mehr nach Tunis organisiert werden.

Tunis

 

EU beschuldigt IS

Das Aussendepartement EDA passte nach dem Anschlag die Reisehinweise für Tunesien an. Es warnte vor einem Risiko terroristischer Akte im nordafrikanischen Land und rief Reisende zu erhöhter Wachsamkeit auf. 

EDA zu Tunesien

Bundespräsidentin Sommaruga verurteilte das Attentat und sprach der tunesischen Regierung sowie den Familien der Opfer im Namen der Schweiz ihr Beileid aus. "Die Schweiz pflegt enge Beziehungen zur tunesischen Republik und ist solidarisch mit der tunesischen Bevölkerung, die von diesem grausamen Gewaltakt betroffen ist", heisst es in einer Mitteilung des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements EJPD.

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und Frankreichs Staatspräsident François Hollande verurteilten die Terrorattacke scharf. (sda/cze)

Blutige Geiselnahme in Tunesien

Blutige Geiselnahme in Tunesien