Planungsunsicherheit bei Konzerten

Achtung vor Corona-Leichen!

Absage von Konzerten wegen Corona führt zu grosser Verwirrung und Corona-Leichen. (Symbolbild)

Absage von Konzerten wegen Corona führt zu grosser Verwirrung und Corona-Leichen. (Symbolbild)

Ansagen ist leichter als Absagen. Das gilt auch in der Veranstaltungsbranche, wo man seine Energien gerne für die Bewerbung eines neuen Events einsetzt und dabei ab und an vergisst, ein gecanceltes Konzert aus den Kalendern zu entfernen.

Das ist in normalen Zeiten nicht so dramatisch, weil aufgegleiste Darbietungen ja nur ganz selten abgesagt werden müssen – und wenn, dann meist kurzfristig wegen Erkrankung. Dann ist es sowieso zu spät, die Agenda-Einträge anzupassen, weil das Publikum schon vor der Tür steht.

Nun leben, amten und planen wir aber aktuell nicht in normalen Zeiten, sondern in der Zeitrechnung Post-, Prä-, Zwischen-, oder Trotz-Corona (je nach Blickwinkel). Und da ist alles anders. Während die Corona-Sterblichkeit bei Menschen zumindest in unserer Region glücklicherweise stark abgenommen hat, so wütet sie bei den Events weiterhin fast ungebremst.

Konzerte und andere Aufführungen werden noch immer haufenweise kurzfristig abgesagt: Weil die erforderlichen Präventions-Massnahmen keine ökonomisch oder virologisch sichere Durchführung erlauben, weil die Künstler an den Grenzen festsitzen, oder schlicht weil sie die drohende Quarantäne nach der Rückkehr in die Heimat scheuen. Oft haben die Veranstalter längst ein Verschiebedatum gefunden, in den Wirrungen der letzten Monate jedoch schlicht vergessen, dieses auf sämtlichen Plattformen nachzutragen.

So ist das Internet voll von Corona-Leichen. Eine relativ frische ist etwa auf der Homepage des Basler Volkshaus zu finden: Dort wird (zumindest zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Glosse) der Auftritt von Habib Koité angepriesen für den 23. Oktober. Gerne würde man den Musiker aus Mali mit seiner Band live erleben, doch hat man noch Urs Blindenbacher im Ohr, der dieses Konzert erst vergangene Woche absagen musste.

So ist denn auch auf der Homepage des veranstaltenden Jazzfestival Basel hierzu kein Eintrag mehr zu finden – leider auch keine klärende Absage des bis vor kurzem angepriesenen Konzerts. Die Verwirrung bleibt bestehen, wenn man sich vom Volkshaus zu Starticket weiterklickt, wo noch immer Tickets für alle Kategorien angeboten werden.

Koité ist kein Einzelfall. Wirklich tötelig geht es in den Events-Rubriken der Social-Media-Seiten zu und her. Hier wimmelt es von Ankündigungen für bereits abgesagte oder verschobene Veranstaltungen. Man tut gut daran, ein Datum auf verschiedenen Seiten gegenzuchecken.

Gerade vor wenigen Tagen hat mir Facebook für den Folgeabend ein Konzert mit drei regionalen Bands im grenznahen Deutschland empfohlen. Ich habe mich gefreut, zumal mir Musik und Menschen dieser Truppen durchaus zusagen. Bis ich merkte, dass eine der drei aufgeführten Bands ja meine eigene ist. Und das Konzert vor Monaten auf ungewiss verschoben werden musste. Ansagen ist eben einfacher als absagen.

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