Velostadt
Basler Grossrat fordert öffentliche Velo-Zählstationen mit Display

Basel ist eine Velostadt, könnte man meinen, wenn man die neusten Daten der Velo-Zählstationen sieht: Im Sommer sind mehrfach über 10000 Leute pro Tag über die Wettsteinbrücke geflitzt. Nun sollen die Zählstationen eine elektronische Anzeige erhalten

Samuel Hufschmid
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Solche Zählstationen sollen auch in Basel zum Einsatz kommen.

Solche Zählstationen sollen auch in Basel zum Einsatz kommen.

Zur Verfügung gestellt

Das gute Sommerwetter scheint der Stadt einen neuen Velorekord eingebracht zu haben. So überquerten im Spitzenmonat Juni täglich 8457 Zweiradfahrer die Velozählstation auf der Wettsteinbrücke, das ist der höchste Wert seit Messbeginn. An Spitzentagen waren es sogar über 11 000 Velofahrer, ein Wert, der noch gar nie erreicht worden war, seit im Jahr 2000 mit der Velozählung begonnen wurde. Und auch in der ersten Juli-Woche 2015 überquerten mehrmals über 11 000 Velofahrer die Wettsteinbrücke und machten die dortige Zählstation damit zur Rekord-Station. Im Vergleich dazu: An einem durchschnittlichen Tag wird die Brücke von 15 471 Autos und Lastwagen befahren.

Eine Gruppe Grossräte von SP und Grünem Bündnis um Thomas Grossenbacher (GB) möchte diese Zahlen nun an öffentlich sichtbarer machen und an Zähl-Säulen entlang vielbefahrener Velorouten anzeigen lassen. Sie haben die Regierung vor drei Wochen angefragt, zu prüfen, ob solche sichtbaren Velo-Zähler innert einer Frist von maximal drei Jahren installiert werden könnten. Dafür schlagen sie drei Standorte fest: Wettsteinbrücke, Dorenbach-Viadukt und Peter-Merian-Weg.

Die Grossräte stützen sich bei ihrer Anfrage auf den Legislaturplan 2013–2017, der eine Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf den Fuss- und Veloverkehr vorsieht. Die öffentlichen Zählstellen, wie sie in mehreren anderen Städten wie Stockholm und Kopenhagen bereits existieren, sollen den Verkehrsteilnehmern aufzeigen, wie beliebt das Velo ist. «Dies trägt dazu bei, die Popularität dieses umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden Verkehrsmittels weiter zu steigern», schreiben die Grossräte in ihrem Anzug.

Hoffnung auf rasche Umsetzung

Initiant Thomas Grossenbacher sagt auf Anfrage: «Ich hoffe sehr, dass die Regierung unser Anliegen positiv aufnimmt und die Zahlen bereits innert kürzester Frist zumindest online publiziert. Und natürlich hoffe ich auch auf eine positive Rückmeldung bezüglich der Zählstationen.» Die Chancen stehen gemäss Grossenbacher gut, weil sich die Massnahme absolut nicht gegen Autofahrer richte. «Jeder Autofahrer sollte sich über jeden zusätzlichen Velofahrer freuen, weil dadurch auf den Strassen mehr Platz geschaffen wird. Berechnungen zeigen nämlich, dass ein Velofahrer, sehr konservativ berechnet, auf der Strasse nur rund einen Siebtel des Platzes eines Autofahrers einnimmt.»

Amt verweist auf Beantwortung

Tatsächlich wäre bereits die Publikation der Velofahrer-Zahlen auf der Internetseite des Kantons ein erster Schritt, denn aktuelle Zahlen werden dort derzeit nicht veröffentlicht. Die aktuellsten publizierten Daten auf der Website des Amts für Mobilität stammen vom April 2014, der letzte komplette Jahresrapport aus dem Jahr 2013. Insgesamt misst der Kanton an 20 Stellen die Anzahl Velofahrer, wobei im letzten Jahr nur 14 Stationen Daten aufzeichneten. Sechs Zählstationen waren defekt oder ausser Betrieb. Zum aktuellen Anzug gibt das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement derzeit keine Auskünfte und verweist auf die noch ausstehende Beantwortung.

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