Basler alt Ständerat
Gedenkfeier für Carl Miville: Abschied von einem konservativen Sozialdemokraten

Im Basler Münster gedachten Regierung, Partei und Familie dem kürzlich verstorbenen alt Ständerat Carl Miville-Seiler.

Patrick Marcolli
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Münsterpfarrer Lukas Kundert bei der Gedenkfeier.

Münsterpfarrer Lukas Kundert bei der Gedenkfeier.

Nicole Nars-Zimmer

Sie verliessen beide die irdische Bühne in recht kurzem Abstand, hochbetagt und von vielen tief verehrt, die beiden Basler Sozialdemokraten und engen Freunde Helmut Hubacher und Carl Miville. Letzterer konnte noch dabei sein, als Hubacher im Volkshaus zu den Klängen des Panikorchesters für immer verabschiedet wurde. Es war wohl sein letzter Auftritt in der Riege der Basler und Schweizer Sozialdemokratie.

Am 18. Juni verstarb Miville selbst, kurz vor seinem 100. Geburtstag. Nein, das Volkshaus wäre nicht sein Rahmen für eine Gedenkfeier gewesen, ebenso wenig das Panikorchester als Begleitmusik. Die Basler Regierung lud am Donnerstag richtigerweise ins Münster, und Miville bekam das letzte musikalische Geleit durch den Männergesang der Basler Liedertafel, dessen Ehrenpräsident er gewesen war.

Die Liedertafel singt im Münster für den verstorbenen SP-Politiker Carl Miville.

Die Liedertafel singt im Münster für den verstorbenen SP-Politiker Carl Miville.

Nicole Nars-Zimmer

So tief in Basel verwurzelt, wie es nur ging

Hubacher war zweifelsohne der bekanntere und einflussreichere Politiker gewesen, vor allem auf nationaler Bühne. Aber Carl Miville-Seiler, Grossrat, Ständerat, Europarat, blieb letztlich seiner Heimatstadt so tief verbunden, wie es nur ging, und wie es heute, im Zeitalter der immer feiner definierten Milieus und «Bubbles», so Pfarrer Lukas Kundert in anderem Zusammenhang, kaum mehr möglich scheint.

Mivilles Tochter Cathérine erinnert an ihren verstorbenen Vater.

Mivilles Tochter Cathérine erinnert an ihren verstorbenen Vater.

Nicole Nars-Zimmer

Miville war, so zeigten alle Redner und seine Tochter Cathérine an der Gedenkfeier auf, ein Sozialkonservativer von altem Schrot und Korn. Einer, der den lokalen Traditionen und Bräuchen, dem baulichen Erbe sowie dem lokalen Dialekt enorm viel Bedeutung beimass, sie bewahren wollte - damit Basel nicht zur Allerweltsstadt würde, wie sein Freund Beat Trachsler es formulierte. Anderseits war Miville aber eben auch als langjähriger Leiter von AHV und Ausgleichskasse der Stadt und später als Sozialpolitiker einer, der «das Los jener zu verbessern suchte, die auf der Schattenseite des Lebens stehen», umschrieb es alt Regierungsrat Christoph Brutschin. Diese Mischung machte Miville aus. Und er war deshalb wohl schon in seiner aktiven Zeit als Politiker in seiner Partei das, was man als Unikum bezeichnen würde.

Mivilles Tochter Cathérine brachte diese nur scheinbar gegenläufigen Strömungen im Leben ihres Vaters auf den Punkt, als sie von ihrem Erstaunen berichtete, dass er, der stramme Sozialdemokrat, auf dem Wolfgottesacker begaben werden wollte - also dort, wo auch die Angehörigen des Basler Patriziats in aller Regel ihre letzte Ruhe finden. Ihr Vater sei am Ende «ein zutiefst ausgeglichener Mensch gewesen», sagte sie.

«Humorige Geistesblitze» aus einem langen Leben

Von diesem Privatmann Miville berichtete auch Beat Trachsler, Freund des Verstorbenen und als Verleger und Schriftsteller um die Basler Traditionen und den Basler Dialekt selbst besorgter Citoyen. Die anekdotisch beschriebenen «humorigen Geistesblitze» von Carl Miville brachten im Münster manchen zum Schmunzeln oder gar zum Lachen. Eine Stimmung, die Miville sicher gefallen hätte.

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