Ausstellung
Auf dem Spuren seines Erschaffers: Tinguelys Wasserspeier nimmt den Wasserweg

Das Museum Tinguely feiert sein 25-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass schickt es eine Skulptur quer durch Europa. Die Stationen der Reise widerspiegeln den Lebenslauf des Künstlers.

Stefan Strittmatter
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Jean Tinguelys «Schwimmwasserplastik» von 1980 steht normalerweise im Solitude Park vor dem Museum Tinguely.

Jean Tinguelys «Schwimmwasserplastik» von 1980 steht normalerweise im Solitude Park vor dem Museum Tinguely.

Daniel Spehr, Tinguely Museum

Als Jean Tinguely 1960 in Paris eine Ausstellung bespielen sollte, wählte er zugleich den einfachsten und den werbewirksamsten Transport für seine ­Objekte: Eigenhändig fuhr er die lärmenden Maschinen von ­seinem Atelier zur Galerie. Die Aufmerksamkeit für seine Aktion, die fotografisch als «Le transport» verewigt wurde, war ihm gewiss – auch wenn er die Publicity kurzzeitig von einer Gefängniszelle aus geniessen musste.

Regelkonformer und wohl auch geräuschloser geht diesen Sommer eine Reise vonstatten, mit der das Museum Tinguely sein 25-Jahr-Jubiläum feiert. Unter dem Titel «Museum Tinguely Ahoy!» schickt das Team um Kuratorin Sandra Reimann ein zum Ausstellungsraum umgebautes Frachtschiff – die ­Basler MS Evolutie – auf den Wasserweg von Basel nach Paris und über zehn weitere Städte zurück in den heimischen Hafen.

Ausstellungen, Aktionen und Freundschaften

Die Stationen der Reise folgen dem Lebenslauf des 1991 verstorbenen Künstlers: In Paris, Antwerpen, Maastricht, Amsterdam, Gelsenkirchen, Duisburg, Krefeld, Düsseldorf, Koblenz, Frankfurt am Main und Mannheim hinterliess Jean Tinguely zu Lebzeiten seine Spuren – sei es mit Ausstellungen und künst­lerischen Aktionen oder mit geknüpften Netzwerken und Freundschaften.

Die Stationen von «Museum Tinguely Ahoy!»

Die Stationen von «Museum Tinguely Ahoy!»

Karte: Museum Tinguely

Während auf dem Oberdeck des fünfeinhalb Meter breiten Frachters Tinguelys Brunnenskulptur «Schwimmwasserplastik» von 1980 für Aufsehen sorgen wird, wartet im Unterdeck auf rund 100 Quadratmetern ein vielseitiges Angebot auf neugierige Besucherinnen und Besucher in den jeweiligen Städten. So soll es neben der dokumentarischen Ausstellung «Et tout ceci est vrai», die ab Ende November dann auch im Museum Tinguely zu sehen ist, ein interaktives Programm geben, das sich vor allem an Kinder und ­Jugendliche richtet. Zudem arbeiten drei Künstlerinnen aktuell an ihren jeweiligen Körper-, Tanz-, und Theaterperformances, die an den jeweiligen Orten aufgeführt werden.

Mitmachangebote gegen den Stillstand

Am Ende ihrer Reise legt die MS Evolutie an der Sandbucht vor dem Museum an. Dies markiert dann – «hoffentlich pünktlich», wie Museums-Direktor Roland Wetzel mit Blick auf mögliches Hochwasser oder klemmende Schleusen sagt – den Beginn des Jubiläums-Weekends, das im und um das Museum herum mit «dynamischen» Mitmachangeboten aufwartet. Auch daran hätte der Künstler wohl seine Freude gehabt, schrieb er doch in seinem Manifest «Für Statik», das er 1959 aus einem Flugzeug über Düsseldorf ­abwarf: «Es bewegt sich alles, Stillstand gibt es nicht.»

Museum Tinguely Ahoy!, Div. Städte. 17. Juli ‒ 26. September.
Fest in Basel: 24. ‒ 26. September.
www.tinguely.ch
www.mtahoy.com

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