Havarie

Trauriges Jubiläum: Die «Costa Concordia» liegt seit einem Jahr vor Giglio

Am 13. Januar 2012 schlug das Kreuzfahrtschiff leck und versank mit einer Seite im Meer, 32 Menschen liessen ihr Leben. Die Bergung des Wracks soll nach etlichen Verzögerungen im Herbst stattfinden.

95 Meter – dieser Wert wurde Kapitän Francesco Schettino zum Verhängnis. Vor fast genau einem Jahr wollte er mit der «Costa Concordia» in dieser geringen Entfernung die italienische Insel Giglio passieren. Was passierte, war ein Riesenunglück.

Das fast 300 Meter lange Schiff kollidierte mit einer Bordwand mit einem Felsen, woraufhin es Schlagseite hatte und auf Grund ging. Weil das Wasser an dieser Stelle nur etwa acht Meter tief ist, liegt der einstige Stolz der italienischen Reederei zu einem Grossteil ausserhalb des Wassers. Auch aus dem Weltall ist das Wrack eindrücklich zu sehen.

Schettino steht in der Kritik, weil er das Schiff verliess, ohne dass die Rettungsarbeiten beendet gewesen wären. Er gab an, zufällig in ein Rettungsboot gefallen zu sein. Die italienischen Medien nennen ihn «Kapitän Feigling». Bei dem Unglück starben 32 Menschen.

Der Gescholtene hat sich über seine angebliche Dämonisierung beklagt. «Ich bin ein Jahr lang für das, was am 13. Januar geschah, gepeinigt worden», sagte Schettino kürzlich der Zeitung «La Stampa». «Ich wurde genauso schlimm dargestellt wie Bin Laden», sagte er in Anspielung auf den von einem US-Kommando getöteten ehemaligen Chef des internationalen Terror-Netzwerks Al-Kaida. Schettino sagte zudem, er bedauere zutiefst, was geschehen sei.

Die Bergung des Costa Concordia gestaltet sich schwierig und verzögern sich immer wieder. Die Kosten dafür werden auf gegen 300 Millionen Euro geschätzt. Sie soll nach neuesten Voraussagen im September oder Oktober erfolgen.

Inselbewohner fürchten um ihre Zukunft
Den Bewohnern der als Naturparadies bekannten Insel – «Il Giglio» bedeutet übersetzt «Die Lilie» – geht es vorrangig um ihre Existenz. 30 Prozent weniger Touristen habe man in diesem Sommer verzeichnen müssen, klagt Gemeindesprecher Cristiano Pellegrini.

Und auch die Tausenden Schaulustigen, die das Wrack in der Zwischenzeit anzog, änderten nichts an der kritischen Lage. Denn die blieben immer nur für ein paar Stunden.

Auch die Angst vor Umweltgefahren ist gross. «Mit jeder Verzögerung wachsen die Gefahren für die Gewässer erheblich», hatte der Sprecher des Umweltschutzverbandes Legambiente, Angelo Gentili, schon vor Monaten gewarnt. Die Umweltbehörden begleiten die Bergungsarbeiten, damit möglichst wenig von der sensiblen Meeresflora und -fauna zerstört wird.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1