Von einer Dynastie, die schon seit 30 Jahren existiert, spricht man bei Renault, wenn es um den Clio geht. Der Kompakte ist das Herz der Modellpalette und für viele der Inbegriff der Marke. 2,6 Millionen Stück verkauften die Franzosen allein von der seit 2013 gebauten, vierten Generation. Insgesamt kamen schon rund 15 Millionen Clio auf die Strasse; alle 60 Sekunden wird im Schnitt ein Clio verkauft. Das macht ihn zur Nummer eins im B-Segment der Kompaktwagen.
Das hegt Erwartungen für die fünfte Generation, die im Herbst zu den Händlern rollt. Renault spricht bewusst von einer Evolution. Zwar soll der neue Clio in jeder Hinsicht besser geworden sein. Gleichzeitig möchte man das seit 1990 gereifte Grundkonzept des Kompaktwagens aber auch nicht über Bord werfen. So wurde der Clio optisch eher gestrafft, als grundsätzlich neu erfunden. Er wirkt frischer, aber nicht grundlegend anders als sein Vorgänger. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein komplett neues Auto handelt. Das zeigt sich schon bei den Aussenabmessungen. Im Vergleich zur vierten Generation ist der Clio Nummer fünf mit 4,05 Meter um zwölf Millimeter kürzer als der Vorgänger.
Trotzdem wächst das Platzangebot im Innenraum; der Kofferraum wächst um 61 Liter auf nun 391 und erhält zudem eine breitere Ladeluke. Allerdings liegt die Ladekante etwas höher als zuvor. Das hat einen praktischen Grund: So baut die Stossstange am Heck etwas höher. Das reduziert die Reparaturkosten bei einem Parkrempler oder Auffahrunfall, wodurch der Clio auch bei der Versicherung etwas günstiger eingestuft wird. Kleine Details wie dieses zeigen, dass Renault auf fast 30 Jahre Erfahrung zurückgreifen kann – und seinen Kompakten dadurch stetig verbessern kann.
Das merkt man dem neuen Clio auch bei der ersten Testfahrt auf der Strasse an. Der Franzose wirkt sehr erwachsen und solide. Auch mit schlechtem Strassenbelag kommt das komfortabel abgestimmte Fahrwerk gut zurecht. Trotzdem bietet der Clio auch auf kurvigem Geläuf genügend Reserven. Zum ausgereiften Fahrverhalten passt auch das aufgeräumte und solide verarbeitete Cockpit mit digitalen Instrumenten und grossem, im Hochformat montierten Touchscreen. Dessen Darstellung wirkt zwar auf den ersten Blick nicht topmodern, dafür lässt sich das System aber intuitiv und einfach bedienen und wirkt sehr übersichtlich. Das dürfte vor allem langfristig Gefallen finden. Nur die Sitze wirken für Grossgewachsene nicht ganz optimal, da die Oberschenkelauflage etwas kurz und nicht verstellbar ist. So muss man ein paarmal nachjustieren, bis man eine passende Sitzposition gefunden hat. Dafür bleibt dank der neu gestalteten Rückenlehne auch auf der Rückbank noch Platz, sodass diese gut nutzbar ist.

Evolution und Revolution
Unter der Haube setzt Renault auf Evolution und Revolution gleichzeitig. So sind Benzin- und Dieselmotoren der neuesten Generation verfügbar. Der Einstiegsbenziner, der schon ab 14 990 Franken zu haben ist, bietet 72 PS und eine Fünfgang-Handschaltung. Darüber folgt der TCe 100 mit ebenfalls drei Zylindern und 1,0 Liter Hubraum, der 100 PS mobilisiert. Empfehlenswerter, weil deutlich souveräner, ist der Vierzylinder mit 1,4 Liter Hubraum und 130 PS, der zudem mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsautomaten ausgeliefert wird. Er kostet ab 22 700 Franken. Zudem steht ein 1,5-Liter Diesel im Angebot, der bei 85 PS nur 3,8 l/100 km verbrauchen will.
Anfang 2020 bringt Renault im Clio zudem den ersten Vollhybrid-Antrieb der Markengeschichte auf die Strasse. Er kombiniert einen 1,6-Liter-Benziner mit einer kleinen Batterie mit 1,2 kWh Speicherkapazität. Somit soll man im Stadtverkehr grosse Teile der Strecke rein elektrisch zurücklegen können. Der Verbrauch sinkt laut ersten Angaben um bis zu 40%.
Nebst dem Hybridantrieb erlaubt die neue Plattform auch den Einsatz von neuen Assistenzsystemen, die bisher im Clio noch nicht verfügbar waren. Dazu zählen ein aktiver Spurhalteassistent oder ein Radartempomat für mehr Komfort auf der Autobahn oder im Stau. Damit bleibt die Clio-Dynastie weiterhin auf der Höhe der Zeit.