Die Universität Basel macht beim Klimaschutz vorwärts und will Flugreisen von Dozierenden und Studenten einschränken. Dies hat die Regenz beschlossen – das Konsultativgremium der Uni ist mit grossem Mehr einem Antrag von Studierenden gefolgt, über den die bz schon berichtet hat.

Besonders bei Exkursionen soll künftig vermehrt der Zug statt das Flugzeug zum Einsatz kommen. Bei Reisen unter tausend Kilometern sollen die Studis Zugfahren, wenn es «zumutbare Bahn- und Fährverbindungen» gibt, wie dem Protokoll der jüngsten Regenz-Sitzung zu entnehmen ist.

Die Umsetzung der neuen Regel wird aber Zeit benötigen. Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki sagte gegenüber der Regenz, dass das Rektorat «nichts verpflichtend festschreiben kann», solange die Studierenden die Reise selber bezahlten. Das Problem: Viele Städte innerhalb der tausend Kilometer sind im Zeitalter der Billigfliegerei günstiger per Flug zu erreichen als mit der Bahn – gerade bei Frühbuchungen zu Easyjet-Destinationen.

Die Universität kann den Studierenden nicht vorschreiben, wie sie an ihr Ziel gelangen. Das Rektorat beschäftigt sich derzeit aber mit der 1000-Kilometer-Regel, wie Uni-Sprecher Matthias Geering sagt. Eine Lösung könnte eine Härtefallregelung sein, «damit Studierenden, die sich den Zug nicht leisten können, der Preisunterschied zurückerstattet wird». Gerade Studenten seien schliesslich oft nicht gut betucht und müssten stark auf die Reisekosten achten.

Monitoring der Flugreisen

Oriana Fasciati und Juri Schmidhauser, welche die 1000-Kilometer-Regel mitinitiiert haben, geben sich nach dem Entscheid der Regenz vorsichtig zufrieden. «Wir sind erst dann am Ziel, wenn die Regel ohne Ausnahme umgesetzt ist», sagt Fasciati. Es gäbe bereits genügend Richtlinien und Empfehlungen zur Nachhaltigkeit, die schlicht nicht berücksichtigt würden. So heisst es etwa im Spesenreglement, dass Flugreisen «auf das Notwendigste zu beschränken» seien. Das hindere die Sekretariate und beauftragten Reisebüros nicht, die Studenten und Studienkursleiter mittels Flug nach Amsterdam, Rom oder Venedig zu schicken. «Da besteht kaum Bewusstsein dafür, dass diese Orte auch mit dem Zug zu erreichen wären», sagt Schmidhauser.

Mit der von Geering eingebrachten Idee eines Härtefallfonds könnten die beiden Initianten gut leben. Sie verzichten auch auf weitergehende Forderungen wie strikte Regeln bei Professoren und Dozenten, die zu Kongressen reisen. «Auch hier finden wir natürlich, dass nach Möglichkeit der Zug genommen werden sollte. Aber oft sind solche Ausflüge weniger planbar als diejenigen der Exkursionen, die Monate im Vornherein gebucht werden», sagt Schmidhauser.

Geering warnt vor zu strikten Regeln in diesem Bereich. «Für junge Wissenschaftler sind Kongresse essenziell für die Karriere – ein generelles Verbot würde ihre Laufbahn stark behindern.» Gleichwohl unterstützt die Regenz das Anliegen der Studentengruppe um Fasciati und Schmidhauser, wonach das Angebot bezüglich virtuellen Meetings als Alternative zur Fliegerei auszubauen sei.

Gemäss Schmidhauser würden den Wissenschaftlern heute Steine in den Weg gelegt. «Wenn man selber an einen Kongress fliegt, bezahlt die Uni den Flug und die Übernachtung sowie die Teilnahmegebühren. Wenn man ein Video einschickt, muss man sogar selbst für die Teilnahme aufkommen – das soll sich ändern.» Um die Sensibilität für klimafreundliches Reisen allgemein zu erhöhen, leistet das Unirektorat zudem einem Antrag der Studierenden Folge, ein Nachhaltigkeitsmonitoring zu etablieren.

Bisher werden die Flugreisen der Uni-Angestellten nicht statistisch erfasst. Ganz im Gegensatz etwa zur ETH Zürich, wo es seit über zehn Jahren ein Monitoring zum CO2-Ausstoss der Mitarbeitenden gibt. Schmidhauser und Fasciati begrüssen, dass eine zentrale Erfassung des ökologischen Fussabdrucks auch an der Universität Basel erfolgen soll. «Wenn wir wissen, wie viel geflogen wird, ist das eine gute Ausgangslage, um weitere Massnahmen zu treffen», sagt Schmidhauser.