Brennpunkt Corona

Anwalt Werner Rufi erzählt aus seinem Alltag: «Die Situation ist auch für uns juristisches Neuland»

Der Anwalt Werner Rufi erzählt über die Krisenzeit. (Advokaturbüro Rufi & Partner)

Der Anwalt Werner Rufi erzählt über die Krisenzeit. (Advokaturbüro Rufi & Partner)

Wegen Corona brauchen viele Leute juristischen Rat – für Anwälte bedeutet das mehr Arbeit. Werner Rufi erzählt aus seinem neuen Alltag.

In vielen Branchen gibt es wegen Corona kaum noch Arbeit. Wie sieht es bei Ihnen in der Kanzlei aus?

Werner Rufi: Bei uns gibt es momentan unglaublich viel zu tun, wir sind alle stark ausgelastet. Wegen der Coronakrise kommen viele Leute und Firmen mit Unsicherheiten und rechtlichen Fragen auf uns zu. Unsere ganze Arbeit verlagert sich deshalb: Wir sind seit Beginn der Coronakrise hauptsächlich in der Rechtsberatung tätig.

Welche rechtlichen Fragen beschäftigen die Leute zur Zeit?

Es melden sich beispielsweise Mieter, die Geschäfte haben und ihre Miete nicht mehr zahlen können – aber auch Vermieter, die nicht wissen, wie sie mit dieser Situation umgehen müssen. Viele wenden sich auch wegen der Unterscheidung zwischen Epidemie und Pandemie an uns. Gewisse Versicherungsgesellschaften differenzieren zwischen den beiden Begriffen und wir haben Klienten, die wissen wollen, ob das haltbar ist. Es haben sich aber auch viele Selbstständigerwerbende oder kleine Betriebe gemeldet, die Fragen zu ihren Ansprüchen, zu Arbeitslosengeldern oder zur Kurzarbeit haben. Die Regelungen des Bundesrats ändern sich hier immer wieder, was bei den Ratsuchenden zu viel Unsicherheit führt.

Wie gehen Sie damit um, dass sich die Regeln ständig ändern?

Das bedeutet für uns eigentlich, dass wir uns jede Woche neu vorbereiten und unsere Informationen immer wieder anpassen müssen. Es gibt auch noch keine Rechtsprechungen zum Thema, was alles etwas schwieriger macht. Die jetzige Situation ist deshalb auch für uns als Advokaturbüro juristisches Neuland. Mit diesen Vorbereitungen verbringe ich momentan rund zehn bis zwanzig Prozent meiner gesamten Arbeitszeit.

Empfangen Sie Ihre Klienten für die Beratung persönlich?

Nein, es gibt zur Zeit keinen direkten Kontakt, die Beratungen finden alle per E-Mail oder telefonisch statt.

Welche Massnahmen haben Sie noch getroffen?

Vereinzelte Mitarbeiter sind, soweit möglich, im Homeoffice. Ausserdem ist die Anwalts- und Notariatskanzlei für die Dauer des Lockdowns nachmittags geschlossen. Wir wollten den telefonischen Kundenkontakt aus organisatorischen Gründen auf den Morgen beschränken, damit unsere Mitarbeiter am Nachmittag neben der Arbeit auch ihren privaten Verpflichtungen nachgehen können, die sie jetzt zusätzlich haben.

Wie steht es um die anderen Fälle, die Sie zur Zeit behandeln müssen?

Die anderen Fälle bleiben bestehen, aber die Zeitachse verändert sich. Es geht vieles langsamer, weil beispielsweise viele Fälle vor Gericht in schriftlichen Verfahren abgehandelt werden. Das führt zu deutlichen Verzögerungen. Auch arbeiten Verwaltungen und Gerichte oft mit reduzierten Pensen, wodurch auch zeitliche Verzögerungen entstehen. Im Gegensatz dazu muss es bei den Coronafällen momentan sehr schnell gehen: Wir müssen sehr schnell reagieren, weil es für unsere Klienten teilweise um die Existenz des Betriebs geht. Das gibt für uns einen zusätzlichen Zeitdruck.

Wie meistern Sie die viele Arbeit und den Zeitdruck?

Organisation und gutes Teamwork sind sehr wichtig. Man muss aber auch manchmal bereit sein, mal an einem Wochenende zu arbeiten, an dem man sonst nicht gearbeitet hätte. Wir schaffen es als vielseitiges Büroteam relativ gut, uns in dieser speziellen Ausnahmesituation einzurichten. Jeder hat seine Fachgebiete, die er abdeckt, so kann man sich auch gut koordinieren. Aber es ist schon eine neue Situation, die nicht ganz einfach zu meistern ist. Besonders, weil man nicht weiss, wie lange sie noch andauert.

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