USA

US-Senatoren in der Kritik: Millionen-Aktiengeschäfte, weil sie frühzeitig vom Ausmass der Corona-Krise wussten

Richard Burr. (Bild: Keystone)

Richard Burr. (Bild: Keystone)

Der amerikanische Senator Richard Burr wird verdächtig, von Insider-Informationen profitiert zu haben. Der Vorwurf: Der Senator habe sein Aktien-Paket abgestossen, nachdem er über das Ausmass der drohenden Gesundheitskrise informiert wurde. Burr ist nicht der einzige Verdächtige.

Der Senator ist sich keiner Schuld bewusst. Er habe sich, sagt der Republikaner Richard Burr aus North Carolina, «ausschliesslich» auf Berichte des Fernsehsenders CNBC abgestützt, als er am 13. Februar Aktien im Wert von bis zu 1,7 Millionen Dollar verkaufte. Dass sämtliche Senatoren am Tag zuvor von führenden Experten der Bundesregierung hinter verschlossenen Türen über die drohende Gefahr des Coronavirus informiert worden waren, soll also keine Rolle gespielt haben.

Ebenfalls kein Faktor war die Tatsache, dass Burr als Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Senat Zugriff auf Informationen hatte, die bereits zu Jahresbeginn darauf hindeuteten, dass die chinesische Regierung nicht die ganze Wahrheit über das Ausmass der Gesundheitskrise in Wuhan erzählte.

Immerhin: Burr willigte Ende der vergangenen Woche, als seine Aktien-Transaktionen publik wurden, in eine Untersuchung des Ethik-Ausschusses in der kleinen Kongress-Kammer ein. Er wisse, dass seine Transaktion schlecht aussehe, räumte er in einer Stellungnahme ein.

Ob dieser Schritt reichen wird, die politische Karriere des seit 2005 amtierenden Senators zu retten, ist allerdings offen. Der 64 Jahre alte Burr — der bereits vor vier Jahren bekannt gab, dass er sich 2022 nicht erneut zur Wiederwahl stellen wolle — steht unter massivem Druck und rechts und links wird sein Rücktritt gefordert.

Bei einer der aufgebrachten Stimmen handelt es sich um Fernsehmoderator Tucker Carlson, der wochentags auf dem «Fox News Channel» den aufgebrachten Populisten gibt. Carlson wies darauf hin, dass Burr Informationen unter Verschluss gehalten habe, die der breiten Bevölkerung hätte helfen können. Stattdessen «half er nur sich selbst». Dies sei schlicht und einfach «unmoralisch» und vielleicht habe der Senator auch gegen Vorschriften verstossen, die Insider-Geschäfte für nationale Parlamentarier verbieten.

Senatorin Kelly Loeffler aus Georgia. (Bild: Keystone)

Senatorin Kelly Loeffler aus Georgia. (Bild: Keystone)

Burr ist allerdings nicht der einzige Senator, der sich vor dem Zusammenbruch des amerikanischen Aktienmarktes — der im vergangenen Monat gegen 9000 Punkte verloren hat — von seinen Wertpapieren trennte. So wies das Online-Medium «The Daily Beast» auf verdächtige Transaktionen der Senatorin Kelly Loeffler aus Georgia hin. Die 49-Jährige, die ihren Amtseid erst im Januar ablegte, trennte sich von Aktien im Wert von mehreren Millionen Dollar. Im Gegenzug kaufte sie Wertpapiere von Citrix Systems; das Technologie-Unternehmen stellt Software her, die das Kommunizieren über den Computer erleichtert — Produkte also, die in der aktuellen Krise gefragt sind.

Loeffler, die sich im kommenden November zur Wiederwahl stellen muss und parteiintern umstritten ist, stellt sich auf den Standpunkt, sie habe nichts über die Transaktionen gewusst, da ihr Aktien-Portfolio von externen Beratern betreut werde. Sie sei erst im Nachhinein darüber informiert worden, sagte die Senatorin im Gespräch mit dem Fernsehmoderator Tucker Carlson. Loeffler ist mit dem Konzernchef der Intercontinental Exchange verheiratet; diese Firma besitzt und betreibt unter anderem die New Yorker Börse.

Burr und Loeffler sind nicht die einzigen Senatoren, die ihre Aktiengeschäfte verteidigen müssen. Kritisiert werden auch Transaktionen, die Dianne Feinstein aus Kalifornien, eine Demokratin, Ron Johnson aus Wisconsin, ein Republikaner, und James Inhofe aus Oklahoma, ein Republikaner, vorgenommen haben. Sie alle sagen, dass sie nicht von Informationen über das wahre Ausmass des Coronavirus profitiert hätten.

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