So reist der Bundesrat

Die S-Klasse von Mercedes ist der Massstab in der Luxusklasse. Im Test überzeugt die Limousine mit höchstem Fahrkomfort.

Philipp Aeberli
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Die Langversion der S-Klasse fällt durch ihre Grösse auf, nicht durch unnötigen Prunk.

Die Langversion der S-Klasse fällt durch ihre Grösse auf, nicht durch unnötigen Prunk.

Bild: zVg

Die Mercedes-S-Klasse spielt in einem Preissegment, das nur für wenige Autokäufer erreichbar ist. Und trotzdem sind wir alle S-Klasse-Besitzer – zumindest indirekt: Fünf der acht Limousinen der bundesrätlichen Repräsentationsflotte tragen den Stern am Kühler. Zwar handelt es sich bei den Fahrzeugen für Berset, Keller-Suter, Amherd, Maurer und Parmelin noch um S-Klassen der Vorgängergeneration, doch werden diese in den nächsten Jahren laufend abgelöst und durch neue Modelle ersetzt. Dass der Bundesrat mehrheitlich auf die S-Klasse vertraut, ist kein Zufall. Die grosse Limousine von Mercedes ist gewissermassen das Standardwerk unter den Staatskarossen; auch im Ausland lassen sich zahlreiche ranghohe Politiker in einer S-Klasse chauffieren, weshalb man den Wagen auch schon ab Werk mit Standartenhalter und -stangen bestellen kann. Der grosse Mercedes hat sich seit 1972 einen Ruf als äusserst komfortabler und sicherer Gleiter erarbeitet – und diesen mit jeder Generation wieder neu bestätigt. Nun rollt die siebte Generation an – und will erneut alles besser machen als der Vorgänger.

Diskret, aber bestimmt

Unauffällig ist die neue S-Klasse freilich nicht, alleine schon wegen ihrer Grösse: Die getestete Langversion, wie sie meist auch für den Chauffeurdienst eingesetzt wird, misst satte 5,29 Meter. Ein VW Golf ist rund einen Meter kürzer. Abgesehen von der Grösse verzichtet die S-Klasse aber auf unnötigen Prunk und Protz; schliesslich will die S-Klasse einen seriösen Auftritt propagieren. Nur der grossflächige Kühlergrill und der traditionelle Stern auf der Haube signalisieren, dass hier eine Staatskarosse anrollt.

Die schnörkellose Form mit fliessenden Linien schmeichelt nicht nur dem Auge, sie hat vor allem auch eine technische Notwendigkeit. Mit einem cW-Wert von 0,22 ist die Limousine erstaunlich windschlüpfig. Das sorgt für tieferen Verbrauch – und vor allem für deutlich reduzierte Windgeräusche im Innenraum. Denn die chauffierten VIPs, die üblicherweise hinten rechts Platz nehmen, schätzen den grossen Stern vor allem, weil er den wahren Luxus der heutigen Zeit bietet: Raum und Stille. Wenn die Tür sanft ins Schloss fällt, werden die Geräusche der Aussenwelt buchstäblich stummgeschaltet.

Mercedes S500 L

Mercedes S500 L

Bild: zVg

Doppelte Isolierverglasung und grosse Mengen an Dämmmaterial, versteckt in fast jedem Winkel der Rohkarosse, sorgen dafür, dass die Insassen von der Aussenwelt abgekoppelt werden. Ab 80 km/h verschmelzen die Fahrgeräusche zu einem zarten Rauschen, das auch bei Autobahntempo noch dezent im Hintergrund bleibt – damit die Chauffierten auch unterwegs ungestört telefonieren, sich mit gesenkter Stimme unterhalten oder feiner klassischer Musik horchen können, ohne dabei von lästigen Fahrgeräuschen gestört zu werden.

Optional kann der Fond der Limousine mit verstellbaren Liegesitzen samt Massagefunktion, Monitoren, Klapptisch und Kühlschrank zur Wohlfühloase ausgebaut werden, sodass es auch auf längeren Strecken keinen Grund zur Beschwerde gibt. Als Weltneuheit gibt es für die Passagiere im Fond einen in den Sicherheitsgurt integrierten Airbag für noch mehr Sicherheit.

Die Abmessungen sorgen aber auch für viel Platz – vor allem auf den Rücksitzen.

Die Abmessungen sorgen aber auch für viel Platz – vor allem auf den Rücksitzen.

Bild: zVg

Freude für den Chauffeur

Nicht nur die wichtigen Passagiere im Fond, sondern auch deren Chauffeure dürfen sich auf die neue S-Klasse freuen. Denn das Aushängeschild der Marke mit Stern punktet traditionell mit viel neuer Technik, die nach und nach auch in preisgünstigere Fahrzeuge übernommen wird. So bietet die neue S-Klasse ein Head-up-Display, das die Navigationspfeile direkt auf die Strasse legt, schon bald die Möglichkeit zum autonomen Fahren in Stausituationen und ein neues digitales Lichtsystem. Der Scheinwerfer ist viel eher ein HD-Beamer als eine einfache LED-Leuchte. Damit kann das System mit Hilfe von Kameras den Gegenverkehr punktgenau ausblenden und den Rest der Strasse mit Fernlicht ausleuchten – deutlich präziser und flinker als bisherige Matrix-Lichtsysteme. Verkehrsschilder oder Fussgänger können zudem punktgenau angestrahlt werden, um den Blick des Fahrers darauf zu lenken.

Dank zusätzlicher Hinterachslenkung – ein Novum für Mercedes – lässt sich die grosse Limousine überraschend wendig manövrieren. Auf der Autobahn hingegen bietet der Stern überragenden Federungskomfort und unerschütterlichen Geradeauslauf, wodurch lange Strecken auch den Fahrer kaum ermüden.

Komplett digital: Das Cockpit der neuen S-Klasse.

Komplett digital: Das Cockpit der neuen S-Klasse.

Bild: zVg

Die Langstrecke ist naturgemäss die Domäne der S-Klasse; dazu passt auch der Motor im S500, der für die neue Generation von acht auf sechs Zylinder verkleinert wurde, aber weiterhin viel Souveränität und perfekte Laufkultur bietet. Den Werksverbrauch von 10,1 l/ 100 km unterbietet der Benziner im Test um fast 2 l/100 km – auch weil der grosse Stern zum äusserst gemütlichen Gleiten animiert wie kaum ein anderes Auto.

Mercedes S500 L 4M.

Motor: R6-Benz. 2999 cm 3

Leistung: 435 PS/520 Nm

Antrieb: Aut. 9-Gang, 4×4

L×B×H: 5289×1954×1503 mm

Kofferraumvolumen: 550 l

Gewicht: 2065 kg

0–100 km/h: 4,9 Sek.

Vmax: 250 km/h

Verbrauch WLTP: 10,1 l/100 km

Verbrauch Test: 8,3 l/100 km

Preis: ab 144600 Franken