Bob Lutz

«Trump wird gewinnen – Die Schweizer verstehen nicht, was er alles erreicht hat»

Der 88-jährige Zürcher Bob Lutz wanderte 1939 mit seinen Eltern in die USA aus und flog nach seinem Studium als Kampfpilot Einsätze im Koreakrieg.

Der 88-jährige Zürcher Bob Lutz wanderte 1939 mit seinen Eltern in die USA aus und flog nach seinem Studium als Kampfpilot Einsätze im Koreakrieg.

Der gebürtige Zürcher Bob Lutz (88) kennt Donald Trump persönlich. Im Interview erzählt er, warum 2020 wieder alle Prognosen falsch sind, wieso 74 das perfekte Alter für einen Präsidenten ist und warum Trump vielleicht bald wieder in die Schweiz reist.

Herr Lutz, Ihr Freund Donald Trump trat mit dem Versprechen an, er werde «Amerika wieder grossartig machen». Das hat er – Stand jetzt – nicht wirklich geschafft.

Über das Wort «grossartig» kann man endlos diskutieren. Was zweifellos feststeht: Das weltweite Ansehen der Vereinigten Staaten ist unter Trump deutlich gestiegen. Unter Obama waren wir vielleicht beliebter, weil der sich vor den Scheichs im Mittleren Osten gebückt und sich in Europa die ganze Zeit für Amerika entschuldigt hat. Aber das war absolut unausstehlich.

Aber effizient. Obamas Zustimmungswerte in der Schweiz waren hoch, während Trump laut einer Umfrage nur von 13 Prozent der Schweizer wiedergewählt würde.

Die USA müssen sich entscheiden: Wollen wir nur beliebt sein, oder wollen wir respektiert werden? Trump steht für Respekt. Er hat das Militär gestärkt. Und siehe da: Die Unruheorte Russland, China und der Iran verhalten sich derzeit alle schön ruhig. Unter Obama waren all diese Töpfe am Kochen. Das ist vorbei. Sogar Nordkorea ist zurückhaltend.

Sie waren als amerikanischer Kampfjetpilot im Koreakrieg im Einsatz. Es muss Ihnen doch kalt den Rücken runterlaufen, wenn Sie sehen, wie Trump sich von Diktator Kim Jong-Un einlullen lässt.

Nicht im Geringsten. Das ist doch alles nur Spektakel. Trump hat Kim Jong-Un und auch die Chinesen unter Kontrolle. Man darf nicht alles, was Trump sagt, wörtlich nehmen.

Ein Moment für die Geschichtsbücher: Donald Trump übertritt am 30. Juni 2019 gemeinsam mit Kim Jong-Un die Grenze zu Nordkorea.

Ein Moment für die Geschichtsbücher: Donald Trump übertritt am 30. Juni 2019 gemeinsam mit Kim Jong-Un die Grenze zu Nordkorea.

Man muss doch dem Wort eines US-Präsidenten trauen können. Sonst verliert die Welt massiv an Stabilität.

Trump ist teils ein «Schnörri». Sein Problem ist sein flegelhaftes, ruppiges Benehmen. Aber das ist nur ein Schönheitsfehler. Das ist so, wie wenn Sie in Ihrem Haus ein gröberes Problem haben und keiner der Spezialisten helfen kann. Und am Schluss kommt ein übelriechender, vulgärer Typ mit zerschlissenen Hosen und löst Ihnen das Problem. Ob der Typ salonfähig ist oder ein guter Schwiegersohn wäre, das ist nebensächlich.

Noch eine Umfrage: Nicht nur die Schweiz sondern auch alle EU-Länder würden Trump abwählen. Was sehen Sie in Trump, was wir nicht sehen?

Die Schweizer informieren sich halt primär via Schweizer Medien über die US-Politik. Und die sind doch alle Anti-Trump. Der Durchschnittsschweizer hat keine Ahnung, was der Präsident für die USA gemacht hat. Man achtet in der Schweiz primär auf seinen schlechten Benimm, nicht auf seine Errungenschaften. Wenn ich in der Schweiz leben würde, sähe ich das wohl ähnlich.

Gemäss fast allen Umfragen ist auch die Mehrheit Ihrer Mitbürger gegen Trump. Er hinkt Biden hinterher.

Diese Volksumfragen, die Biden und Kamala Harris vorne sehen, die können Sie vergessen. Vor vier Jahren sagten die US-Medien eine Woche vor den Wahlen, Hillary Clinton werde zu 99 Prozent gewinnen. Jetzt sind wir wieder an diesem Punkt. Erst vor ein paar Tagen war Trump hier in Michigan. 30'000 Menschen standen stundenlang in der Kälte, um ihn zu sehen. Da war überschäumender Enthusiasmus. Bei Biden: nichts davon.

Wahlkampf-Rallye in Michigan: Hunderte solcher Massenveranstaltungen hat Trump in den vergangenen vier Jahren durchgeführt.

Wahlkampf-Rallye in Michigan: Hunderte solcher Massenveranstaltungen hat Trump in den vergangenen vier Jahren durchgeführt.

Als Trump-Anhänger waren Sie sicher auch schon an einer seiner Rallyes, oder?

Nein, ich würde für ihn nie stundenlang in der Kälte stehen. Da müssten noch grössere Persönlichkeiten kommen. Für die zweite Ankunft von Jesus würde ich mir das vielleicht antun.

Und was erhoffen Sie sich von einer zweiten Amtszeit für Trump?

Für mich ist klar: Trump braucht nochmals vier Jahre. Sein Fokus muss China sein. Das Land hat die ganze Welt geplündert mit seinen Handelspraktiken und Währungstricks. China hat die Industrie der USA und Europas völlig ausgehöhlt. Sie können ja kaum noch einen Besen kaufen, ohne dass Sie nicht irgendwo einen «made in China»-Kleber finden. Trump wird dafür kämpfen, dass die Industriejobs nicht aus den USA verschwinden.

Industriejobs sind beiden wichtig: Donald Trump und Bob Lutz bei einem gemeinsamen Auftritt an der New York International Auto Show 2006.

Industriejobs sind beiden wichtig: Donald Trump und Bob Lutz bei einem gemeinsamen Auftritt an der New York International Auto Show 2006.

Aussenpolitisch hat sich Trump Europa vorgeknöpft und verlangt, dass die Länder mehr Geld für ihre Verteidigung ausgeben. Wendet sich Amerika von den europäischen Alliierten ab?

Trump fordert schlicht, dass die Nato-Mitglieder zwei Prozent ihres Bruttosozialprodukts für ihre eigene Verteidigung ausgeben. Da ist er steinhart. Und siehe da: Nach einigem Stöhnen und Klagen über diesen unmöglichen Typen haben mehrere Länder ihre Beiträge erhöht.

Reicht das, damit Amerika den Europäern verbunden bleibt?

Europa muss eines lernen: Mit den Privilegien, die die USA den Europäern nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang gewährt haben, ist es jetzt vorbei. Zum Beispiel mit den unfairen Warenzöllen: Die EU erhebt auf amerikanische Autos wesentlich höhere Zölle als die USA auf europäische Autos. Das ist nicht fair. Europa muss man heute nicht mehr auf die Füsse helfen! Trump macht mit Europa, was Eltern mit ihren erwachsenen Kindern machen. Er stösst sie aus dem Haus und sagt: Schluss jetzt mit Gratis-Miete und Gratis-Essen.

Die Schweiz bleibt weiter zurückhaltend punkto Verteidigungswille. Der Kauf neuer Kampfjets wurde von gerade mal 50,1 Prozent der Wählenden gutgeheissen. Sind wir naiv – oder einfach friedensliebend?

In jeder Demokratie ist immer rund die Hälfte der Leute Pazifisten. Das ist normal.

Als Ex-Kampfjet-Pilot sind Sie Experte. Welchen Flieger empfehlen Sie der Schweiz?

Der amerikanische F-35 ist wahrscheinlich das fähigste Kampfflugzeug, das es je gab. Voll ausgerüstet ersetzt einer von denen etwa 15 konventionelle Kampfflieger. Aber ob die kleine Schweiz mit ihrem begrenzten Flugraum das braucht? Eine glaubwürdige Abwehr würde der Schweiz auch schon der Eurofighter bieten. Oder natürlich die neueren Modelle des F/A-18, den die Schweiz ja schon hat.

Schnelles Hobby: Bob Lutz vor seinem Kampfjet der Deutschen Luftwaffe. Er hatte ihn einst für 600'000 Dollar gekauft.

Schnelles Hobby: Bob Lutz vor seinem Kampfjet der Deutschen Luftwaffe. Er hatte ihn einst für 600'000 Dollar gekauft.

Nochmals kurz zu Donald Trump. Der hat laut der «New York Times» 2017 gerade mal 750 Dollar Einkommenssteuer bezahlt. Das muss Sie als reichen Steuerzahler rasend machen.

Das amerikanische Steuersystem fördert unternehmerische Aktivitäten. Ich selber habe in den vergangenen Jahren in ein Unternehmen investiert, das jetzt wegen der Pandemie nicht erfolgreich ist. Die Verluste, die ich machte, kann ich von den Steuern abziehen. Für das Jahr 2019 zahle ich praktisch nichts. Bei Trump lief das wahrscheinlich ähnlich. Mit seiner Sichtbarkeit ist es absolut unmöglich, dass er bei den Steuern schummelt.

Trump hat Steuern gesenkt für Unternehmen und für Multimillionäre wie Sie. Er war eigentlich primär ein Präsident der Reichen.

Ich bin in der obersten Steuerklasse – und meine Steuerrechnung ging unter Trump ursprünglich rauf. Seine Steuererleichterung für Unternehmen hat den wirtschaftlichen Aufschwung aber begünstigt. Vor der Pandemie war die Arbeitslosigkeit so tief wie nie, übrigens auch für Schwarze. Trump hat für alle gearbeitet.

Für den Ausbruch der Pandemie kann Trump nichts. Seine Passivität und sein Verhalten seither sind aber katastrophal für Amerika.

Anfänglich hat er das Virus wahrscheinlich unterschätzt – wie viele andere, auch der Bundesrat in der Schweiz. Aber denken Sie daran: Trump war der Erste, der einen Einreisestopp für China und Europa verhängt hat. Die Demokraten beschimpften ihn dafür als xenophob und rassistisch. Ob er jetzt am Fernsehen eine Maske trägt oder nicht, das ist doch nebensächlich. Obama wars, der das Land nicht auf die Gefahr einer Pandemie vorbereitet hat.

Einspruch! Obama hat 2016 eine Task-Force für Pandemie-Prävention aufgestellt. Trump hat das Team 2018 aufgelöst.

Trump hat so vieles aufgelöst in Washington. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, die unglaubliche Bürokratie zu verkleinern. Das hat er durchgezogen.

Sie werden im Februar 89…

… und alles funktioniert noch. Ausser, dass ich nicht mehr ganz so schnell laufen und ganz so gut hören kann. Ich fühle mich eigentlich nicht anders als mit 50. Bei schönem Wetter fahre ich noch immer meine 650-PS-Corvette aus. Ich fahre noch genauso gut wie früher – nur vorsichtiger.

Beneidenswert. Trotzdem: Trump ist 74, Biden bald 78. Sind die nicht zu alt für das Weisse Haus?

Trump hat nie geraucht, trinkt keinen Alkohol. Trump ist so wie ich, als ich 74 war: auf seinem persönlichen, intellektuellen Höhepunkt. Joe Biden – wenn sie mich fragen – zeigt Zeichen von Senilität. Trotzdem: Es sollte keine Alterslimite für Präsidenten geben.

Welcher der beiden auch Präsident wird: Er wird ein tiefgespaltenes, gewalttätiges Land einen müssen. In Ihrer Heimat Michigan versuchte letzthin eine selbsternannte Miliz die demokratische Gouverneurin zu entführen. Machen Ihnen die Bilder der schwerbewaffneten Gruppierungen auf der Strasse Angst?

Die linken Chaoten, die in Portland oder Seattle als Brandstifter durch die Strassen ziehen, machen mir Angst. Die Rechtsextremisten würden mir auch Angst machen, wenn sie gut organisiert wären. Aber dieser Komplott gegen unsere Gouverneurin, zum Beispiel, das waren letztlich nur eine Hand voll Möchtegern-Revoluzzer, die ausser ein paar Plänen nichts zustande brachten. Aber sehen Sie: Viele Demokraten, die an das amerikanische System glauben, haben die Nase gestrichen voll von den Linksradikalen. Unser Problem ist es, dass wir nur zwei Parteien haben und die sich mit diesen extremen Flügeln herumschlagen müssen.

Selbsternannte Milizen (wie hier im Bundesstaat Louisiana) sorgen in Amerika immer wieder für unangenehme Stimmung.

Selbsternannte Milizen (wie hier im Bundesstaat Louisiana) sorgen in Amerika immer wieder für unangenehme Stimmung.

Da könnte Amerika doch noch etwas von der Schweiz lernen?

Definitiv. Ich finde dieses Zwei-Parteien-System ein Desaster.

Was braucht es jetzt, dass Amerika aus diesem gehässigen Hick-Hack von links und rechts wieder rauskommt?

Eine Wiederwahl von Donald Trump.

Ernsthaft?

Ja. Der ist ja ein Mann der Mitte. Er ist zentristisch-pro-amerikanisch. Unter ihm wird es entweder von selber ruhig – oder dann wird er es ruhig machen.

Was trauen Sie ihm sonst noch zu in einer möglichen zweiten Amtszeit?

Vielleicht eine Überholung des Prozess-Systems. Heute kann jeder jederzeit gegen jeden prozessieren – und zwar gratis. Der Anwalt verdient in diesem sogenannten Kontingents-Gebühren-System nur dann etwas, wenn er den Prozess gewinnt. Bezahlen muss der Unterlegene. Das ist ein grosses Hemmnis für die amerikanische Industrie. Wenn jemand ein neues Produkt auf den Markt bringt, kommt es früher oder später zum Prozess, weil sich irgendjemand verletzt und sich die Anwälte dann auf den Fall stürzen. Die Prozesskosten werden via höhere Preise auf die Kunden abgewälzt. Das verhindert Innovation.

2016 schauten Sie die Wahlen auf CNN und freuten sich über die erstaunten Gesichter der Moderatoren, als Trump gewann.

Genau. Ich habe Videos von diesen Momenten. Immer, wenn meine Laune mal nicht so gut ist, schaue ich sie mir an. Dieses Jahr stelle ich den Wecker wieder auf 2 Uhr. Trump wird gewinnen.

Trump selber scheint sich nicht so sicher. Er hat spasseshalber gesagt, wenn er verliere, müsse er aus Schande wohl das Land verlassen. Sie haben ein Haus in Silvaplana. Würden Sie ihm da für eine Weile Asyl gewähren?

Ich würde Herrn Trump jederzeit ins Engadin einladen! Aber: So negativ die Konsequenzen eines Biden-Siegs für unsere Steuern und unsere Verteidigung wären: Trump würde auch das überleben. Aber Biden würde das Land nicht weiterbringen. Ich sage immer: Wenn schon eine Linksregierung, dann bitte ganz schlimm, damit die Bevölkerung den Sozialismus am eigenen Leib erfährt und dagegen geimpft wird. Russland oder Venezuela, die werden in Zukunft nie mehr sozialistisch wählen. Die USA haben diese Lektion noch nicht gelernt.

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