Peugeot 508 GT

Der Löwe bittet zum Tanz

Der neue Peugeot 508 zeigt im Test, ob er in der umkämpften Mittelklasse bestehen kann.

Wer wagt, gewinnt! Wenn es um das Design des neuen Peugeot 508 geht, trifft das auf jeden Fall zu. Denn die Mittelklasse-Limousine aus Frankreich wirkt alles andere als gewöhnlich – und fällt im Strassenbild wohltuend auf. Erst recht, wenn die Limousine, wie der Testwagen, in kräftigem Rot (Aufpreis 1200 Franken) und mit schicken 19-Zoll-Felgen vorfährt.
Die grossen LED-Tagfahrlichter prägen die Front; als kleines Zitat an die Vergangenheit prangt mittig die Modellbezeichnung «508» direkt über dem markentypischen Löwen, wie es schon bei den Peugeot-Modellen der 1960er und 1070er war.
Am Heck fällt der 508 durch ein durchgängiges Band zwischen den Rückleuchten auf, das ihn breit und flach wirken lässt; genauso wie die gestreckte Seitenlinie, die sich eher an sportlichen Coupés als an klassischen Limousinen orientiert. Dazu passt auch, dass die Heckklappe nicht wie bei einer klassischen Limousine gestaltet ist, sondern an der Dachkante ansetzt, wie bei einer Fliessheck-Limousine. Dadurch lässt sich der Kofferraum leichter be- und entladen. Bis auf die etwas hohe Ladekante gibt sich die Limousine mit 487 bis 1537 Litern Kofferraumvolumen überraschend praktisch. Auch das Raumangebot innen ist für eine immerhin 4,75 Meter lange Limousine angemessen. Nur die flache Dachkante sorgt für etwas wenig Luft über den Köpfen, vor allem auf den hinteren Sitzplätzen.

Gelungene Präsentation
Ansonsten gibt der Innenraum der sportlichen Limousine kaum Anlass zur Kritik. Denn das Cockpit ist äusserst liebevoll gestaltet. Die Tasten unter dem Touchscreen wollen an Klaviertasten erinnern – und erleichtern auf jeden Fall die Bedienung.
Zum grossen Display gesellt sich ein weiterer Monitor direkt vor dem Fahrer, der nicht nur digitale Instrumente, sondern auf Wunsch auch das Bild der Nachtsicht-Kamera in der Front darstellt, um den Fahrer bei Dunkelheit zu unterstützen (Aufpreis 1200 Franken). Ein erstes Indiz dafür, dass der Löwe nicht nur mit seiner Optik auf sich aufmerksam machen will. Die getestete Topversion «GT» bietet zu einem Preis ab 52 500 Franken fast alles, was das Herz begehrt. Zwar kostet einiges auch Extra, doch die Preise für die Optionen sind vergleichsweise vernünftig. Auf jeden Fall lohnenswert sind die elektrisch verstellbaren Sitze mit Massagefunktion für 700 Franken und die beiden Fahrassistenzpakete für je 450 Franken. Damit bietet der 508 nicht nur sehr guten Sitzkomfort, sondern auch ausgereifte Fahrhelfer wie den gut funktionierenden, aktiven Spurhalteassistenten für die Autobahn und den geschmeidig agierenden Radartempomaten für bequemes Reisen. Was im Innenraum ebenfalls auffällt: Das kleine Lenkrad. Das ist auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig. Das beginnt schon beim Finden der richtigen Sitzposition. Hat man sich aber erst mal eingerichtet und eingewöhnt, liegt das kleine Lenkrädchen gut in der Hand und sorgt dafür, dass sich die Limousine noch einen Tick handlicher anfühlt und der sportlichen Optik erst recht gerecht wird.
Denn der Peugeot 508 will, erst recht als «GT», nicht nur für guten Reisekomfort stehen, sondern auch für Fahrspass. Lobenswert ist, dass Peugeot sich dagegen entschieden hat, das Fahrwerk mit übertriebener Härte auf Sport zu trimmen. Der 508 gönnt sich durchaus etwas Neigung in Kurven, ohne dabei jemals unkontrolliert oder schwammig zu wirken. Viel eher ist er flüssig und souverän unterwegs und lässt sich auch von schlechtem Asphalt nicht aus der Ruhe bringen. Nur kurze Querfugen bei geringem Tempo federt die Limousine nicht ganz so gekonnt weg, was aber auch an den optionalen 19-Zoll-Felgen liegen dürfte.

Gut motorisiert
Für sportlichen Vortrieb sorgt im Testwagen ein 4-Zylinder-Turbo mit 225 PS, gepaart mit einer 8-Gang-Automatik. Damit ist der rund 1600 kg schwere Fronttriebler gut gerüstet. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 7,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit läge bei respektablen 250 km/h.
Im Alltag schätzt man aber viel eher die guten Manieren und den spritzigen Durchzug mit 300 Nm Drehmoment ab 1900 Umdrehungen. So kaschiert der Motor sehr gut, dass er mit nur 1,6 Litern Hubraum auskommen muss. Der geringe Hubraum soll dem 508 auch zu einem tiefen Verbrauch verhelfen. 5,7 l/100 km hat Peugeot noch nach der nicht mehr geltenden NEFZ-Norm gemessen.
Im Testschnitt über 1000 Kilometer auf Autobahnen, Landstrassen und gelegentlichen Stadt-Abschnitten waren es schlussendlich 7,9 l/100 km. Auf ruhig gefahrenen Autobahnetappen mit vorausschauender Fahrweise sind rund 6,5 l/100 km möglich.
Das ist kein Glanzresultat, aber gemessen am sportlichen Fahrspass gepaart mit dem hohen Fahrkomfort absolut in Ordnung. Wer noch etwas mehr Vernunft wünscht, ist mit dem nur rund 1000 Franken teureren Diesel mit 180 PS besser bedient; er soll laut Normmessung einen Liter weniger verbrauchen.
So oder so bietet der neue Peugeot 508 ein gelungenes Gesamtpaket mit aufregender Optik fernab des Gewöhnlichen und moderner Technik, die auch im Alltag sinnvoll ist und funktioniert. Wer es also wagt, sich den 508 als Alternative in der Mittelklasse einmal genauer anzusehen, kann auf jeden Fall gewinnen.

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