Aus dem Baukasten

Nach den VW-Modellen ID.3 und ID.4 darf nun auch Skoda die E-Auto-Plattform aus dem VW-Konzern nutzen. Der Enyaq im ersten Test.

Philipp Aeberli
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Der Enyaq fällt durch den steil stehenden, grossen Kühlergrill auf.

Der Enyaq fällt durch den steil stehenden, grossen Kühlergrill auf.

Bild: zVg

Auch beim Umstieg auf die Elektromobilität setzt der VW-Konzern auf das bewährte Baukastenprinzip. Wie schon bei den Modellen mit konventionellem Antrieb hat der Konzern eine gemeinsame Technikplattform entwickelt, auf der sich Modelle für unterschiedlichste Ansprüche und Marken verwirklichen lassen.

Der «modulare Elektro-Baukasten», wie die Plattform für E-Mobile im VW-Konzern heisst, debütierte mit dem VW ID.3. Auch das kurz darauf präsentierte SUV ID.4 basiert auf dieser Technik mit flach im Unterboden verbauten Akkus und wahlweise Heck- oder Allradantrieb. Die Technik, auf welcher der erste von Grund auf als solcher konzipierte Stromer der tschechischen VW-Tochtermarke basiert, ist also weitestgehend bekannt. Und trotzdem schafft es Skoda, ein eigenständiges Fahrzeug zu kreieren. Mit scharf gezeichneten, klaren Linien ordnet sich der Enyaq nahtlos in die Skoda-Modell-Familie ein. Das SUV wirkt elegant und unaufdringlich – und will sich in erster Linie als Skoda zu erkennen geben. Aufdringlich zur Schau gestellte Merkmale, dass es sich hier um ein Auto mit elektrischem Antrieb handelt, erachtet Skoda glücklicherweise als unnötig. Ein klares Zeichen: Der E-Antrieb soll etwas ganz Normales sein.

Die wichtigste Voraussetzung dafür findet sich im Unterboden: Der Akku bietet je nach Version 58 oder 77 kWh nutzbare Energie. Das reicht für bis zu 532 Kilometer Reichweite nach WLTP; auf der ersten Testrunde über hügelige Landstrassen und einige Autobahnkilometer lag der Durchschnittsverbrauch bei rund 18 kWh/100 km. Damit sind mit einer Akkuladung im realen Strassenbetrieb auf jeden Fall gut 400 Kilometer möglich, womit man sich über fehlende Reichweite kaum Gedanken machen muss. An einer Schnellladestation mit mindestens 125 kW ist der Akku nach 38 Minuten wieder zu 80 Prozent geladen, sodass man auch lange Strecken unter die Räder nehmen kann. Denn: Dafür taugt das elektrische SUV auf jeden Fall. Selbst für Elektroauto-Massstäbe ist es im Innenraum auffallend ruhig. Nicht nur Wind- und Abrollgeräusche sind leise, sondern auch der Antrieb an sich. Denn ein Elektromotor ist zwar grundsätzlich deutlich leiser als ein Verbrennungsmotor, aber nicht zwingend unhörbar. Sowohl beim Beschleunigen als auch beim Verzögern ist in manchem Modell ein deutliches Surren zu vernehmen; im Enyaq ist das aber nur bei ganz genauem Hinhören vernehmbar.

Der Skoda-Schriftzug prangt prominent am Heck.

Der Skoda-Schriftzug prangt prominent am Heck.

Bild: zVg

Auch das Fahrwerk ist im Stromer klar auf Komfort ausgelegt, was in einem deutlich über 2 Tonnen schweren SUV auch absolut richtig ist. Wer es etwas dynamischer mag, sollte sich ohnehin noch etwas länger gedulden; der Enyaq startet im Herbst zunächst mit Hinterradantrieb und den genannten Akkupaketen. Später liefert Skoda zwei Allradvarianten nach. Sie verfügen über das grosse Akkupaket und eine zusätzliche E-Maschine an der Vorderachse. So sollen im sportlichen RS knapp 300 PS anliegen. Die Reichweite reduziert sich allerdings auf 460 Kilometer laut WLTP-Messung.

Preis/Leistung – auch mit Akku – im Vordergrund

Auch wenn Skoda mit dem Enyaq in ein neues Zeitalter aufbrechen will, bleibt eines ganz beim Alten: Bei der Marke soll Preis/Leistung im Vordergrund stehen. Das betont der Neuling mit seinem sehr luftigen Raumangebot auf allen Plätzen, dem grosszügigen Kofferraum und vor allem mit seinem vernünftigen Einstandspreis: Das Basismodell startet schon bei 42590 Franken. Der grössere Akku kostet 5000 Franken Aufpreis. Eine Investition, die sich natürlich in erster Linie für Langstreckenfahrer lohnt. Aber auch für E-Auto-Neueinsteiger dürfte das gut investiertes Geld sein. Denn mehr Reserve im Akku bedeutet deutlich weniger Stress, gerade wenn der Umgang mit Ladestationen und Restreichweite noch Neuland ist.

Freilich ist man diesbezüglich nicht ganz auf sich alleine gestellt. Das Navi, dargestellt auf einem grossen, zentral platzierten Touchscreen, hilft bei der Routenplanung und beim Finden von freien Ladestationen. Das System funktioniert recht intuitiv und reagiert prompt auf Eingaben. Zusätzlich zum grossen Touchscreen gibt es für den Fahrer eine kleine digitale Tachoeinheit mit den nötigsten Informationen und auf Wunsch ein Head-up-Display, das beispielsweise die Navigationspfeile in «Augmented reality»-Darstellung bietet.

Ansprechendes Interieur mit grossem Touchscreen.

Ansprechendes Interieur mit grossem Touchscreen.

Bild: zVg

Insgesamt wirkt der Enyaq nicht nur optisch ansprechend, sondern auch solide verarbeitet und gut durchdacht – wie man es eben von einem Skoda erwartet. Hinzu kommen die guten Fahreigenschaften und die grosszügige Reichweite.

Das macht ihn zu einem derzeit fast schon konkurrenzlos guten Angebot unter den E-Autos, sofern man die Variabilität eines geräumigen SUV benötigt. Ein vergleichbar motorisierter VW ID.4 ist rund 4500 Franken teurer, das Model Y von Tesla ist noch nicht erhältlich, wird aber wohl ebenfalls teurer als der Skoda.

Skoda Enyaq iV 80

Motor: E-Maschine permanent

Leistung: 204 PS/310 Nm

Antrieb: Aut.-1-Gang, Heckantr.

L×B×H: 4649×1879×1616 mm

Kofferraumvolumen: 585 l

Gewicht: 2090 kg

0–100 km/h: 8,5 Sek.

Vmax: 160 km/h

Reichweite WLTP: 532 km

Preis: ab 47590 Franken

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