Basel
Basler Firma will den Batterie-Markt revolutionieren

Die Fortu Holding AG plant in den USA eine Produktionsstätte für 670 Millionen Dollar. Die Firma könnte dabei von einer 100-Millionen-Dollar-Subvention des Staates Michigan profitieren.

Christian Mensch
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Die Pläne warten auf ihre Umsetzung: Die Batterie-Fabrik im Wald von Muskegon Township. Sidock Group

Die Pläne warten auf ihre Umsetzung: Die Batterie-Fabrik im Wald von Muskegon Township. Sidock Group

Muskegon Township, einer kleinen Metropole am Lake Michigan, steht ein Wirtschaftsboom bevor. Jedenfalls, wenn sich die Versprechen erfüllen, die eine Basler Firma gegeben hat: Die Fortu Holding AG will dort in einem Technologiepark mitten im Wald eine Fabrikation für neuartige Batterien errichten, insgesamt 670 Millionen Dollar investieren und 745 Arbeitsplätze schaffen. Der Bundesstaat Michigan hat den entsprechenden Anreiz für den Standortentscheid gegeben: Den Investoren winken Steuererleichterungen und geldwerte Leistungen in Höhe von 100 Millionen Dollar.

Ende 2009 wurde die Vereinbarung abgeschlossen. Bereits jetzt, im dritten Quartal 2012, hätte die Fabrikation nach Investitionen von über 200 Millionen Dollar mit 300 Mitarbeitern starten sollen. Doch es kommt zu Verzögerungen. Alan Greenshields, Verwaltungsratspräsident der Fortu Holding, begründet auf Anfrage des «Sonntags»: «Eine neue Technologie einzuführen ist etwas vom Schwierigsten, was es gibt.»

No-Comment-Politik

Mehr sagt Greenshields nicht. Er sagt, es sei die Politik der Firma, nicht zu kommunizieren. Und dies konsequent. Obwohl die Firma von den lokalen US-Medien als «führende Anbieterin von Batterien» gepriesen wird, verfügt die Fortu-Gruppe weder über einen Internet-Auftritt noch über öffentlich zugängliche Firmenprospekte, geschweige denn über einen Geschäftsbericht. Immerhin den Grund für die Verschwiegenheit vermag Greenshields noch zu nennen: «Die Information könnte den Konkurrenten nutzen.»

Günter Hambitzer ist der Erfinder der neuen Batterie-Technologie, die den wirtschaftlichen Durchbruch erfahren soll. Der wiederaufladbare Energiespeicher soll «preisgünstig, wartungsfrei, langlebig und äusserst unempfindlich gegenüber Fehlbehandlungen» sein, so heisst es in einer älteren, dafür greifbaren Präsentation. Der deutsche Professor, der bei der privaten Universität Witten/Herdecke begann, dann an das Fraunhofer Institut wechselte und sich schliesslich selbstständig machte, forscht seit Mitte der 1990er-Jahre in diesem Bereich. 2004 hatte er mittels ersten Investoren bereits rund zwanzig Millionen Franken in die Entwicklung investiert und wollte im Hafen der Stadt Halle in Produktion gehen. Daraus wurde nichts. Dafür fand sich ein neuer Investor aus der Schweiz, der das grosse Rad drehen wollte. Die Entwicklungsabteilung blieb in Karlsruhe, im deutschen Dormagen kam die Produktion von Prototypen dazu, aus steuerlichen Gründen in Basel wurde schliesslich die Dachgesellschaft Fortu Holding eingerichtet.

Neue Investoren kamen dazu, die bei der Entwicklung der Firma auch mitreden wollten. Die internationalen Geldgeber kamen nun aus Hongkong, aus den USA, auch aus der Schweiz, wie aus Dokumenten hervorgeht, die im Handelsregister abgelegt sind. Das Dossier ist umfangreich. Insgesamt neun Kapitalerhöhungen wurden durchgeführt, um die Entwicklung zu finanzieren.

Ein Kommen und Gehen im Verwaltungsrat

Seit dem vergangenen Jahr läuft der Firmenaufbau jedoch nicht mehr reibungslos. Im Verwaltungsrat ist ein Kommen und Gehen. Einen eigentlichen Exodus gab es Anfang September. Eine Verschiebung im Aktionariat veränderte die Machtbalance. Alan Greenshields übernahm das Präsidium im Verwaltungsrat, worauf drei bisherige Verwaltungsräte sowie die operative Spitze das Unternehmen verliessen. Es war bereits die zweite Eruption. Im Dezember 2011 schieden ebenfalls drei Verwaltungsräte aus. Darunter nicht ganz freiwillig, wie es heisst, der Patent-Erfinder Günther Hambitzer. Auf Anfrage des «Sonntags» sichert sich Hambitzer bei seinem Anwalt ab, um dann mitzuteilen, er habe nichts mitzuteilen. Mit Albert Esser kam ein neuer operativer Chef ins Unternehmen, der nun wieder ausgeschieden ist.

Die Nervosität im Aktionariat ist verständlich. In den nächsten Monaten soll sich entscheiden, ob das Risikokapital richtig investiert wurde. Ein Teil des Aktionariats scheint auf einen schnelleren, andere auf einen langsameren Weg zu setzen. In zwei Wochen treffen sich die Aktionäre zu einer weiteren ausserordentlichen Generalversammlung. Ob in Michigan dereinst 670 Millionen Dollar investiert werden, ist unklar. Doch davon scheint in Muskegon nichts bekannt zu sein.

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