Baselbieter Strafgericht
Vier Jahre Haft und Landesverweis für ehemaligen Kita-Leiter, der Kleinkinder missbraucht haben soll

Der ehemalige Leiter der Kita Globegarden in Allschwil musste sich eine Woche nach der Verhandlung dem Urteil des Dreiergerichts stellen. Trotz des lebenslänglichen Berufsverbots, das Teil des Urteils war, könnte er im Ausland noch mit Kindern arbeiten.

Kelly Spielmann
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Der Deutsche hat in der Kita Globegarden in Allschwil gearbeitet.

Der Deutsche hat in der Kita Globegarden in Allschwil gearbeitet.

Roland Schmid

Eine Woche nach der Verhandlung musste sich der ehemalige Leiter der Kindertagesstätte Globegarden in Allschwil heute Donnerstag dem Urteil des Baselbieter Strafgerichts stellen. Der 36-jährige Deutsche wurde beschuldigt, mehrere Kleinkinder missbraucht zu haben.

Das Urteil nahm er regungslos hin: Das Dreiergericht hat ihn der mehrfachen sexuellen Handlung mit Kindern, der mehrfachen Schändung, der mehrfachen Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte sowie der mehrfachen Pornografie schuldig gesprochen.

Er habe nicht nur die Kinder, sondern auch das Vertrauen der Eltern missbraucht, so die Gerichtspräsidentin bei der Urteilsverkündung. Seine Erklärungen, er habe den Kindern etwas Gutes tun wollen, seien zynisch. Auch die Begründung, er habe mit den Handlungen den eigenen Missbrauch in seiner Kindheit aufarbeiten wollen, sei absurd.

In einem Anklagepunkt freigesprochen

In einem Anklagepunkt wurde er freigesprochen. Dass der Mann auch noch ein viertes Kind missbraucht haben soll, hat er stets bestritten. «Es bleibt ein ungutes Bauchgefühl, aber es liegen keine Beweise vor», so die Gerichtspräsidentin. Der 36-Jährige erhielt eine vierjährige Haftstrafe, von welcher 510 Tage abgezogen werden, die der Mann bereits in Untersuchungshaft und im vorzeitigen Strafvollzug verbracht hat.

Weiter wird ihm jede berufliche oder ausserberufliche Tätigkeit mit regelmässigem Kontakt zu Minderjährigen lebenslänglich verboten. Er muss ausserdem eine ambulante Therapie absolvieren sowie das Land für zehn Jahre verlassen. Die Verhandlungskosten von fast 50'000 Franken muss der Beschuldigte zu 90 Prozent selbst bezahlen.

Im Ausland könnte er noch mit Kindern arbeiten

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich mit dem Urteil zufrieden – sie hatte eine Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren gefordert. «Für uns ist sehr wichtig, dass das lebenslängliche Tätigkeitsverbot ausgesprochen wurde, damit sichergestellt ist, dass der Beschuldigte in der Schweiz nie mehr auf diesem Beruf tätig sein kann», sagte Staatsanwältin Catherine Züllig im Anschluss an die Urteilseröffnung.

Tatsächlich wird er in der Schweiz nicht mehr mit Kindern arbeiten können – im Ausland wäre dies aber theoretisch möglich. «Es gilt das Territorialitätsprinzip», so Züllig. Das Verbot gelte deshalb nur in der Schweiz. «Idealerweise verlangt ein Arbeitgeber einen Sonderprivatauszug, sollte er sich im Ausland bewerben, und stösst so darauf.»

Beide Parteien können das Urteil noch ans Kantonsgericht weiterziehen.