Rheingasse

Brandursache ist noch immer nicht geklärt – bezugsbereit wird der «Schwarze Bären» frühestens Ende 2022 sein

Das Leben an der Rheingasse geht irgendwie weiter – das Baugerüst erinnert aber jeden Tag an den Brand.

Das Leben an der Rheingasse geht irgendwie weiter – das Baugerüst erinnert aber jeden Tag an den Brand.

Ein Jahr nach dem Brand des «schwarzen Bären» ist die Ursache immer noch nicht geklärt. Wie es jetzt weiter gehen soll, ist ebenfalls noch ungewiss. Vielleicht bringt die Unterschriftensammlung «Wir wollen das ‹Grenzi› zurück!» Aufschluss über die Zukunft des «Bären».

Ein ganz gewöhnlicher Sommerabend. Die Menschen prosten sich vor dem «Schwarzen Bären», der «8bar» und dem «Consum» zu. Eine Ahnung von Wochenende weht durch die Rheingasse, die Stimmung ist ausgelassen. Das Leben, es blüht an diesem Donnerstag, 15. August 2019, an Basels liebster Ausgangsmeile. Dann bricht die Nacht an. Kurz nach 1 Uhr verlassen die letzten Gäste die Grenzwert-Bar im «Schwarzen Bären». Wenige Minuten danach stellt eine Polizeipatrouille fest, dass der Dachstock des «Schwarzen Bären» lichterloh brennt. Es regnet Feuer auf die Rheingasse. Niemand kommt um, aber das uralte Haus wird völlig zerstört.

Auch noch ein Jahr nach dem Brand ist es dick eingepackt in Baugerüste. Man hat sich an das Bild gewöhnt, die Gasse lebt irgendwie weiter. Allerdings immer noch im Ungewissen darüber, wie es zum Inferno kommen konnte. Die Brandursache sei «trotz sehr umfangreicher kriminaltechnischer Untersuchungen und Ermittlungen durch die Kriminalpolizei» noch nicht geklärt, wie Peter Gill von der Staatsanwaltschaft auf Anfrage sagt. «Die Zerstörung vor Ort war zu gross.» Gegen einen 35-jährigen Mann erhärtete sich der Verdacht auf Brandstiftung nicht. Gill: «Der Fall wurde Anfang 2020 abgelegt, ist aber nicht abgeschlossen.» Falls es neue Spuren geben sollte, würden die Ermittlungen wieder aufgenommen.

Unterschriftensammlung für das «Grenzwert»

Es ist indes weniger die Frage nach der Brandursache als viel mehr jene nach der Zukunft dieses Ortes mit der Hausnummer 17, welche die Bewohner und Besucher der Rheingasse in diesen Tagen umtreibt. Die Mehrheit wünscht sich im Erdgeschoss eine Neuauflage des «Grenzwert» von Betreiberin Cecile Grieder. Sie konnte ihre Bar zwar ins Exil an die Ochsengasse verlegen und darf dort noch weitere zwei Jahre bleiben, wie sie der bz sagt. Trotzdem wolle sie unbedingt an die Rheingasse zurück: «Da gehören wir hin.» Von unbekannter Seite lagen in den Bars und Restaurants in der Rheingasse in den vergangenen Wochen Unterschriftenbögen auf mit dem Titel «Wir wollen das ‹Grenzi› zurück!». Adressat: die neue Hauseigentümerin, die Stiftung Edith Maryon, die diverse Liegenschaften in Basel besitzt – so etwa das «Unternehmen Mitte».

Die Befürchtungen, Grieder könnte mit dem «Grenzwert» keinen Platz finden im neuen Nutzungskonzept für den «Schwarzen Bären», wurden durch frühere Aussagen von ihr, die Stiftung sei nie auf sie zugekommen, genährt. Die «Basler Zeitung» schloss daraus, dass die Gastronomin im «Bären» unerwünscht ist. Dazu polterte Mister Rheingasse Tino Krattiger vorsorglich, er wolle kein zweites «Unternehmen Mitte», das passe nicht zum Charme der Strasse.

Fakt ist: Die Stiftung hat noch gar nichts entschieden. Dies sagt ihr Sprecher Ulrich Kriese im Gespräch mit der bz. «Unterdessen haben mit Frau Grieder Gespräche stattgefunden. Es ist keineswegs so, dass wir sie aussen vor lassen wollen.» Natürlich habe sie Chancen, «aber wir sprechen auch mit anderen Interessenten. Das Konzept muss überzeugen». So wünsche sich die Stiftung im Erdgeschoss einen Betrieb, der auch tagsüber und nicht nur abends geöffnet ist. «Es soll keine wie bis anhin reine Abendnutzung werden.»

Darauf angesprochen sagt Grieder, dass sie sich dies durchaus vorstellen könne und der Stiftung angeboten habe, gemeinsam ein Konzept auszuarbeiten. Denn: «Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir ein Recht darauf haben, wieder dort einzuziehen. Wir haben so viel Mühe und Geld in diesen Ort investiert. Dass nun auch andere Interessenten angehört werden, finde ich komisch. Gerade, weil es hierbei um eine Stiftung geht, die sehr sozial handelt.»

Bauforschung und Denkmalpflege im Haus

Bis ein Entscheid vorliegt, wer dereinst an der Rheingasse 17 wirtet, dürfte noch einige Zeit vergehen. Wie Kriese angibt, wird der «Bären» nicht wie angenommen 2021, sondern frühestens im Herbst 2022 bezugsbereit sein. «Die Sicherungsarbeiten sind abgeschlossen, derzeit untersuchen Bauforschung und Denkmalpflege das Gebäude.» Wer den Zuschlag für den Innenausbau erhält, wird im Herbst entschieden. Kriese: «Danach folgt die Kostenplanung und in einem halben Jahr die Baueingabe.»
Es wird noch lange dauern, bis die ganz gewöhnlichen Sommerabende zurück sind an der Rheingasse.

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