Eine junge Mutter wird aus dem Basler Parlamentssaal verbannt, weil sie ihr Baby mitnimmt. Das klingt zunächst sehr rücksichtslos und rückständig. Aber handelte der Grossratspräsident Remo Gallacchi (CVP) auch «diskriminierend», «unerhört» oder gar «undemokratisch», wie linke Zwischenrufer meinten, als die Grünen-Grossrätin Lea Steinle am Mittwoch den Saal verliess? Nein.

Der bemitleidenswerte Gallacchi hielt sich an nichts anderes als ans Reglement des Grossen Rates. Dieses besagt, dass nur Grossräte, Mitarbeitende des Parlamentsdiensts sowie akkreditierte Medienschaffende Zutritt haben. Und: In «Ausnahmefällen» könne auf Gesuch hin Dritten eine Akkreditierung gewährt werden.

Da Steinles Buschi kein Grossrat ist und sein Mami kein Gesuch für diesen Ausnahmefall gestellt hat, ist dem Grossratspräsidenten nichts vorzuwerfen. Als Demokrat, der er ist, hat er sich ans Gesetz gehalten. Und zwar an eines, das bei näherer Betrachtung nicht mal so rückständig ist.

Hätte Steinle in ihrer Ausnahmesituation ein Gesuch eingereicht, hätte er die Situation womöglich anders beurteilt. So aber muss sich Steinle selber an der Nase nehmen. Schlimmer noch aber ist die Polemik, die die Linke schürte. In der Hitze des Gefechts liess sie sich zu reichlich absurden Aussagen hinreissen.

Dass SP-Grossrätin Danielle Kaufmann empört darauf hinwies, dass Steinle ihr Kind noch stillt, muss als rein effekthascherisch abgetan werden. Denn wie macht es die junge Mutter jeweils an den anderen Grossratstagen, wenn sie ihr Kind für gewöhnlich hüten lässt?