Italien

Wer diesen Test besteht, darf wieder raus: Venetien lässt 100'000 Menschen auf Antikörper checken

Wird der Markusplatz in Venedig dank flächendeckender Antikörpertests bald wieder etwas belebter sein? (Bild: Keystone)

Wird der Markusplatz in Venedig dank flächendeckender Antikörpertests bald wieder etwas belebter sein? (Bild: Keystone)

Priorität haben die rund 30'000 medizinischen Fachkräfte, die derzeit nicht zur Arbeit antreten können. Rom ist nicht begeistert über das Vorgehen der venetianischen Lokalregierung.

Österreich machts vor – und Italien könnte bald nachziehen: Über die schrittweise Lockerung der bestehenden Quarantäne-Massnahmen wird im Belpaese zur Zeit intensiv diskutiert. Nicht zuletzt, weil die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen des Landes seit einigen Tagen deutlich abnimmt. Und während der Druck auf die Krankenhäuser nachlässt, nimmt der politische Druck auf die Regierung zu, den Italienern nach fünf Wochen der Isolation endlich einen Weg zurück in die Normalität zu skizzieren.

Der Weg dazu soll über flächendeckende Antikörpertests führen, die aufzeigen würden, wer die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 bereits durchgemacht hat und jetzt immun ist gegen das Virus. Mit flächendeckenden Antikörpertests könnte festgestellt werden, wie weit die Bevölkerung noch von der sogenannten Herden-Immunität entfernt ist, die erreicht sein muss, um zum Normalzustand zurückzukehren. Ausserdem würden sie den Behörden wertvolle Hinweise darauf liefern, welche Massnahmen für welche Personengruppen gelockert werden könnten.

Italiens Vorkämpfer für die flächendeckenden Antikörpertests ist Luca Zaia, Präsident der von der Coronaepidemie stark betroffenen Region Venetien. Zaia hatte schon in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass die Regionalregierung 732'000 Schnell-Tests in China beschafft habe. Die ersten 100'000 Personen sollen noch diese Woche auf Antikörper getestet werden. «Wir wollen den von der Krankheit geheilten Personen eine Art Immunitäts-Bescheinigung zu geben, damit sie wieder arbeiten können», erklärte Zaia. Die Zuverlässigkeit der chinesischen Tests betrage etwa 95 Prozent.

Medizinisches Personal soll zuerst an die Reihe kommen

Inzwischen haben auch die Regionalregierungen der Toskana, der Emilia-Romagna und Liguriens ähnliche Testreihen angekündigt. Der Grund ist immer derselbe: Die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns werden mit jeder Woche dramatischer: Bereits 20 Millionen italienische Arbeitnehmer beziehen staatliche Unterstützung.

Angesichts der gewaltigen wirtschaftlichen Schäden scheint es Luca Zaia absurd, hunderttausende von Personen, die möglicherweise bereits immun sind, einzuschliessen. Ganz besonders gelte dies für Angestellte von Spitälern und Altersheimen, die dringend gebraucht werden. Die ersten 30'000 Antikörpertests will Venetien deshalb bei Personen durchführen, die im medizinischen Bereich tätig sind.

Ähnliche Pläne wie Luca Zaia hat auch die italienische Regierung von Giuseppe Conte. Flächendeckende Antikörpertests seien eine unerlässliche Voraussetzung, um die geltenden Einschränkungen zurückzufahren, sagte Gesundheitsminister Roberto Speranza am Wochenende. Allein in der Lombardei, der am stärksten betroffenen Region Italiens, könnten sich bis zu fünf Millionen Menschen mit dem Virus infiziert haben, ohne etwas davon zu merken. Es sei gut möglich, dass sie inzwischen wieder virenfrei und immun gegen das Virus seien.

Dennoch ist die Regierung nicht begeistert vom Vorpreschen der Regionalpräsidenten im Norden: Die Tests seien zwar unabdingbar, aber sie müssten landesweit einheitlich und koordiniert durchgeführt werden, betont der Präsident des nationalen Sanitätsrats Franco Locatelli.

Noch bestehen einige Unklarheiten bezüglich dem konkreten Vorgehen bei den Antikörpertests. In den nächsten Tagen aber sollen die Bevölkerungsgruppen definiert werden, die einem solchen Test auf nationaler Ebene unterzogen werden sollen. «Wir legen derzeit den Umfang der Tests und die Arbeitsprofile derjenigen fest, die als erste untersucht werden», sagte Locatelli.

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