Jungtiere

Beutel-Babys und begabte Sänger: Der Basler Zolli spürt den Frühling

Gleich drei Kängurubabys kamen seit Jahresbeginn im Zoo Basel zur Welt und auch die Vögel bemühen sich fleissig um Nachwuchs.

Der kleine Quano hüpft schon selbstbewusst auf der Anlage umher und auch aus dem Beutel von Iorka (8) schaut ein neugieriges Känguru-Köpfchen heraus. «Momentan haben wir im Haus ‹Australis› drei Kängurubabys», sagt Zolli-Kurator Adrian Baumeyer. Seltsam: Auch bei sorgfältiger Inspektion des Geheges zählt man nur zwei Jungtiere. Der Grund dafür ist die aussergewöhnliche Fortpflanzungsstrategie der Beuteltiere. Diese unterscheidet sich nämlich stark von jener der Plazentatiere, zu denen die meisten Säugetiere gehören.

Schon nach 30 Tagen Trächtigkeit bringen Känguru-Weibchen ein nur etwa einen Zentimeter grosses Junges zur Welt. Mit einem flauschigen Beuteltier hat das kleine, rote Würmchen mit zwei Armen aber zunächst noch keine Ähnlichkeit. Dennoch findet es nach seiner Geburt erstaunlicherweise ganz alleine seinen Weg in Mutters Beutel, wo es sich an eine der Zitzen hängt. «Das Kleine hat aber erst einmal gar keine Muskeln, um sich dort anzusaugen», sagt Baumeyer. Deshalb schwillt die Zitze an, bis sie den gesamten Mundraum des Jungtiers ausfüllt und der Känguru-Wurm angedockt ist.

Kängurus haben zweimal Geburtstag

Neun Monate lang bleibt das Junge von da an im Beutel. Sein Geburtsdatum notiert der Zoo erst, wenn das Tier zum ersten Mal seinen Kopf herausstreckt. Und weil es sich noch nicht gezeigt hat, ist für das jüngste der drei Grauen Riesenkänguru-Babys auch noch kein Geburtstag festgelegt. Nur die Beule in Mama Ellas (12) Beutel verrät, dass dort ein Junges heranwächst.

Trauen sich die Känguru-Kinder erst einmal aus dem Beutel, werden sie noch rund sechs Monate lang von ihrer Mutter gesäugt. Währenddessen kann diese aber an einer anderen Zitze bereits den nächsten Winzling heranziehen. So können sich Beuteltiere im Vergleich zu Plazentatieren sehr viel schneller fortpflanzen. Da die Jungtiere bei ihrer Geburt noch nicht vollständig entwickelt sind, entfallen ausserdem die Strapazen der Geburt, welche andere Säugetiere auf sich nehmen müssen.

Riesenkängurus leben in grossen Gruppen. Die Männchen beanspruchen jeweils mehrere Weibchen für sich und verteidigen diesen Harem gegen die männliche Konkurrenz. Ihre Strategie: der Kampf. Das kann unter Umständen ziemlich ungemütlich werden. «Einen solchen Kängurutritt würde ich mir nicht einfangen wollen», sagt Baumeyer.

Unterschiedliche Strategien- ein Ziel

Die Fortpflanzungsstrategien der Vögel im Zolli sind um einiges friedlicher: Dort wird nicht gekämpft, sondern um die Gunst der Weibchen gesungen und getanzt. «Zu dieser Jahreszeit bekommt man als Besucher des Vogelhauses Gesangsunterricht», sagt Kuratorin Friederike von Houwald. Mit dem Frühling komme auch die intensive Balzzeit der Vögel in den Basler Zoo. So markieren Singvögel wie etwa die Amsel oder die Schamadrossel mit ihren virtuosen Einlagen ihr Revier und versuchen, sich in die Herzen der Vogelweibchen zu trällern.

Dabei hilft ihnen ihr Balzkleid: Die Männchen mausern ihr schlichtes Wintergefieder und hüllen sich in ein buntes Federkleid. Mit ihrem prächtigen Erscheinungsbild demonstrieren sie den Weibchen, dass sie über genügend Ressourcen verfügen. Denn: Nur wer ausreichend Futter zur Verfügung hat und gesund ist, kann sich bunte Federn wachsen lassen.

Flamingos haben sogar einen eigenen Tanz entwickelt. Ihre Form der Balz ist eine Abfolge synchronisierter Bewegungen: Erst stehen die Vögel in grossen Gruppen still und bewegen gemeinsam ihre Köpfe hin und her. Anschliessend öffnen und schliessen sie ihre Flügel, putzen sich und laufen immer wieder gemeinsam von einem Ort zum anderen. Diese Choreographie hat einen Sinn: Sie soll möglichst viele Mitglieder der Gruppe in Brutstimmung bringen. Das gemeinsame Brüten in der Gruppenmitte ist nämlich sicherer als das Brüten allein.

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Autor

Chloé Oberholzer

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