Baselworld
Aussteller bauen Pavillons, die so teuer sind wie eine grosse Villa

Am Donnerstag öffnet die Baselworld ihre Pforten – zum ersten Mal im neuen Gebäude nach den Plänen der Architekten Herzog und de Meuron. Die Baselworld ist längst zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Und die Aussteller nehmen viel Geld in die Hand.

Stefan Schuppli
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Beeindruckende Pavillons an der Baselworld. Baupreis: Mehrere Millionen Franken.

Beeindruckende Pavillons an der Baselworld. Baupreis: Mehrere Millionen Franken.

Keystone

Übermorgen Donnerstag öffnet die Baselworld, die grösste Uhren- und Schmuckmesse der Welt, ihre Pforten. Bereits heute ist sicher: Das von den Architekten Herzog und de Meuron entworfene neue Messegebäude wird das grosse Thema sein. Und man kann davon ausgehen, dass die aus der ganzen Welt angereisten Uhren- und Schmuckfachleute vom Bau begeistert sein werden: Er widerspiegelt den Glamour der Branche.

Wie aussen, so innen: Auch die Aussteller lassen sich nicht lumpen. Die grossen Uhrenhersteller wie Rolex, Hublot und Patek Philippe präsentieren in zwei- bis dreistöckigen Ausstellungspavillons ihre Luxusuhren. Ein solcher Stand hat die Kosten einer grossen Villa: fünf Millionen Franken Baukosten seien keine Seltenheit, wissen Insider. Insgesamt hätten die Firmen rund 500 Millionen Franken investiert, heisst es bei der Messe Schweiz AG (MCH). Die MCH selbst liess sich den Neubau
430 Millionen kosten.

Medienkonferenz auf Chinesisch

Der Uhrenindustrie geht es im Allgemeinen gut, wenngleich der Trend etwas flacher wird. Im Dezember und im Februar haben die Schweizer Uhrenexporte abgenommen. Im Februar lag das Minus gemäss dem Verband Fédération Horlogère bei minus 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Stückzahl nahm um 15 Prozent ab. Die Exporte nach Hongkong und China sind mit bis zu einem Drittel sogar regelrecht eingebrochen. Allerdings gilt es zu beachten, dass der Februar des Vorjahres sehr gut war. Produzenten, die auf den globalen Markt ausgerichtet seien, hätten es etwas einfacher, weil die Länderrisiken breiter gestreut sind.

Trotz der aktuell wenig berauschenden Zahlen sei das Interesse des asiatischen Marktes an der Baselworld ungebrochen, sagt die Messechefin Sylvie Ritter. Noch nie seien so viele Journalisten aus China angereist. Erstmals würde die Messe deshalb eine Medienkonferenz auf Chinesisch abhalten. «Swiss made» ist in China nach wie vor ein ganz grosses Thema.

Für die Wirtschaft ist die Baselworld weit über die Landes- und Kantonsgrenze hinaus eine Goldgrube. Waren es beim Messebau vor allem die Baufirmen und Standbauer, die profitierten, so ist jetzt das Gastgewerbe dran. Während der Messe ist in der Region kein freies Zimmer zu finden, Luxushotels sind bis nach Zürich und Luzern praktisch ausgebucht.

Eine Studie des Forschungsinstituts BAK Basel errechnete 2006, dass durch die Messen insgesamt eine Wertschöpfung (Löhne, Gewinne) von 1,9 Milliarden entsteht. Wie viel die Messe Schweiz AG an der Baselworld verdient, wird nicht kommuniziert.

Basel hat Monopolstellung

Faktisch hat die Baselworld ein Monopol. Messeleiterin Sylvie Ritter: «Es gibt bezüglich Medienpräsenz weltweit tatsächlich nichts Vergleichbares.» Deshalb ist einigen Ausstellern die happige Erhöhung der Basismiete von 20 Prozent sauer aufgestossen. Ritter argumentiert, man habe während fast zehn Jahren fixe Preise gehabt. Eine Konkurrenzmesse beispielsweise in Freiburg (D) aufzuziehen, dürfte nicht einfach sein. Eine Abspaltung schliesst die MCH nicht a priori aus.

Einige Aussteller hätten das Potenzial, weltweit selbst etwas auf die Beine zu stellen, heisst es dort. Eine Parallelmesse existiert übrigens schon: Es ist der Salon International de la Haute Horlogerie in Genf des Richemont-Konzerns. Dort sind die Marken wie IWC, Audemars Piguet, Baume & Mercier zu finden.

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