Sucht

Beratungen zu Glücksspielsucht und Onlinesucht nehmen in Basel stark zu

Beratungen im Bereich der Verhaltenssüchte haben im vergangenen Jahr stark zugenommen. (Symbolbild)

Beratungen im Bereich der Verhaltenssüchte haben im vergangenen Jahr stark zugenommen. (Symbolbild)

Neuste Zahlen zeigen: Verhaltenssüchtige greifen vermehrt auf Hilfe zurück und das Durchschnittsalter bei Heroinsüchtigen steigt an.

Das Basler Gesundheitsdepartement informiert über eine starke Zunahme der Beratungen im Bereich der Verhaltenssucht von 117 im Jahr 2018 auf 243 im Jahr 2019. Darunter fallen Glücksspiel-, Online-, Kauf- und Sexsucht. Männer sind mit 80 Prozent besonders betroffen.

Regine Steinauer, Dienststellenleiterin der Abteilung Sucht, führt verschiedene Gründe für diesen Geschlechterunterschied auf: «Es wird vermutet, dass die Veranlagung eine Rolle spielt, auch Eigenschaften wie Risikobereitschaft und Rollenbilder, die eher kompetitives Verhalten oder prosoziales Verhalten in den Vordergrund stellen, können einen Einfluss haben.» Ausserdem würden manche Produkte wie etwa Computerspiele bis anhin vor allem die Männerwelt ansprechen.

Sensibilisierung durch die neue stationäre Abteilung für Verhaltenssüchte

Die starke Zunahme der Nachfrage für Beratungen im Bereich der Verhaltenssucht führen die Autorinnen und Autoren des Berichts unter anderem auf die Eröffnung der neuen stationären Abteilung für Verhaltenssüchte (VSS) zurück. Dies habe zu einer erhöhten Medienpräsenz und somit zu einer vermehrten Sensibilisierung geführt. Betroffene meldeten sich dadurch häufiger für Beratungen.

Im Jahr 2019 befanden sich 1161 Personen aufgrund einer Heroinabhängigkeit in einer substitutionsgestützten Behandlung. Diese Zahl ist laut Bericht seit Jahren konstant, wobei das Durchschnittsalter fortlaufend ansteigt. Die Behandlungen beinhalteten medizinische und psychosoziale Versorgungen von Personen mit chronischen Abhängigkeiten von Opioiden und seien daher langfristig ausgerichtet. Folglich verweilten viele Patientinnen und Patienten lange Zeit in der Behandlung, erklärt Steinauer.

Begleiterkrankungen wie HIV, die früher häufig vorkamen, seien mittlerweile gut behandelbar, sodass die Lebenserwartung steige. Zugleich gibt es verhältnismässig wenige jüngere Personen, die neu in eine solche Behandlung eintreten, was laut Steinauer auch damit zusammenhängt, dass die Anzahl der Neukonsumierenden von Opioiden tief ist.

Weniger benutzte Spritzen im öffentlichen Raum

Eine positive Entwicklung betrifft die sogenannten «Materialfunde» im öffentlichen Raum. Gemeint sind beispielsweise Spritzen, die für den Drogenkonsum verwendet wurden. Die Funde sind im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. 2018 wurden noch 218 Materialfunde vermerkt, im Jahr 2019 nur noch 51.

Massnahmen wie die Präsenz von Sicherheitsfirmen und Vermittler im öffentlichen Raum sowie die fortlaufenden Optimierungen der Infrastruktur an den beiden Standorten der Kontakt- und Anlaufstellen haben gemäss der Dienststellenleiterin zu dem starken Rückgang geführt. Ausserdem sei eine Abnahme des intravenösen Konsums zu verzeichnen.

Höhere Belegung der Frauennotschlafstelle

Höchstwerte verzeichnen die Frauenoase und die Frauennotschlafstelle. Laut Rudolf Illes, Amtsleiter der Basler Sozialhilfe, hat die Separierung der Geschlechter einen positiven Einfluss auf die Belegung der Frauennotschlafstelle: «Tatsächlich ist die Belegung seit der Einführung einer separaten Frauennotschlafstelle erheblich höher.»

Zwar bewege man sich in absoluten Zahlen immer noch auf einem niedrigen Niveau, die Anzahl der genutzten Schlafplätze habe sich aber von durchschnittlich fünf bis sieben während der Jahre 2016 und 2017 auf durchschnittlich elf bis vierzehn in den Jahren 2018 und 2019 erhöht.

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