Analyse zur Stadtentwicklung
So lässt sich Vielfalt im Klybeck nicht planen

Die Rhystadt AG lud zu einem Podium über die Entwicklung des einstigen Industrieareals im Klybeck. Heraus kam nur etwas: nämlich dass so gut wie nichts klar ist.

Patrick Marcolli
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Die Realität vor der Transformation: Das ehemalige Werksgelände der Novartis und der BASF im Klybeck.

Die Realität vor der Transformation: Das ehemalige Werksgelände der Novartis und der BASF im Klybeck.



Bild: Nicole Nars-Zimmer (Archiv bz)

Sind die Grundeigentümer des früheren Chemie-Werkgeländes im Klybeck zu beneiden? Auf keinen Fall! Zwar haben sie, also die Swiss Life und die Rhystadt AG, sich von Novartis und BASF das Filetstück der Basler Stadtentwicklung gesichert. Das hat sie aber eine Stange Geld gekostet, wohl nahezu eine Milliarde Franken. Geld, das in diesen Zeiten des Kapitalüberflusses und der Niedrigst- oder Minuszinsen ohnehin «parkiert» werden muss(te). Geld, das jetzt im verseuchten Boden und in stark kontaminierten und/oder denkmalgeschützten Industriebauten gebunkert liegt.

Geld aber auch, das Phantasien beflügelt. Die Phantasie einer ganzen Stadt. Das Klybeck als Paradies der Zwischennutzungen, später als blühende Landschaft, als klimaneutrales Vorzeigequartier, als Vorbild für Mischnutzungen, die sich nicht reiben, als sozial wohlaustarierte und multikulturelle Fläche zwischen Rhein und Wiese. Friedlich, schön, sauber und mit einem der Architekturstadt würdigen Qualitätsanspruch im Erscheinungsbild.

Nun ist es aber so, dass dieses Quartier sich nicht nur an guter Lage in einer reichen Stadt befindet. Sondern eben auch in einem Land, in dem lange Verfahrenswege zum System gehören. Angesichts der Grösse des Areals, rund 300000 Quadratmeter, und seiner entsprechenden Bedeutung für die gesamte Stadtentwicklung, besteht zumindest der moralische Anspruch auf einen frühen Einbezug der Bevölkerung im Planungsprozess. Dessen sind sich die Grundeigentümer bewusst, und sie wissen auch, dass ein Ausschluss der Bevölkerung zu Widerstand führt. Dieser könnte letztlich darin gipfeln, dass eine Initiative Erfolg hat, die sie zu 50 Prozent preisgünstigem Wohnen verpflichten und damit einen schönen Teil der Rendite vernichten würde.

Eine inhaltliche Peinlichkeit

Also laden sie die Öffentlichkeit zur Mitwirkung ein. Wie am Dienstag die Rhystadt AG unter dem Titel «Salon Basel Next» zu einer Podiumsdiskussion über Chancen und Risiken des Projekts. Diese Veranstaltung war inhaltlich eine Peinlichkeit, machte aber immerhin klar, wo die Schwierigkeiten in diesem Prozess liegen. Was, zum Beispiel, versteckt sich hinter dem Begriff der angestrebten «Vielfalt» im neuen Quartier? Ist sie von vornherein planbar oder, wie Elias Schäfer von der Begleitgruppe der neuen Talk-Reihe es klug formulierte, nicht eher die Folge von guter Stadtplanung? Und was heisst Partizipation? Baudirektorin Esther Keller machte deutlich: Echte Beteiligung definiert sich an ihrer Breite und daran, wie klar die Aufgabe gestellt ist - und wo ihre Grenzen sind.

Nach diesem Abend muss man konstatieren: Es war jene Handvoll Meinungsführer anwesend, die sich längst in die Diskussion eingebracht haben, die Aufgabenstellung ist schwammig. Die erste Ausgabe des «Salon Basel Next» ist entsprechend krachend gescheitert. «Salon Basel Nix» wäre ein adäquaterer Titel gewesen. Aber der Planungsprozess dauert ja noch eine Weile.

1 Kommentar
Thomas Zweidler

Chaos auch bei den schon geöffneten Komplexen der ehem. Chemiehallen. Und: Muss wirklich an jede weisse ehem. Ciba Wand "Fight Cops", "A.C.A.B" und "Kill Cops" gesprayt werden. Ist das die Kultur, die Zwischennutzung, die Entwicklung, die wir wollen. Es geht in Basel immer in die gleiche öde Richtung.  Wieso nicht mal Anderes denken, planen und entstehen lassen....

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