Bildung

Basel-Stadt schafft «absurde» Corona-Regeln in Schulzimmern ab

Die Abstandsregeln an den Schulen haben sich als nicht praktikabel herausgestellt.

Die Abstandsregeln an den Schulen haben sich als nicht praktikabel herausgestellt.

Lehrerinnen und Lehrer in Basel-Stadt wehren sich erfolgreich gegen die Corona-Auflagen im Schulzimmer – die Zwei-Meter-Regel wird aufgehoben. Dies ist im Sinne von der Baselbieter Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer. Sie fordert nur noch einen Meter Abstand.

Die Basler Lehrerinnen und Lehrer zeigten gemischte Gefühle über die Wiedereröffnung der Volksschulen am 11. Mai. Der Unterricht wurde begleitet von Regeln, die sich als nicht praktikabel herausstellten. Gerade bei den Jüngsten war es für die Lehrerinnen und Lehrer nicht möglich, den geforderten Abstand von zwei Metern zu den Schülern einzuhalten. «Auf Primarstufe ist die Regel kaum umsetzbar», sagt Jean-Michel Héritier, Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt. «Wenn man einem Kind wirklich etwas erklären will, geht das nicht mit zwei Metern Abstand.» Auch wenn sich beispielsweise Kinder in den Haaren liegen würden, müssten die Lehrer eingreifen. In manchen Basler Lehrerzimmern war von einer «absurden» Regel die Rede.

Viele Lehrerinnen und Lehrer wurden beim Erziehungsdepartement (ED) vorstellig und klagten über die realitätsfernen Forderungen. Darauf hat das ED reagiert. Im jüngst verschickten Leitfaden «für Lehr- und Fachpersonen der Volksschulen», welcher der bz vorliegt, werden mehrere markante Lockerungen durchgesetzt. So wird zwar betont, dass die Zwei-Meter-Regel «möglichst eingehalten» werden soll, um sogleich wieder zu relativieren. «Kurze Kontakte, beispielsweise beim Vorbeigehen oder bei einem kurzen Gespräch, stellen kein erhöhtes Risiko dar.» Und wenn der Abstand nicht einzuhalten sei, dürfe man bis zu 15 Minuten in engerem Austausch stehen.

Sogar Schulausflüge sind wieder möglich

Das Papier legt nahe, dass das ED auf Volksschulstufe schnellstmöglich wieder Normalität herstellen will. Mehrere diskutierte Sicherheitsmassnahmen werden als «unnötig» erachtet. So wird das Maskentragen als «keine sinnvolle Massnahme» bezeichnet. Auf dem Schulareal gälten die Social Distancing Regeln nicht, und ab nächster Woche dürften auch Eltern und andere nicht zur Schule gehörende Menschen sich auf dem Schulareal aufhalten. Gemäss den neuen Auflagen sind selbst längere Schulausflüge und sogar Lager erlaubt: Denn das Basler Erziehungsdepartement sieht ab nächster Woche explizit ausserschulische Aktivitäten vor. «Auswärtige Übernachtungen mit Schulklassen sind ab 6. Juni ebenfalls wieder möglich», heisst es. Man empfehle allerdings, die öffentlichen Verkehrsmittel so wenig wie möglich zu benutzen. Auch Turn- und Schwimmunterricht finden in Basel-Stadt grundsätzlich statt.

Bundesrat soll nur einen Meter Abstand vorgeben

Dass die Zwei-Meter-Regel in Basel-Stadt auf Volksschulstufe aufgeweicht wird, ist ganz im Sinne von Florence Brenzikofer. Doch die Baselbieter Grünen-Nationalrätin will noch mehr: Wie sie der bz bestätigt, wird sie den Bundesrat in der Fragestunde vom kommenden Montag bitten, ganz grundsätzlich nicht mehr zwei Meter Abstand vorzugeben – an den Schulen, aber etwa auch bei Kulturanlässen.

«Ich möchte eine rasche national einheitliche Lösung», sagt sie. Stein des Anstosses war für die Seklehrerin und Mutter zweier Gymnasiasten die Entscheidung Basellands, bei den Mittelschulen bis zu den Sommerferien weiter hauptsächlich auf Fernunterricht zu setzen (siehe Box), während Basel-Stadt am 8. Juni mit Präsenzunterricht startet. «Ich halte es für sehr wichtig, dass sich die Klassen nun wieder treffen können, spätestens aber nach den Sommerferien regulärer Unterricht ermöglicht wird.»

Brenzikofer hofft auf eine Reduktion auf maximal einen Meter Abstand, wie es etwa Österreich kennt.

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