Prostitution
38-jährige Nigerianerin schnitt einer Frau mit der Rasierklinge ins Gesicht

Eine Prostituierte hat einer Nebenbuhlerin mit der Rasierklinge ins Gesicht geschnitten. Nun wird sie des Landes verwiesen.

Patrick Rudin
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Eine Prostituierte hat einer Nebenbuhlerin mit der Rasierklinge ins Gesicht geschnitten. (Symbolbild)

Eine Prostituierte hat einer Nebenbuhlerin mit der Rasierklinge ins Gesicht geschnitten. (Symbolbild)

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Die 38-jährige Frau zitterte und schluchzte, als Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger am Freitag das Urteil begründete. Das Strafmass von 24 Monaten bedingt wegen schwerer Körperverletzung nahm sie noch regungslos entgegen, doch danach übersetzte die Dolmetscherin ihr auch den Landesverweis von fünf Jahren mitsamt den Erklärungen.

Bei dieser Dauer wird auch ein Eintrag im Schengen-Informationssystem hinterlegt, somit gilt das Einreiseverbot faktisch für ganz Westeuropa. Die Frau stammt aus Lagos und ist nigerianische Staatsbürgerin, sie verfügt über eine italienische Aufenthaltsbewilligung und gab eine Meldeadresse in einem Aussenquartier von Rom an. Vor Gericht stand sie, weil sie im Juli 2018 spätnachts in der Basler Rotlichtzone eine Berufskollegin mit einer Rasierklinge verletzt hatte.

Woran sich damals der Streit unter den Prostituierten genau entzündet hatte, blieb vor Gericht unklar. Doch die Angeklagte bedrohte die andere Frau in der Ochsengasse zuerst verbal und spuckte ihr auf die Beine, danach lief sie davon. Im Sägergässchen holte die beleidigte Frau die Täterin ein und stellte sie zur Rede. Der Streit eskalierte schliesslich vollends: Die 38-Jährige schnitt ihrer Gegnerin mit einer Rasierklinge ins Gesicht.

Es war keine Notwehr

Das Resultat: ein zehn Zentimeter langer Schnitt über die rechte Wangenseite, laut rechtsmedizinischem Gutachten in einem Zug durchgeführt. Lenzinger sagte dazu, diese bleibende Entstellung habe das Dreiergericht als direktvorsätzliche schwere Körperverletzung eingestuft. Mit der Rasierklinge habe sie zudem ein äusserst gefährliches Instrument benutzt. Es sprach der verletzten Frau eine Genugtuung von 5000 Franken sowie weiteren Schadenersatz zu.

Die Prostituierte hatte vergeblich betont, sie habe sich lediglich gegen einen Angriff gewehrt, sie sei mit einer kaputten Flasche angegriffen worden. Sie wurde wenig später an der Hammerstrasse von Polizisten kontrolliert und verstrickte sich bereits in erste Widersprüche. Seither sass sie wegen Fluchtgefahr in Haft. Die Gerichtspräsidentin meinte dazu, es sei dem Gericht nicht klar geworden, weshalb sie in jener Nacht mit einer Rasierklinge unterwegs gewesen sei. Auch habe man in der Nähe keine zerbrochene Flasche gefunden.

Von Notwehr wollten die drei Richter ebenfalls nichts wissen. Offenbar hatte die Frau auch behauptet, die Klinge sei noch verpackt gewesen oder sie habe sie zusammen mit ihrem Mobiltelefon in der Hand gehalten. Die Rasierklinge selber hat man nie gefunden. Eine in einer nahegelegenen Bar sichergestellte Klinge wies keine Blutspuren auf.

Weil die Freiheitsstrafe bedingt ausgesprochen wurde, hätte das Gericht die Angeklagte normalerweise direkt aus der Haft entlassen. Doch wegen des Landesverweises ordnete Felicitas Lenzinger am Freitag eine dreitägige Sicherheitshaft an, in dieser Zeit können die Migrationsbehörden prüfen, ob sie die Frau wegen der Gefahr des Untertauchens direkt in Ausschaffungshaft nehmen wollen. Die Verurteilte kann den Schuldspruch noch weiterziehen.

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