Auto-Statistik
Die Lieblinge der Nation

2021 hatten die Schweizer Autokäufer einen neuen Liebling. Mit dem Model 3 von Tesla stand erstmals ein E-Auto ganz oben.

Philipp Aeberli Jetzt kommentieren
Drucken
Meistverkauftes Auto der Schweiz 2021: Das Model 3 von Tesla.

Meistverkauftes Auto der Schweiz 2021: Das Model 3 von Tesla.

Bild: pae

Der Automarkt erholt sich von den gravierenden Auswirkungen des Corona-Ausbruchs. Allerdings nur sehr langsam. 2019 wurden in der Schweiz noch 311 466 neue Personenwagen zugelassen; im ersten Coronajahr 2020 sackten die Neuzulassungen auf 236 827 ab. Und auch 2021 sah es kaum besser aus: 238 481 neue PW wurden eingelöst, gerade einmal 0,7% mehr als im Vorjahr. Das liegt aber nicht an zurückhaltender Kundschaft, sondern vor allem an Lieferschwierigkeiten bei den Autoherstellern. Diesen mangelt es an Halbleitern. Denn viele Hersteller haben zu Beginn der Pandemie ihre Abnahmeverträge mit den Chipherstellern angepasst, da man von drastisch einbrechender Produktion ausging. Die Kontingente wurden an andere Abnehmer vergeben und fehlen nun in der Autoindustrie. Zudem sind die Chips aufgrund diverser Produktionsausfälle ohnehin zum raren Gut geworden. Und: Ohne Computerchips läuft kein Auto mehr vom Band. Jedes Fahrzeug, ob Kleinwagen oder Luxuskarosse, benötigt Dutzende, um Antrieb, Navigation, Bordcomputer, Assistenzsysteme etc. zu steuern. Autos wurden also plötzlich zur Mangelware. «Wir sind es uns nicht gewohnt, dass die Nachfrage nach Neufahrzeugen deutlich über dem Angebot liegt», sagt Christoph Wolnik, Pressesprecher von Auto Schweiz, der Vereinigung der Autoimporteure. Mit einer Verbesserung ist wohl erst im zweiten Halbjahr 2022 zu rechnen. Bis dahin müssen Kunden mit langen Lieferfristen rechnen – und die Hersteller bevorzugen bei den Auslieferungen oftmals teurere Modelle mit höherer Rendite und Autos mit E-Antrieb, da man so den CO2-Ausstoss der verkauften Flotte in Grenzen halten kann. «Seit Beginn der Chipkrise haben Fahrzeughersteller und -importeure konsequent Modelle mit elektrischem Antrieb bei Produktion und Auslieferung bevorzugt. Diese Strategie hat sich in den vergangenen Monaten bezahlt gemacht und spiegelt sich nun auch bei den Jahreskennzahlen wider», erklärt Christoph Wolnik. So zeigt die Statistik, dass die Marktanteile von Autos mit alternativen Antrieben, also hauptsächlich voll- oder teilelektrisch, deutlich gestiegen sind.

Neuer Spitzenreiter

Die ehemalige Nummer eins landet 2021 auf dem zweiten Platz: Skoda Octavia.

Die ehemalige Nummer eins landet 2021 auf dem zweiten Platz: Skoda Octavia.

Bild: zVg

So kommt es nicht ganz überraschend, dass 2021 erstmals ein E-Auto an der Spitze der Zulassungsstatistik steht. Viel überraschender ist, dass kein Auto aus dem VW-Konzern ganz oben steht.

2017 löste der Skoda Octavia den VW Golf nach über 40 Jahren an der Spitze ab. Und nun wird der Tscheche aus dem VW-Konzern selbst vom Thron gestossen: Mit 5074 Stück verkaufte sich das Model 3 von Tesla exakt 100-mal mehr als der Skoda Octavia. Auf Platz drei landet mit 3960 Zulassungen der neu aufgelegte Audi Q3.

Damit ist das Model 3 nicht nur das beliebteste Auto der Schweiz – sondern natürlich auch das beliebteste E-Auto. Deren Marktanteil stieg von 8,2% im Vorjahr auf 13,1% an. Auf die elektrische Mittelklasse aus Kalifornien folgt mit grossem Abstand der ID.3 von VW, der 2419-mal zugelassen wurde. Platz drei unter den Stromern belegt der Skoda Enyaq, der auf demselben Technik-Baukasten des VW-Konzerns aufbaut.

Platz drei geht a n den Audi Q3.

Platz drei geht a n den Audi Q3.

Bild: zVg

Beliebter Zwischenschritt

Auch Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid legten 2021 deutlich zu. Sie schaffen, je nach Modell, 30 bis 100 Kilometer rein elektrisch, verfügen aber zusätzlich über einen Verbrennungsmotor für längere Fahrten. Das macht freilich nur Sinn, wenn hauptsächlich kurze Strecken gefahren werden und am heimischen Parkplatz geladen werden kann. Dafür stellen Plug-in-Hybride aber für viele einen idealen Einstieg in die E-Mobilität dar. Die viel zitierte Reichweitenangst ist kein Thema, und auf langen Strecken braucht man sich nicht vom Benzintanken aufs Stromladen umzugewöhnen. Und für den Hersteller sind die «PHEV»-Modelle ein effektiver Weg, den Flottenverbrauch zu senken, wenn sie denn in genügend hoher Anzahl verkauft werden. Das Angebot wuchs hier rasant – was sich auch in den Verkaufszahlen spiegelt. Der Marktanteil von Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen stieg im Vergleich zum Vorjahr von 6,1 auf 9,1%.

Deutlich gesunken sind dafür die Anteile von reinen Benzin- (–15,6%) und Dieselantrieben (–37,4%). Das liegt aber weniger am Kaufinteresse der Kunden als an der statistischen Wertung. Viele dieser Fahrzeuge werden aufgrund einer «Mild-Hybrid-Unterstützung» nicht mehr als «Benziner» oder «Diesel» gewertet, sondern als Fahrzeug mit alternativem Antrieb. Rein elektrisch können sie aber keinen Meter fahren. Auch 2022 dürften die Marktanteile der elektrifizierten Antriebe weiter wachsen. Denn die Hersteller haben einen klaren Fahrplan zur Elektrifizierung ihrer Flotte. Ganz ohne – zumindest optionale – E-Unterstützung kommt kein Modell mehr auf den Markt. So werden laufend mehr Fahrzeugsegmente mit elektrischen Alternativen abgedeckt, was für mehr Verkäufe sorgt. Gleichzeitig muss natürlich auch die Lade-Infrastruktur weiter mitwachsen.

Aufgrund der anhaltenden Lieferschwierigkeiten kamen dafür die Gebrauchtwagenhändler zu einem guten Jahr. Die Nachfrage nach Occasionen war ausserordentlich hoch, die Preise steigen entsprechend an.

Das widerspiegelt sich schlussendlich auch im Motorfahrzeugbestand. Dieser ist nämlich – trotz weniger Neuverkäufe – erneut gestiegen. Per Ende Dezember 2021 waren 6 447 749 Fahrzeuge eingelöst. Das sind gut 100 000 mehr als ein Jahr davor.

0 Kommentare