Festival
Alle Wege des Jazz führen nach Basel ans Offbeat-Festival

Alteingesessene, Wiedergewonnene, Preisgekrönte und Newcomer spielen gross auf. Das diesjährige Offbeat-Jazzfestival bietet für Jazz-Fans alles. Musiker von Weltruhm und aus der ganzen Welt zeigen auf verschiedenen Bühnen ihr Können.

Ruedi Ankli
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Chick Corea wird am Jazzfestival Offbeat in Basel auftreten. (Archivbild)

Chick Corea wird am Jazzfestival Offbeat in Basel auftreten. (Archivbild)

Keystone

Es darf wieder improvisiert, getanzt und geswingt werden: Ab diesem Freitag, 25. April, bis am 10. Mai steht Basel wieder ganz im Zeichen des Jazz. Rund 30 Formationen, vom Solisten bis zur Big Band, treten zu diesem Marathon an. Musiker von Weltruhm und aus verschiedenen Regionen der Welt sind zu Gast, alte Bekannte in neuen Formationen, Newcomer, Trendsetter, und vor allem: Acht Konzerte im Hauptprogramm sind mit Beteiligung von Schweizer Musikern.

Den Südfranzosen Richard Galliano zum Beispiel muss man in Basel nicht mehr vorstellen. Der Pionier in Sachen einer neu konzipierten Auffassung von Musette und Tango spielt das erste Mal solo. Die Akustik in der Dorfkirche Riehen dürfte dem emotionsstarken Altmeister am Akkordeon am 8. Mai entgegenkommen.

Zum ersten Mal ans Festival kommt Vincent Peirani, der gerade mit dem Prix Django Reinhardt ausgezeichnet wurde und bereits als Meister aller Klassen gilt. Der Akkordeonist wird am 7. Mai an demselben Ort in Riehen – und im Doppelkonzert mit dem Bassisten Renaud Garcia-Fons – im Duo mit dem Saxofonisten Emile Parisien auftreten, mit dem er gerade erst das stilvolle Album «Belle époque» herausgegeben hat.

Der dritte Akkordeonist am Festival ist Luciano Biondini. Der Italiener hat für einen Abend in der Gare Du Nord eine Art Carte blanche erhalten. Am 30. April tritt er zuerst im aktuellen Trio mit dem Perkussionisten Lucas Niggli und Michel Godard (Posaune) auf, dann im Quartett, das durch den aufstrebenden Violinisten Adam Baldych ergänzt wird.

Jazztempel Gare Du Nord

Der akustisch hervorragende Saal in der Gare Du Nord wird auch dieses Jahr wieder der heimliche Tempel der Freunde des improvisierten Jazz. Dort dürfte es am arbeitsfreien 1. Mai zu einem explosiven Gipfel von zwei hochkarätigen Bands kommen. Das international erfolgreiche Trio «Vein» der Basler Brüder Michael (Piano) und Florian Arbenz (Drums) mit Thomas Lähns (Bass) stellt die neue CD «Vote For Vein» vor, das ausschliesslich aus Eigenkompositionen besteht.

Gut möglich, dass Dave Liebman, einer der weltbesten Saxofonisten, als Gast bei dem Konzert reinschauen wird. Denn er spielt später an demselben Abend ebenfalls in der Gare Du Nord mit der New Yorker Band von Ellery Eskelin, eine der exquisitesten Adressen im improvisierten Jazz. Schon am letzten Festivalauftritt von «Vein» improvisierte das Trio live mit Liebman auf der Bühne.

Ebenfalls in der Gare Du Nord tritt erstmals der deutsche Rock-Jazz-Pionier Wolfgang Dauner am Piano mit seinem Sohn Flo am Schlagzeug und Dieter Ilg am Bass am 29. April im Trio auf.

Ein neuer Jazz-Pol im Volkshaus

Gespannt sein darf man auf die sechs Formationen, vier davon im Doppelkonzert, die im Volkshaus angesagt sind. Eine Pflicht für jeden Jazzliebhaber ist natürlich das Doppelkonzert mit der Pianistin Uri Caine und Dave Douglas an der Trompete. Zwei Musiker, die seit zwei Jahrzehnten zahlreiche spannende Projekte vorlegen.

Auf dieses Meeting darf man ebenso gespannt sein wie auf jenes am 27. April. Dann tritt endlich wieder einmal das Duo mit Irène Schweizer am Piano und Pierre Favre am Schlagzeug in Basel auf. Seit bald vier Jahrzehnten werden diese beiden Avantgardisten nicht müde, das Potenzial ihrer Dialoge weiter zu entwickeln und immer wieder zu neuen Höhepunkten zu treiben.

Das Volkshaus wird am 26. April Schauplatz eines interessanten Doppelkonzerts mit dem neuen Quintett der Basler Sängerin Lisette Spinnler und dem Quartett der Perkussionistin Marilyn Mazur. Weiter ist dort am 25. April ein Gitarrenabend mit dem Duo von Philippe Catherine und Sylvain Luc sowie mit der Band des Gitarristen Nguyen Lê zu erwarten.

Gespannt sein darf man auf den letzten Abend im Volkshaus, wenn der argentinische Komponist und Dirigent Guillermo Klein sein neu geschriebenes Projekt «Beyond Mechanics» mit Orchester und Big Band vorstellt, an dem über 40 Musiker teilnehmen. Ebenfalls im Volkshaus finden vom 25. bis 27. April die Konzerte mit aktuellen Formationen der Jazzschule Basel statt.

Schauplatz Kaserne und Casino

Der Saal der Kaserne eignet sich sowohl für tanzbare, als auch für akustisch anspruchsvolle Projekte. Zur ersten Kategorie zählt wohl das Konzert mit Vieux Farka Touré aus Mali und seinem Trio am 2. Mai. Zur zweiten Kategorie gehört das Solokonzert mit dem Pianisten Michel Camilo aus Santo Domingo am 4. Mai. An demselben Tag spielt Avishai Cohen mit seinem Trio. Davor, am 3. Mai der in Frankreich sehr erfolgreiche Trompeter Ibrahim Maalouf, mit seiner Band, beide übrigens mit nahöstlichen Wurzeln.

Am 5. Mai wird der Basler Hans Feigenwinter im Festsaal des Stadtcasinos sein Projekt «Zinc» vorstellen. Mit Andreas Tschopp an der Posaune und dem Saxofonisten Domenic Landolf hat er gerade das Album «Whim of Fate» veröffentlicht, das seinen Ruf als Komponisten und ausserordentlichen Pianisten untermauert. An demselben Abend kommt erstmals der norwegische Trompeter Marius Neset nach Basel, im Duo mit Michael Wollny.

Damit ist ein weiterer Festival-Schwerpunkt angesprochen: Das Piano. Neben Feigenwinter, Wollny, Schweizer, Caine und Camilo treten weitere drei Pianisten an. Jean Paul Brodbeck ist am 8. Mai im Duo mit Alex Hendriksen am Saxofon im Doppelkonzert mit Richard Galliano in der Dorfkirche Riehen zu sehen. Gerade erst ist ein Doppelalbum erschienen, das einerseits neue Aufnahmen dieser beiden Musiker enthält, andererseits die Live-Aufnahme des letztjährigen Konzerts von Hendriksen mit Fabian Gisler in der Martinskirche.

Auch zu sehen und zu hören sind die Weltstars Stefano Bollani und Chick Corea auf. Beide traten auch schon als Duo auf. In Basel sind sie aber beide solo unterwegs. Bollani in einem Weindepot im Dreispitzareal am 8. Mai und Corea im Nachfestival-Konzert im Theater Basel, im Doppelkonzert mit dem Schweizer Bandoneonisten Michael Zisman am 16. Mai. Den Abschluss des Festivalblocks im Stil des Fado macht die Portugiesin Ana Moura am 10. Mai im Foyer des Theaters Basel.

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