1. Mai
Corona hält Einzug in den Klassenkampf – in Basel wird trotz Pandemie demonstriert

Trotz Dauerregen und Ansteckungsgefahr gingen mehrere hundert Personen auf die Strasse um gegen Ungleichheit und für einen Mindestlohn einzustehen. Gewerkschaften, politische Linke und Klimabündnis haben allerdings weniger Zulauf als der schwarze Block.

Fabian Schwarzenbach
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Um 10.45 Uhr eröffnet Sarah Wyss (Nationalrätin SP) den 1. Mai auf dem Messeplatz. Dann zog die Gruppe los.
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Demonstrierende ziehen am Vormittag durch die Basler Innenstadt.
Die Masken- und Abstandsvorschriften werden (zumindest von diesen Teilnehmenden) eingehalten.
Am Rathaus montierten sie ein Transparent.
Die Coronapandemie ist an der diesjährigen Demo ein zentrales Thema
Diese Frau brauchte Blumen mit.

Um 10.45 Uhr eröffnet Sarah Wyss (Nationalrätin SP) den 1. Mai auf dem Messeplatz. Dann zog die Gruppe los.

Fabian Schwarzenbach

«Schön seid ihr da, räumlich zwar distanziert, aber nicht sozial!», begrüsste Nationalrätin Sarah Wyss die Teilnehmenden. Die Sozialdemokratin erinnerte an die Corona-Toten und an die Erkrankten sowie die an Personen, die an den Folgen der Pandemie litten.

Dazu zählt sie Long-Covid-Patienten wie auch Personen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen hätten. Aber auch die negativen wirtschaftlichen Folgen seien abzuwenden. «Klatschen und systemrelevant sein, reicht nicht!», kritisierte sie den Umgang mit dem Pflegepersonal.

«Arbeit ist das höchste Gut»

Die Ungleichheit habe sich durch die Covid-Krise noch verschärft, pflichtete ihr auch Heidi Mück bei. «Konzerne und Privatpersonen machen Profite durch Corona», prangerte die Basler Grossrätin (Grün-Alternative) an. «Die Arbeit ist das höchste Gut», meinte Benjamin Plüss, neuer Präsident des Basler Gewerkschaftsbundes. Er warb für die Mindestlohn-Initiative, denn «der Lohn muss zum Leben reichen». Gleichzeitig kündigte er an, dass der Mindestlohn nur der Anfang weiterer Forderungen sei. Namentlich ging es ihm, wie auch seinen beiden Mitrednerinnen um die Gleichstellung und gegen die Erhöhung des Rentenalters.

Die Maskenpflicht hielten die Demonstrierenden fast ausnahmslos ein. Etwas weniger aber dennoch grösstenteils wurde auch der Abstand eingehalten, was den Demonstrationszug merklich in die Länge zog. Doch Corona befeuerte auch den Klassenkampf: So stand auf gelben Ballonen «gemeinsam solidarisch» kämpfen, wie «gemeinsam solidarisch impfen».

Auf Flugblättern wurde die Impfstrategie des Bundes hart kritisiert. Die «Föderation demokratischer Arbeitervereine» glaubt nicht daran, dass bei diesem Impftempo bis Ende Juni die Mehrheit der Bevölkerung geimpft sein wird. So prangerten die meisten Demonstrierenden die Pharmaindustrie und den Staat an.

Eklatante Gegensätze in der Demonstration

Mit Velos und Glockenklingeln machte das Klimabündnis auf sein Anliegen aufmerksam. 2030 soll Basel-Stadt die Treibhausgasemissionen auf Netto-Null reduzieren. In der Demonstration zeigten sich auch eklatante Gegensätze: So prangerte eine Dame Konzerne und Pharmaindustrie an, schützte sich aber mit einem Schirm mit dem Logo eines Basler Pharmagiganten vor dem Dauerregen. Auch mehrere Bettlerinnen und Bettler forderten von den Demonstranten Münz in ihre Becher. Eine von ihnen solidarisierte sich mit den Mindestlohnforderungen und schnappte sich ein Karton-Transparent mit der Forderung nach 23 Franken Mindestlohn. Ein surreales Bild, das politische Gegensätze schonungslos aufzeigte.

Der Demonstrationszug setzte sich kurz nach 10 Uhr am Messeplatz in Bewegung. Vorne weg marschierten der schwarze Block, der revolutionäre Aufbau sowie die Kurden und weitere kleine Splittergruppen, wie die «internationale albanische Arbeitsfront». Sie stellten die Mehrheit und den eher kleinen Zug von Gewerkschaften, linken Parteien und Klimabewegung auch zahlenmässig in den Schatten.

Schwarzer Block verharmlost Straftaten

Immer wieder wurde der Zug für kurze Reden angehalten. Gleich in der ersten Rede prangerte der schwarze Block das Staatssekretariat für Wirtschaft (SEM) und das Asylzentrum «Bässlergut »an. Das SEM wolle von Gewalt durch das Sicherheitspersonal ablenken. Vorfälle gegen eine SEM-Mitarbeiterin – namentlich die Schändung ihrer Katze und die Manipulation an Bremsleitungen ihres Wagens – würden dazu gezielt ausgeschlachtet. Die Medienberichterstattung dazu wurde kritisiert. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kritiker so weit geht», meinte die Rednerin und nahm die Kritiker am Bässlergut in Schutz, da sie auch tierliebend seien.

Auf der Mittleren Brücke wurden Böller gezündet, während die türkische Armee für eine Offensive angeprangert wurde. Ein Passant und ein Demonstrant lieferten sich am Rande ein hitziges Wortgefecht, da ein Transparent den Weg komplett versperrte. Der Regen sorgte für Abkühlung bei den Hitzköpfen. Am Barfüsserplatz marschierte die grosse Menge des schwarzen Blockes via Freie Strasse weiter. Die politisch engagierten Gewerkschaften, Parteien wie auch das «Sans-Papiers-Kollektive» und das Klimabündnis blieben vor Ort.

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