Ausverkauf
Basler Detailhändler verkaufen ihre Ware bereits 70 Prozent billiger

Erste Läden der Basler Innerstadt schreiben ihre Produkte schon um 70 Prozent herunter, aber noch ist das die Ausnahme. Mathias F. Böhm, Geschäftsführer der Pro Innerstadt, ist überzeugt, dass es in Zukunft weniger Sales geben wird.

Peter Schenk
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Beim Pfauen in der Freien Strasse sollen riesige Plakate die Kunden ins Kaufhaus locken. Die Höhe der Preissenkungen erfährt man erst dort.

Beim Pfauen in der Freien Strasse sollen riesige Plakate die Kunden ins Kaufhaus locken. Die Höhe der Preissenkungen erfährt man erst dort.

Kenneth Nars

Die Basler Detailhändler sind kreativ: Bei einem Rundgang durch die Innerstadt findet man die unterschiedlichsten Strategien, um die Kunden zur Ausverkaufszeit nach Weihnachten in die Läden zu locken. Manche klotzen mit riesigen Plakaten, auf denen in grossen Lettern «Sale» steht, andere treten sehr zurückhaltend auf. Ein Beispiel für Grösse ist der Pfauen in der Freien Strasse (rechts im Bild). Um wie viel die Waren reduziert werden, erfährt man erst im Kaufhaus selbst: Es sind derzeit in der Regel 50 Prozent – ein Preisnachlass, den auch PKZ, Companys wie auch etliche Schuhgeschäfte anbieten.

Auf Grösse setzt auch die Filiale von Tally Weijl am Marktplatz, die bereits Sale bis zu 70 Prozent verspricht. Der Globus wechselt die Schaufenster mit Plakaten, auf denen 50 Prozent steht, mit anderen ab, die «Sale %» anzeigen. C&A verkündet neue Reduzierungen bis 30, 40, 50 und 70 Prozent. Auch bei Esprit und Vögele gibt es bereits Preisabschläge von bis zu 70 Prozent – generell aber sind diese massiven Verbilligungen zu diesem Zeitpunkt des Ausverkaufs in Basel noch die Ausnahme. Fündig könnte man noch bei Sport Ochsner in der Freien Strasse werden, wo gewisse Artikel bereits über 50 Prozent reduziert sind. Dann gibt es die Geschäfte, die ihre Kunden nicht mit Prozentzahlen lockt, sondern lediglich den alten und den neuen Preis im Schaufenster bekannt geben. So macht es zum Beispiel das Traditionsgeschäft Leder Locher in der Gerbergasse. Da steht dann neben einer Tasche der alte, durchgestrichene Preis von 729 Franken neben dem neuen von 511 Franken. Ein Koffer wird statt für 499 Franken für 350 Franken angeboten.

Kleiderständer für die Neugierigen

Wenige Schritte weiter macht es Calida ganz ähnlich. Ein Herrenpyjama kostet hier statt 139 Franken noch 97 Franken. Schild gibt dem Kunden beide Informationen. So ist eine Hose um 30 Prozent herabgesetzt und kostet also statt 125 Franken noch Fr. 87.50. Eine Boutique in der Nähe des Gerbergässleins setzt auf die Neugierde der Schnäppchenjäger: An einem Ständer, der mit Kleidung herausgestellt ist, steht lediglich «stark reduziert» angeschrieben.

Dann gibt es die ganz Zurückhaltenden, die wie Süd-Wind im Gerbergässlein nur sehr diskret auf reduzierte Ware hinweisen. Ähnlich handhabt es die Basler Designerin Claudia Güdel in ihrem gleichnamigen Geschäft in der Schnabelgasse: Ein kleines Schild verspricht «Sale 10–50%». Die Gerber AG Wohngalerie am Spalenberg kündigt lediglich einen Sonderverkauf an; Preise sucht man hier, zumindest von aussen, vergeblich.

Eine Umfrage unter Detailhändlern ergibt, dass der Sale für sie gut bis sehr gut begonnen hat. «Der Ausverkauf ist sehr gut gestartet. Mit dem nassen, feuchten Wetter haben die Kunden gemerkt, dass sie doch noch Winterkleidung benötigen», berichtet Roger Rischer, Geschäftsführer des Globus. Auch den Feiertag in Deutschland, Mittwoch war dort Heilige Drei Könige, habe man positiv gespürt. «Wir bieten viele Produkte an, die es in Deutschland nicht gibt», erläutert Rischer. Wie die meisten Geschäfte hat der Globus nach Weihnachten mit dem Ausverkauf begonnen. «Pre Sales» vorher habe es nur für einzelne Produkte gegeben.

Auch beim Pfauen zeigt man sich «zufrieden» mit dem bisherigen Verlauf des Sales, wie Rita Bächli, Mediensprecherin bei Coop, zu der der Pfauen gehört, mitteilt. Man habe nach Weihnachten mit dem Ausverkauf begonnen. «Er dauert bis Ende Januar.»

Sale noch bis zum 14. Februar

Bei Manor läuft der «traditionelle Winter-Ausverkauf» bis zum 14. Februar. «Aufgrund des Einzugs des Winters im Januar sind in Basel aktuell Winterjacken und Winteraccessoires sehr beliebt. Auch gut laufen allgemein Artikel aus Mode und Lingerie, Haushalt (vor allem Geschirr-, Gläser-, Pfannensets und Bettwäsche) und Elektro», teilt Mediensprecherin Elle Steinbrecher mit.

Für den Multisport-Spezialisten Athleticum war der warme Dezember und der mangelnde Schnee laut Mediensprecher Antonio Govetosa «wenig erfreulich». Auch Ochsner Sport habe das warme Wetter an den Umsatzzahlen gespürt, so Pressesprecher Steve Schennach. Antonio Govetosa von Athleticum gibt sich aber positiv: «Mit den Kategorien Fitness, Running und Velo konnten wir die Verluste zum Teil kompensieren.»

«Sehr zufrieden» mit dem bisherigen Verlauf des Ausverkaufs, mit dem man bewusst nach Weihnachten beginne, zeigt sich Christoph Poupon, Geschäftsführer von Grieder Schweiz. Poupon bezeichnet sich als Gegner der andauernden «Preisschlacht» und spricht sich dafür aus, wieder fixe Zeiten für den Ausverkauf einzuführen. «Wir machen unser Geschäft mit dem Service, der Bedienung und den Produkten, die wir anbieten», betont er.

Mathias F. Böhm: «Es wird in Zukunft weniger Sales geben»

Mathias F. Böhm (40) ist seit 2012 Geschäftsführer der Pro Innerstadt und äussert sich zu Gegenwart und Zukunft des Ausverkaufs in Basel.

Herr Böhm, es gibt derzeit erneut Diskussionen, den offiziellen Ausverkauf mit festen Zeiten wieder einzuführen. Was halten Sie von dieser Idee?

Mathias F. Böhm: Ich finde das nicht gut. Wir setzen uns für die freie Marktwirtschaft und liberalisierte Ladenöffnungszeiten ein. Wenn wir gleichzeitig eine Regulierung fordern, ist das der falsche Ansatz – zudem diese in zwei Jahren, bedingt durch die rasante Entwicklung, vielleicht schon nicht mehr aktuell ist und wieder aufgehoben werden muss.

Teilweise fangen Geschäfte bereits vor Weihnachten mit einem «Pre Sale» an. Warum?

Ich habe den Eindruck, dass es dieses Jahr weniger waren. Das hängt einerseits damit zusammen, dass sie die Preise schon vorher wegen des starken Frankens gesenkt haben und die «Sale-Phase» deshalb später anfing. Andererseits haben sie vielleicht gehofft, den Umsatz und damit die Marge zu halten.

War das Weihnachtsgeschäft wegen des warmen Wetters schlecht?

Für Mode und Schuhe war es sicher nicht gut.

Für die meisten Kunden gibt es den Ausverkauf noch. Welche Bedeutung hat er für den Detailhandel?

Eine grosse Kundengruppe ist sicher weiter auf den Januar oder Juni/Juli fokussiert. Für den Händler aber hat der Ausverkauf nicht mehr die gleiche Bedeutung. Das Ziel ist ja nicht, die Ware möglichst billig zu verkaufen, sondern die Lager zu leeren. Firmen wie Zara, H&M und auch Boutiquen hingegen leben längst davon, ständig aktuelle und neue Ware anzubieten, teilweise in Wochenfrist.

Ich habe bereits Geschäfte gesehen, die um 70 Prozent reduzieren.

Es zeigt vielleicht, dass sie schon am Ende der «Sale-Phase» sind. 70 Prozent Reduktion ist der Schlusspunkt. Mehr geht nicht. Ich bin überzeugt, dass die Kunden in Zukunft mehr auf die Qualität und den Wert als auf den Preis schauen. Die Mengenverkäufe werden in Zukunft weniger funktionieren. Wenn man das Sortiment auf 70 Prozent setzt, wertet man langfristig seine Ware ab und schadet sich selber.

Verdient man bei 70 Prozent Preissenkung überhaupt noch etwas?

Die 70 Prozent, die man im Fenster sieht, betreffen ja nur einen kleinen Teil des Angebots. Ausserdem kommt es auf das Produkt an. Im Luxussegment macht es durchaus Sinn, wenn man einen speziellen Valentino-Mantel nur noch in einer Grösse und einer Farbe hat. Die Wahrscheinlichkeit, den zum Normalpreis noch zu verkaufen, ist gering.

Was halten Sie für die Hauptstärken Basels?

Basel ist das Zentrum der trinationalen Region. Die Vielfalt mit dem Mix aus Warenhäusern, Luxusbrands und Trend-Lädeli ist extrem gut. Im oberen Segment haben wir manche Läden, die es bis und mit Freiburg nicht gibt. Wichtig ist auch die Nähe: Basel ist eine sehr kompakte Stadt. Dazu kommen die Kultur, die Gastronomie und die Ausgehmöglichkeiten. Die Leute, die Abwechslung und Neues suchen, gehen nicht nach Deutschland. Das sind Qualitäts-Shopper oder Städtebesucher.

Wie sehen Sie die Zukunft für den Detailhandel?

Es wird weniger Sales geben: Aufgrund der Margen-Verluste wird sich der Markt irgendwann selber regulieren. Geschäfte, die ein klares Konzept und eine grosse Stammkundschaft haben und sich stark positionieren, wissen, was ihre Kunden erwarten. In einem Set & Sekt am Rümelinsplatz oder bei Tanja Klein, Läden im mittleren bis oberen Segment also, gibts Anfang Dezember noch keinen Ausverkauf. Dort finden Sie Top-Produkte in einem speziellen Ambiente. Sie würden ihr Konzept kaputt machen, wenn sie zu früh mit dem Ausverkauf anfangen. Zudem dauert dieser nicht vier oder sechs Wochen. Es gibt Läden, bei denen hat man den Eindruck, der Sale geht über 52 Wochen: Eine Erlebniswelt lässt sich nicht über den Ausverkauf vermitteln und dieser Aspekt wird immer wichtiger.

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