50-Jahr-Jubiläum
Ein Stück Namibia am Klosterberg

Die Basler Afrika Bibliographien feiern ihr 50-jähriges Bestehen mit einer abwechslungsreichen Schau, die sie und ihre Arbeit vorstellen.

Ashley Uruejoma
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An die 100'000 Objekte lagern im Archiv der Basler Afrika Bibliographien.

An die 100'000 Objekte lagern im Archiv der Basler Afrika Bibliographien.

zvg

Schlendert man an den Fenstern des Klosterbergs 23 vorbei, so erhascht man einen Blick auf zwei bunt gehaltene Räume – die Jubiläumsausstellung der Basler Afrika Bibliographien (BAB). Das Dokumentations- und Kompetenzzentrum zu Namibia und dem südlichen Afrika mit Sitz in Basel besteht aus einem Archiv, einer Fachbibliothek und einem Verlag, getragen von der Carl-Schlettwein-Stiftung. Diese vergibt auch jährlich Stipendien an namibische Studierende.

Reto Ulrich, Leiter der Bibliothek, empfängt die bz zur Führung durch die aktuelle Ausstellung «Sagen Sie nichts gegen Telefonbücher!». Der Titel ist ein Zitat des BAB-Gründers Carl Schlettwein, der das Kompetenzzentrum 1971 gründete. Geht man durch die Räumlichkeiten, so wird man von Hintergrundklängen wie beispielsweise dem traditionellen namibischen «Bee Song» begleitet. Die Ausstellung ist sehr abwechslungsreich und zeigt neben – echten – Telefonbüchern auch Eigenpublikationen sowie Zeitungen, Poster und verschiedene Tonträger.

Der deutsch-schweizerische Verleger Carl Schlettwein war in den 1950er-Jahren im damaligen Südwestafrika, dem heutigen Namibia, geschäftlich tätig. Er lebte zu Zeiten der Apartheid, als die Rassentrennung Normalität war und weisse Menschen in allen Lebensbereichen klare Vorzüge genossen. Schlettwein wollte sich damit nicht arrangieren, so Reto Ulrich, stattdessen nutzte er seine Privilegien für einen guten Zweck.

Er begann, in Namibia zensierte Bücher, Unterlagen der Gegenbewegungen, Plakate, Telefonbücher und vieles mehr zu sammeln. 1964 zog Schlettwein mit seiner Schweizer Frau nach Basel und setzte seine Sammeltätigkeit mit Fokus auf den Südwesten Afrikas fort. So kamen 100’000 Objekte zusammen.

Namibische Nationalbibliothek im Exil

Dass Schlettwein von den politischen Umständen in Namibia profitierte, ist ein Kritikpunkt, mit dem sich die BAB häufig konfrontiert sehen. Man arbeite intensiv daran, Vorurteile abzubauen, betont Ulrich. Auf die Frage, warum der Sammler sich dazu entschied, ein Stück namibischer Geschichte ausser Landes zu bringen, antwortet Ulrich: «Carl Schlettwein gründete sozusagen eine Nationalbibliothek im Exil.» Nach der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 wurden Gespräche über die Zukunft der Bibliothek geführt. Man einigte sich darauf, die Sammlung in Basel zu belassen und somit auch in Europa den Zugang zu Literatur aus und zu Namibia zu ermöglichen.

Dabei handelt es sich nicht um weisse Bevormundung, arbeiten die BAB doch eng mit der Nationalbibliothek und dem Nationalarchiv Namibias zusammen. Werden der BAB Werke oder Sammlungen von anderen Institutionen oder Privatpersonen angeboten, halten sie erst Rücksprache mit den namibischen Institutionen.

«Es kam auch schon vor, dass wir an das Nationalarchiv von Namibia verwiesen und damit auf Widerstand stiessen», sagt Ulrich. «Dies, weil Sammelnde fälschlicherweise den Eindruck hatten, dass die Zuständigen vor Ort nicht das nötige Wissen hätten.» Da sei dann Aufklärungsarbeit gefordert. Restitutionen seien nicht immer einfach, aber sofern im Herkunftsland der Wunsch nach und die Möglichkeit für eine Rücknahme heimischer Werke bestünden, müssten diese stattfinden.

Die nachhaltige Beziehung mit den Menschen vor Ort sei zentral für die BAB. «Wir sind ein Teil von Namibia und Namibia ist ein Teil von uns», sagt Ulrich. «Gäbe es keine Zusammenarbeit, so würden wir gar nicht bestehen können.»

«Sagen Sie nichts gegen Telefonbücher!», noch bis zum 10. Dezember. Mo–Fr, 15–18 Uhr sowie Sa, 14–17 Uhr. Weitere Infos: www.baslerafrika.ch

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