EU - Umwelt

Von der Leyen vergleicht neues Klimaprogramm mit der Mondlandung

Ursula von der Leyens "Green Deal": Die EU-Kommissionspräsidentin hat am Mittwoch im EU-Parlament in Brüssel ihr ambitioniertes Klimapaket vorgestellt.

Ursula von der Leyens "Green Deal": Die EU-Kommissionspräsidentin hat am Mittwoch im EU-Parlament in Brüssel ihr ambitioniertes Klimapaket vorgestellt.

Für den Klimaschutz soll die Wirtschaft der EU nach Plänen der EU-Kommission komplett umgebaut werden, damit von 2050 an keine neuen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen. Diesen «Green Deal» stellte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor.

Sie verglich am Mittwoch in Brüssel die nötigen Anstrengungen mit dem US-Programm für die Mondlandung in den 1960er Jahren und sprach von einem "Mann-auf-dem-Mond-Moment" für Europa.

Von der Leyen nannte den "Green Deal" einen Fahrplan zum Handeln. "Er hat 50 Aktionen bis 2050 für ein klima- und umweltfreundliches Europa", sagte sie. "Unser Ziel ist, unsere Wirtschaft mit unserem Planeten zu versöhnen und dafür zu sorgen, dass es für unsere Menschen funktioniert."

Es gehe um die Senkung der Treibhausgase, aber in gleichem Masse auch um die Schaffung neuer Jobs. Das alte Wachstumsmodell, das auf fossilen Energien und Verschmutzung gründe, habe sich überlebt. Gefragt sei nun eine Strategie "für ein Wachstum, das mehr zurückgibt als es wegnimmt."

Klimaneutral bis 2050

Doch das Ziel, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen, hat noch nicht die Unterstützung aller EU-Staaten. Vor dem EU-Gipfel am Donnerstag wehrten sich Polen, Ungarn und Tschechien weiter gegen die Festlegung ohne konkrete Zusagen für finanzielle Hilfen. EU-Ratspräsident Charles Michel appellierte an alle Staaten, das neue Klimaziel mitzutragen.

Klimaneutralität bedeutet, dass von 2050 an keine neuen Treibhausgase aus Europa in die Atmosphäre gelangen, um die Überhitzung der Erde zu bremsen.

Dafür muss der grösste Teil der Klimagase, die zum Beispiel bei Verbrennung von Kohle, Öl oder Gas und in der Landwirtschaft entstehen, vermieden und der Rest gespeichert werden.

Zum "Green Deal" gehört aber auch ein Zwischenziel für 2030: Bis dahin sollen die Emissionen um 50 bis 55 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen. Bisher hat sich die EU ein Minus von 40 Prozent vorgenommen.

Viele neue Gesetze

Der "Green Deal" ist aber zunächst nur ein angekündigtes Gesetzgebungsprogramm. Zentraler Punkt dabei ist ein Klimagesetz, mit dem das Ziel für 2050 "unumkehrbar" festgeschrieben wird. Die themenspezifischen neuen Gesetze werden erst 2020 und 2021 vorgestellt.

Konkret sollen etwa die EU-Gesetze zur Energieeffizienz und zum Ausbau erneuerbarer Energien den neuen Zielen angepasst werden. Die EU-Industrie, die künftig scharfe Umweltauflagen erfüllen muss, soll mit einem "Carbon Border Mechanism" vor klimaschädlich produzierten Billigimporten geschützt werden, möglicherweise mit Zöllen.

Ein Anpassungsfonds soll zudem 100 Milliarden Euro Hilfen für Regionen mobilisieren, denen die Umstellung besonders viel abverlangt.

Auch soll das Emissionshandelssystem ausgeweitet werden, was voraussichtlich das Fliegen und Schiffstransporte teurer macht. Eine moderne Kreislaufwirtschaft soll Müll und Verschmutzung vermeiden. Geplant sind zudem neue Strategien für saubere Luft und sauberes Wasser und einen Schutz der Artenvielfalt, eine Anpassung der Landwirtschaftspolitik und eine massive Aufforstung.

Breite Unterstützung im EU-Parlament

Die Vorstellung des "Green Deal" nur elf Tage nach Amtsantritt der neuen EU-Kommission war auch als Signal gedacht - an den EU-Gipfel und vor allem an die Uno-Klimakonferenz in Madrid.

Dort wird gerade intensiv über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 verhandelt. In dem Vertrag haben sich mehr als 190 Staaten verpflichtet, die globale Erwärmung bei unter zwei Grad und möglichst bei 1,5 Grad zu stoppen.

Im EU-Parlament, wo von der Leyen ihr Programm am Mittwochnachmittag als erstes vorstellte, kann sie auf breite Unterstützung zählen. Die grossen Fraktionen Europäische Volkspartei, Sozialdemokraten, Liberale und Grüne signalisierten grundsätzliche Rückendeckung. Die Linke will ein noch ehrgeizigeres Programm.

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