Drogen
150 Kilo Koks in Basel: Es war ein Schmuggelpfusch

Der jüngste Kokain-Fund im Basler Rheinhafen reiht sich in eine Serie von Fällen ein, bei denen den Schmugglern wahrscheinlich ein grober Schnitzer passiert ist: Die Ware hätte schon viel früher vom Schiff genommen werden müssen.

Stefan Schuppli
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¨Der Angeklagte wurde beim Kokainschmuggel erwischt (Symbolbild)

¨Der Angeklagte wurde beim Kokainschmuggel erwischt (Symbolbild)

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So spielte sich in Basel die Entdeckung der heissen Ware ab: Die Polizei war von einem Kapitän eines Rheinfrachtschiffs alarmiert worden, weil drei Unbekannte versucht hatten, auf seinem vor Anker liegenden Schiff einen Container mit Tiefkühlgut aufzubrechen. Als der Kapitän Nachschau hielt, flüchteten die Männer. Kurze Zeit später stellte die Polizei fest, dass sich im Container mehrere Taschen mit weissem Pulver befanden (vgl. Bild).

Im Gemüsecontainer versteckt

Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, dass der Container mit Tiefkühlgemüse in Ecuador beladen, nach Antwerpen und von dort aus dann mit einem Rheinfrachtschiff an seinen Bestimmungsort nach Basel verschifft worden war. Aus noch unbekannten Gründen konnten die Drogen, welche gemäss Staatsanwalt-Sprecher Peter Gill mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht für die Schweiz bestimmt waren, in Belgien nicht aus dem Container geholt werden. Basel sei kein Drogenumschlagplatz wie etwa Antwerpen oder Rotterdam.

Weder der Kapitän noch die importierende Tiefkühl-Firma habe gemäss Staatsanwaltschaft Kenntnis davon gehabt, dass sich nebst dem deklarierten Tiefkühlgut auch Drogen in dem Container befanden.

Die weiteren Abklärungen durch das Betäubungsmitteldezernat ergaben, dass sich im Container rund 150 Kilogramm Kokain im Wert von rund 10 Millionen Franken befand. Da die Drogen durch die verschiedenen Händler für den Strassenverkauf mindestens dreimal «gestreckt» werden, beläuft sich der Marktpreis auf mindestens 45 Millionen Franken. Im Antwerpener Hafen stellte die Polizei in diesem Jahr bis Oktober bereits 14 Tonnen Kokain sicher – ein Rekord.

Weitere Fälle

Fehlsendungen scheinen in dieser Branche gang und gäbe zu sein.

  • Der grosse Fund im Oktober im Birsfelder Hafen, als ein Mitarbeiter der Migros-Tochter Delica 190 Kilo Kokain in einem Kaffecontainer entdeckten, schien eine solche Logistikpanne zu sein. Das Kokain kam mit einer ausserplanmässigen Express-Sendung nach Birsfelden. Den Schmugglern dürfte es nicht gereicht haben, die heisse Ware bereits in Antwerpen abzuzweigen. Die Menge stellt einen Schweizer Rekord dar.
  • Ein Monat zuvor strandete eine Sendung von 300 Kilo in Wörth am Rhein, Rheinland-Pfalz. Die Kleinstadt steht nicht im Verdacht, eine Drogendrehscheibe zu sein.
  • Vor knapp zwei Jahren erreichten 140 Kilo mit hohem Reinheitsgrad eine Filiale des Discounters Aldi in Berlin – fein säuberlich verpackt und getarnt in sieben Bananenschachteln. Der Stoff landete allerdings nicht in den Regalen. Aldi-Angestellte riefen die Polizei.
  • 2006 wurden in Basel 57 Kilo sichergestellt. Auch hier die Vermutung: Es war den Schmugglern nicht gelungen, die Ladung bereits bei Ankunft in Europa zu löschen.

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