US-Wahlen

Wer wird die starke Frau an Bidens Seite? Diese 5 Kandidatinnen könnten das Rennen machen

In wenigen Tagen will der demokratische Kandidat Joe Biden bekanntgeben, wer seine Vizepräsidentin werden soll. Die Favoritinnen stehen fest.

Acht Jahre lang hatte er den Job selbst. Jetzt muss sich Joe Biden entscheiden, wer den Job des US-Vizepräsidenten erhalten soll, wenn die Demokraten im November gegen Donald Trump gewinnen und das Weisse Haus zurück erobern sollten. Biden hat angekündigt, dass er seinen Entscheid in den kommenden Tagen bekanntgeben will.

Klar ist jetzt schon: Der 77-jährige Politveteran wird mit einer Frau an seiner Seite bei den Wahlen antreten. Das hat Biden bereits im März versprochen. Sein Team hat in den vergangenen Wochen mehrere Kandidatinnen auf Herz, Nieren und Leichen im Keller geprüft.

Auf zwei Dinge achtet Biden bei seiner Wahl besonders: Erstens müsse seine potenzielle Vizepräsidentin ihm «simpatico» sein, betonte er. Das Amt des Vizepräsidenten ist in der amerikanischen Verfassung nur sehr vage definiert. Seine Hauptaufgabe besteht darin, das höchste Amt des Landes zu übernehmen, wenn der Präsident stirbt oder krankheitshalber ausfällt. Biden selbst aber spielte in der Regierung von Barack Obama eine zentrale Rolle als Berater und als Verantwortlicher für bestimmte politische Projekte. So half er etwa tatkräftig bei der Umsetzung der Gesundheitsreform mit.

Zudem wollte Obama, dass Biden stets «der letzte Mann im Raum» sei, wenn es wichtige Entscheide zu treffen gäbe. Es ist davon auszugehen, dass Biden auch seiner eigenen Vizepräsidentin eine zentrale Rolle einräumen und etwa die wöchentlichen Lunch-Gespräche, die er mit Obama hatte, beibehalten will. E in gutes persönliches Verhältnis ist daher umso wichtiger.

Mehr Wert als «einen Krug warmer Pisse»

Zweitens will Biden jemanden, der ab dem ersten Tag bereit wäre, das Präsidentschaftsamt im Notfall zu übernehmen. Der älteste Präsidentschaftskandidat in der amerikanischen Geschichte ist sich bewusst, dass er jederzeit ausfallen könnte. Umso wahrscheinlicher ist es, dass er keine politische Newcomerin, sondern eine gestandene Politikerin an seiner Seite haben will.

Bidens Alter – bei der Amtseinsetzung wäre er gar schon 78 – lässt die Vermutung zu, dass er 2024 nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren, sondern seinen Platz für jemand anderen freimachen würde. In der Pole Position wäre dann ganz klar Bidens Vizepräsidentin. Der Job, den der erste Vizepräsident der USA, John Adams, einst als «komplett bedeutungslos» bezeichnete und dessen Wert Franklin Roosevelts Vize John Nance Garner einst mit einem «Krug warmer Pisse» gleichgesetzt hatte, hat in den vergangenen Jahren stetig an Einfluss gewonnen. So viel Macht und Verantwortung wie jetzt vereinte er noch nie auf sich.

1 – Kamala Harris (55)

Ex-Staatsanwältin und Ex-Biden-Kritikerin Kamala Harris.

Ex-Staatsanwältin und Ex-Biden-Kritikerin Kamala Harris.

Die ehemalige Staatsanwältin und Senatorin aus Kalifornien gilt als Topanwärterin auf das Amt. Sie hat zwei Stiefkinder, ihre Eltern stammen aus Jamaika und Indien.

Was für sie spricht: Harris hat ursprünglich selber für das Präsidentschaftsamt kandidiert und weiss, wie man Wahlkampf betreibt. Sie setzt sich für Gleichberechtigung ein und hat sich bei den Anti-Rassismus-Protesten stark engagiert. Zudem war sie mit Joe Bidens verstorbenem Sohn Beau (ebenfalls ein Staatsanwalt) befreundet.

Was gegen sie spricht: Harris geriet sich mit Biden bei einer TV-Debatte 2019 in die Haare und beschuldigte ihn, zu wenig klar gegen Rassismus vorzugehen. Laut einer aufgetauchten Notiz von Biden hegt er deswegen allerdings «keinen Groll» gegen sie.
Chancen: ★★★★☆

2 – Susan Rice (55)

Ex-Sicherheitsberaterin und UNO-Botschafterin Susan Rice.

Ex-Sicherheitsberaterin und UNO-Botschafterin Susan Rice.

Als nationale Sicherheitsberaterin von Präsident Barack Obama und Botschafterin der USA bei der UNO hat die zweifache Mutter viel Erfahrung gesammelt.

Was für sie spricht: Die begeisterte Tennisspielerin kennt Biden aus ihrer gemeinsamen Amtszeit in der Obama-Regierung. Sie war an der Aushandlung des Atomdeals mit dem Iran und bei den Verhandlungen zum Pariser Klimaabkommen engagiert. Seit 2018 gehört sie zudem dem Vorstand der Videoplattform Netflix an: ein Coolness-Punkt – mindestens für junge Wähler.

Was gegen sie spricht: Rice hat nie selber für ein politisches Amt kandidiert und keine Wahlkampf-Erfahrung. Auch ihr Wohnort Washington spricht gegen sie. Biden wohnt fast nebenan in Delaware. Etwas mehr geografische Diversität täte gut.
Chancen: ★★★☆☆

3 – Elizabeth Warren (71)

Ex-Präsidentschaftskandidatin und Biden-Konkurrentin Elizabeth Warren.

Ex-Präsidentschaftskandidatin und Biden-Konkurrentin Elizabeth Warren.

Die Senatorin aus Massachusetts hat zwei Kinder, drei Enkel und Millionen von Fans: vor allem junge Wähler aus dem linken Spektrum.

Was für sie spricht: Warren ist eine unerschrockene Wahlkämpferin, die mit ihren Visionen von mehr Sozialstaat und höheren Steuern für Reiche zahlreichen jungen Amerikanern aus dem Herzen spricht. Sie kennt Biden persönlich. Schon 2016, als sich Biden eine Kandidatur überlegte, hat er Warren als Vizepräsidentin in Betracht gezogen.

Was gegen sie spricht: Warren gehört mit 71 zur selben Generation wie Biden. Zwei Ü70er im Weissen Haus: Das wirkt angestaubt. Zudem ist Warren weiss. Um die Anti-Rassismus- Demonstranten an die Urne zu bringen, dürfte Biden auf eine schwarze Frau setzen.
Chancen: ★★☆☆☆

4 – Val Demings (63)

Ex-Polizeichefin Val Demings.

Ex-Polizeichefin Val Demings.

Die Abgeordnete aus Florida ist dreifache Mutter und hat nach einer langen Laufbahn bei der Polizei als erste Frau überhaupt das Amt als Polizeichefin der Stadt Orlando übernommen.

Was für sie spricht: Demings wohnt in einem wichtigen Swingstate und machte bereits 2018 bei den Midterms-Wahlen gemeinsam mit Biden Wahlkampf. Als ehemalige Polizeichefin und Befürworterin von Polizeireformen ist sie eine Expertin bei einem der wichtigsten politischen Themen der amerikanischen Gegenwart. Zudem spielte sie eine wichtige Rolle beim letztlich geplatzten Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump.

Was gegen sie spricht: Demings ist national wenig bekannt und gehört mit 63 zu den ältesten Kandidatinnen.
Chancen: ★☆☆☆☆

5 – Michelle Obama (56)

Nach wie vor die meistbewunderte Frau Amerikas: Michelle Obama.

Nach wie vor die meistbewunderte Frau Amerikas: Michelle Obama.

Die ehemalige First Lady und zweifache Mutter wurde 2018 und 2019 vom Umfrageinstitut Gallup zur meistbewunderten Frau Amerikas gewählt.

Was für sie spricht: Eigentlich alles. Michelle Obama ist charismatisch, hat sich als Wahlkämpferin bewährt, geniesst hohes Ansehen und würde die demokratischen Wähler in Scharen an die Urnen locken. Mit ihr an seiner Seite hätte Biden die Wahlen praktisch bereits gewonnen.

Was gegen sie spricht: Eigentlich nichts – ausser, dass sie Biden von Beginn weg in den Schatten stellen würde. Dass Biden allerdings erneut mit einem Mitglied der Familie Obama ins Weisse Haus einziehen wird, ist unwahrscheinlich. Michelle hat klipp und klar gesagt: «Ich habe keine Absicht, je für ein politisches Amt zu kandidieren.»
Chancen: ☆☆☆☆☆

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