Öffentlicher Verkehr

Ärger über geheime Basler Trampläne: Längere Fahrzeiten, mehr Umwege?

Die Unterlagen, die der bz vorliegen und die bisher offenbar erst eine Handvoll Personen innerhalb des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) und der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) gesehen haben, bergen Einiges an Zündstoff.

Die Unterlagen, die der bz vorliegen und die bisher offenbar erst eine Handvoll Personen innerhalb des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) und der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) gesehen haben, bergen Einiges an Zündstoff.

Neuerungen würden zu längeren Fahrzeiten für den ÖV führen – Trams und Busse könnten ihre reservierte Spur verlieren.

22 Projekte umfasst der Übersichtsplan, der bei den Basler Verkehrsplanern zirkuliert. Einige davon wurden bereits realisiert, beispielsweise der Umbau der Lörracherstrasse in Riehen. Andere wie etwa die Umbauarbeiten der St. Alban-Anlage oder der Gundeldingerstrasse werden gerade umgesetzt. Der Grossteil der aufgelisteten Verkehrsprojekte soll aber in den kommenden Jahren angegangen werden. Bekannt ist davon bisher noch wenig bis gar nichts. Doch die Unterlagen, die der bz vorliegen und die bisher offenbar erst eine Handvoll Personen innerhalb des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) und der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) gesehen haben, bergen Einiges an Zündstoff.

Zu diskutieren geben dürfte etwa, dass bei 15 der aufgelisteten Umgestaltungen das Eigentrassee des öffentlichen Verkehrs zurückgebaut werden könnte. Die Trams oder Busse würden also ihre reservierte Spur verlieren. Bei sieben der Projekte soll das Trassee hingegen ausgebaut werden. Die Idee: Anstelle der bisherigen Aufteilung treten sogenannt virtuelle Trassees. Wenn ein Tram oder ein Bus kommt, wird der restliche Verkehr beispielsweise per Ampel aufgehalten. So soll der ÖV auch ohne eigene Spur weiterhin ungehindert verkehren können.

Die Projekte betreffen Abschnitte verteilt auf dem ganzen Netz der BVB: So soll etwa bei der Markthalle das Eigentrassee der Tramlinien 1, 2 und 8 zurückgebaut werden. Auch für die Haltestelle Theater werden gemäss der Übersicht zurzeit verschiedene Varianten erarbeitet; auch hier ist der Verlust des Trassees eine Möglichkeit. Weiter fortgeschritten ist die Planung beim Spalenring. Hier handelt es sich bereits um ein sogenanntes Vorprojekt: Richtung Voltaplatz fällt das Eigentrasse der Tramlinie 1 weg, auch in die Gegenrichtung wollen die Verkehrsplaner dieses kürzen. Auswirkungen gemäss den internen Unterlagen: «Verlustzeiten für die Tramlinie 1 und gegebenenfalls querende Tram- und Buslinien.»

Zusätzliche Umwege für Tramlinien geplant

Auch weitere geplante Umbauprojekte dürften gemäss dem internen Papier negative Auswirkung auf die Fahrzeit des ÖV haben. So etwa die Aufhebung der Doppelhaltestelle am Bankverein. Was offenbar auch damit zusammenhängt, dass die Trams künftig nicht wie beim Praxistest vergangenes Jahr auf Höhe Drachencenter halten sollen, sondern direkt nach der Bankverein-Kreuzung. «Diese Haltestelleanordnung ist verkehrlich ungünstiger», kommen die Planer zum Schluss. Die Vorstudie steht offenbar kurz vor dem Abschluss, ebenso diejenige zum Aeschenplatz.

Dort besteht gemäss den Papieren der Plan, die Tramlinie 15 nicht mehr direkt durch die
St. Jakobs-Strasse mit der Haltestelle Denkmal zu verbinden, sondern einen Umweg über die St. Alban-Anlage und die Gartenstrasse zu nehmen – verbunden ebenfalls mit längerer Fahrzeit.
Einen überraschenden Umweg könnte es auch beim Claragraben geben. Die Idee, das 8er-Tram via Wettsteinplatz und von dort auf einer neuen Strecke zum Claraplatz zu führen, gibt schon zu reden, seit der Claragraben erstmals in den Plänen der ÖV-Denker aufgetaucht ist. Doch nun könnte es noch komplizierter werden. Statt direkt am Wettsteinplatz in den Claragraben einzubiegen, sieht «Variante A» gemäss den internen Papieren vor, die Linie zuerst durch die Hammerstrasse zu führen, um dann im spitzen Winkel vor der Pizzeria Roma in die Riehenstrasse einzubiegen.

Alle Projekte sollen gestoppt werden

Basta-Grossrat und Teilzeit-Tramführer Beat Leuthardt hat die internen Unterlagen in die Hände bekommen. Er spricht unverhohlen von «dummen Projekten». «Man hetzt ohne Not Autos und Trams aufeinander los», sagt er. Die Idee vom virtuellen Trassee funktioniere nur auf dem Papier. Sobald sich der Verkehr staut, werde auch der ÖV blockiert. «Und der Wettsteinplatz liegt offenbar in Seldwyla», meint er lakonisch. In zwei Motionen fordert Leuthardt nun, alle Projekte, bei denen das Tram das Eigentrassee verliert oder Umwegfahrten geplant sind, zu stoppen.

Ausserdem sollen die entsprechenden Vorstudien und -projekte offen gelegt werden. Unterschrieben hat die Motionen auch SVP-Parlamentarier Joël Thüring. Das BVD will auf Anfrage mit Blick auf die laufenden Motionen keine Stellung nehmen. Bei den Verkehrsplanern dürften alle Warnlampen leuchten: Mit einem ähnlichen überparteilichen Schulterschluss hat Leuthardt 2019 dem BVD gegen den Willen von Vorsteher Hans-Peter Wessels (SP) die Planung einer neuen Weiche auf dem Centralbahnplatz auferlegt – ohne eine einzige Gegenstimme im Parlament.

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