125-Jahr-Jubiläum
Roche-Serie in fünf Teilen: Der Weltkonzern von und zu Basel

Der Pharmakonzern feiert sein 125-jähriges Bestehen. Die bz würdigt das für Basel bedeutendste Unternehmen in mehreren Beiträgen.

Andreas Möckli
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Sie prägen das Stadtbild: Die beiden Bürohochhäuser von Roche.

Sie prägen das Stadtbild: Die beiden Bürohochhäuser von Roche.

Kenneth Nars

Roche ist in vielerlei Hinsicht ein Unikum. Als einziges Unternehmen der Basler Chemischen hat die Firma ohne Fusion und Namensänderung überdauert. Das ist gerade in einer Branche alles andere als selbstverständlich, in der Mega-Zusammenschlüsse keine Seltenheit darstellen. Anfänglich hatte die Eigenständigkeit auch viel mit den damaligen Firmenlenkern zu tun, die um ihre Macht und ihren Einfluss fürchteten, sollte es zu einer Fusion kommen.

Als die Erben des Firmengründers nach dem Zweiten Weltkrieg die Mehrheit an Roche zurückerlangten, wurde die Selbstständigkeit erst recht Teil der DNA der Firma. Die Abwehrerhaltung zeigte sich besonders, als Novartis-Lenker Daniel Vasella mit dem Erwerb einer Minderheitsbeteiligung eine weitere Elefantenhochzeit anstrebte. Stellvertretend für die Familie sagt der damalige Roche-Chef Franz Humer klipp und klar: «Ich will nicht fusionieren, ich will auch nicht auf den Mond, da will ich nicht hin.»

Mittlerweile ist Roche in Europa das fünftgrösste Familienunternehmen, das sich an der Börse befindet. Bedeutender und gleichzeitig bekannter sind insbesondere VW (Piech und Porsche) und BMW (Klatten und Quandt).

Die Tradition diskreter Unauffälligkeit geht über Bord

Die frühere Öffentlichkeitsscheu und Zurückhaltung waren ein Stück weit auch Ausdruck des typischen Basler Understatements. Dieses leben seit der dritten Generation auch die Besitzerfamilien Oeri und Hoffmann vor. Doch die alte Tradition diskreter Unauffälligkeit wurde spätestens mit dem Bau der ­beiden Bürotürme in Basel über Bord geworfen.

André Hoffmann und Jörg Duschmalé vertreten die Erbenfamilien Oeri und Hoffmann im Roche-Verwaltungsrat.

André Hoffmann und Jörg Duschmalé vertreten die Erbenfamilien Oeri und Hoffmann im Roche-Verwaltungsrat.

Severin Bigler

Der Konzern stand vor der Wahl, die zahlreichen Aussenstandorte in ­Basel bestehen zu lassen oder die ­Mitarbeiter am Hauptsitz an der ­Grenzacherstrasse zusammenzuziehen. Roche entschied sich für Letzteres, der Bau gigantischer Türme wurde angesichts der Platzverhältnisse unausweichlich.

Auch das ist typisch Roche: Einmal den Entscheid getroffen, führte das Unternehmen das Projekt konsequent weiter. Der erstarkte Franken oder die sich verschlechternden Beziehungen mit der EU taten dem Vorhaben keinen Abbruch. Novartis blieb dagegen mit seinem Campus auf halber Strecke stehen, die hochtrabenden Pläne von Daniel Vasella gerieten zu Stückwerk.

Mehr als nur ein Symbol für die Potenz der Firma

Die milliardenteuren Bauten sind mehr als nur ein Symbol für die wirtschaftliche Potenz eines Unternehmens, das eine Gewinnmarge von über 25 Prozent erzielt. Die Türme stehen auch stellvertretend für die Macht und den Einfluss, der die Firma und die ­Besitzerfamilien in Basel ausüben. Das durch die Dividenden gespeiste Mäzenatentum der Oeris ist mittlerweile in der Stadt an zahlreichen Orten anzutreffen.

So gesehen ist Roche für Basel das bedeutendste Unternehmen. Die bz nimmt das 125-jährige Jubiläum deshalb zum Anlass, den Pharmakonzern in einer fünfteiligen Serie zu beleuchten. Wir blicken auf die Anfänge zurück, indem wir den Gründer Fritz Hoffmann porträtieren (siehe unten). Teil der Serie sind weitere tragende Persönlichkeiten wie Emil Barell, der Roche wohl wie kein anderer prägte. Wir widmen uns aber auch dem heutigen Wirken der Besitzerfamilien. Zudem lassen wir mit Jörg Duschmalé einen Vertreter der fünften Generation zu Wort kommen.

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