Eigentlich sollte US-Präsident Donald Trump am Dienstag in der Lobby seines Trump-Towers über Infrastrukturprojekte sprechen. Dann beantwortete er spontan Reporterfragen zu den Nazi-Krawallen in Charlottesville – völlig unüberlegt aus dem Bauch heraus. Die Sache lief so ziemlich aus dem Ruder.

Wir beginnen mal mit einer süffigen Passage...

1. Der Trump-Wein aus Charlottesville

Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz: Präsidenten besuchen nach schlimmen Ereignissen den Ort des Geschehens, schütteln der Bevölkerung die Hände und bieten Unterstützung an. Ein Reporter fragte denn Trump, ob er bald nach Charlottesville reisen werde. Darauf ging der Präsident nicht ein. Die Stadt sei schwer getroffen worden in den letzten Tagen.

Trump über sein Weingut.

Und dann wie aus dem Nichts. «Ich besitze eines der grössten Weingüter in den Vereinigten Staaten. Es liegt in Charlottesville», erklärte er stattdessen den verdutzten Anwesenden. 

Trump hatte das Weingut 2011 gekauft. Mittlerweile schaut sein Sohn Eric zum Wein-Business. 

Ob das ein guter Tropfen ist?

Ob das ein guter Tropfen ist?

Kommen wir zum ernsteren Teil ...

2. Trump verteidigt die Nazis

Allgemein wurde erwartet, dass der US-Präsident die Gewalt der Rechtsextremen nun in voller Schärfe verurteilt. Schliesslich wurde in Charlottesville eine junge Frau von einem Rechtsextremen getötet. Denkste! «Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war», sagte der sicht- und hörbar verärgerte Trump an der hitzigen Pressekonferenz in New York. Damit verteidigte der US-Präsident Neonazis gegen Gegendemonstranten.

Es seien längst nicht nur Rassisten und Nationalisten auf der Strasse gewesen, sondern auch unschuldige Demonstranten, die etwa am Vorabend friedlich gegen den Abriss der Statue des Südstaatengenerals Robert E. Lee hätten protestieren wollen. Es habe «auf beiden Seiten sehr anständige Leute»gegeben.

3. Trump und sein Zögern

Ob Nordkorea oder Russland-Affäre: Trump reagiert oftmals innert Minuten mit seinen berühmt-berüchtigten Tweets – auch wenn längst noch nicht alle Fakten bekannt sind. Doch ausgerechnet nach den Nazi-Krawallen brauchte er zwei Tage, um die Ausschreitungen zu verurteilen. Und krebste jetzt sogar zurück. 

Trump stellte sich den Reporterfragen – und überrumpelte damit seinen Staff.

Trump stellte sich den Reporterfragen – und überrumpelte damit seinen Staff.

Auf die Frage, warum er zwei Tage gewartet habe, bevor er die rechtsextreme Gewalt ausdrücklich verurteilt habe, sagte Trump, er habe kein «schnelles Statement» abgeben, sondern zunächst alle Fakten abwarten wollen. Er habe «sehr genau hingeschaut, sehr viel genauer als die meisten Leute», führte er weiter aus. Sein Timing sei «exzellent» gewesen. Beide Gruppen in Charlottesville seien aggressiv gewesen. Dies wolle nur niemand zugeben. 

Apropos Trump und Fakten. Wir erinnern uns: Im Dezember 2016 schoss ein Mann in einem Zürcher Islamzentrum auf mehrere Menschen. Der designierte Präsident sprach damals sofort von einem Terrorangriff. 

4. Schiesst er Bannon ab?

Zwar verteidigte Trump seinen «Freund» und Chefideologen Steve Bannon zuerst, der massgeblich zum Erstarken der Alt-Right-Bewegung mitverantwortlich gemacht wird. Dieser sei «ein guter Mann, kein Rassist», erklärte Trump.

«Er ist ein guter Freund»: Trump über Bannon.

Dann schwenkte Trump sogleich wieder um: «Wir werden sehen, was mit Herrn Bannon geschieht». Er sei erst spät in sein Team gekommen Und lässt damit die Zukunft des ehemaligen Breitbart-Chefs völlig offen. US-Medien hatten zuvor berichtet, Bannon stehe möglicherweise kurz vor der Entlassung. Bannon gilt als einer der Köpfe hinter den Machtkämpfen im Weissen Haus.

5. Unbezahlbar: Die Reaktion des Stabschefs

Trump ausser Kontrolle. Stabschef John Kelly verfolgte die wutentbrannten Äusserungen seines Chefs ganz am Rande des Saals. 

Gesenktes Haupt: Stabschef John Kelly.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte ... der Spott liess denn nicht lange auf sich warten. Der Ex-General hat sein Amt erst vor wenigen Wochen angetreten und sollte endlich Ordnung in die Trump-Regierung bringen. 

6. So jubelt der Ku-Klux-Clan

Trump hat in seinem Wahlkampf mit zahlreichen Rechtsaussen-Gruppen sympathisiert. Diese lieben ihn wegen seiner Statements. Minuten nach Trumps Einlassungen twitterte der frühere Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, er danke dem Präsidenten für seine Aufrichtigkeit und den Mut, die Wahrheit zu Charlottesville auszusprechen und die «Linksterroristen» in der Bewegung «Black Lives Matter» und der Antifa zu verdammen.

7. Und dann sagt Trump noch dies ...

Trumps Äusserungen haben in den USA grossen Wirbel verursacht. Medien sprechen von der «irrsten Medienkonferenz aller Zeiten». 

Trump hat höchstwahrscheinlich nach seiner Pressekonferenz den Fernseher eingeschaltet. Und machte dann seinem Frust sogleich auf Twitter Luft: «Die Fake-News-Medien sind einfach nie zufrieden. Das sind grundsätzlich schlechte Menschen.»

Mit Material von sda