Bruno-Manser-Verfilmung

Bruno Manser – warum der Basler Umweltaktivist bis heute fasziniert

Wie wirkt sich die Liebesgeschichte auf den Film aus? Weshalb ist Basel im Film so hässlich? Auf diese und andere Fragen geht Regisseur Niklaus Hilber im Interview mit der bz ein.

Zum Glück gibt es den prägnanten Schornstein der Kehrichtverbrennungsanlage: Ohne ihn würde das Basler Publikum seine Stadt kaum wiedererkennen. Zersiedelt, langweilig und charakterlos wirkt Basel in der neuen Bruno-Manser-Verfilmung – «generisch», sagt Regisseur Niklaus Hilber dazu.

Hat die Basler Filmförderung geknausert, dass sie sich mit der Zürcher Filmproduktion kein besseres Standortmarketing leisten konnte? «Nein, nein», lacht Hilber am Telefon, «im Gegenteil.» Doch ein romantischer Münsterturm hätte nicht ins Bild gepasst. Der Kontrast soll zeigen, warum sich der Umweltaktivist in Basel nicht mehr zu Hause fühlte und die weite Welt hinauszog.

Umweltthemen sind derzeit angesagt: Hatten Sie mit dem Timing Ihres Films eine gute Nase oder einfach nur Glück?

Das Timing des Films hat nichts mit einem Marketingplan zu tun, das Projekt wurde ja schon vor vielen Jahren konzipiert. Wir hatten uns damals gefragt, wie wir die Problematik der Regenwald-Abholzung für ein breiteres Publikum attraktiv machen könnten. Das war anders als heute kein kommerzielles Thema.

Was macht für Sie die Faszination Bruno Mansers aus?

Die Anziehungskraft Bruno Mansers gründet auf zwei Punkten: Zum einen hat er so viele Jahre investiert, ohne je aufzugeben oder daraus einen persönlichen Nutzen zu ziehen. Zum anderen ist da die Faszination für die Natur, die Bewegung aus der Zivilisation heraus. Das hat eine starke Strahlkraft. Bruno Manser war ein mutiger Aussteiger, wir bewundern das: wie ein kleiner Einzelgänger ein riesiges System zu ändern versucht.

Bruno Manser verliebt sich bei Ihnen in ein Penan-Mädchen. Wie viel Hollywood verträgt ein solcher Film?

Wir haben grossen Aufwand betrieben, um diese Geschichte universell zu erzählen. Wir haben einen roten Faden gesucht und sehr auf den Punkt hin dramatisiert. Mansers Liebesbeziehung zu einem Penan-Mädchen war deshalb wichtig, weil der Film ihn 15 Jahre begleitet. Es wäre komisch gewesen, wenn wir dieses Feld nicht beleuchtet hätten. Manser hat dieses Mädchen gezeichnet, eine Beziehung zu ihr aber weder bestätigt noch bestritten. Da war ein unscharfer Raum, der uns Gelegenheit gab, zu emotionalen Wahrheiten zu gelangen. Bruno Manser hat immer gesagt, dass er die Penan im Herzen trägt. Dafür hat er auch sein Privatleben geopfert. Die Liebesgeschichte war unsere Art, das zum Ausdruck zu bringen. Ich glaube, dieser Entscheid ist durchaus berechtigt.

Bruno Manser findet zuletzt nicht den Tod, sondern eine Blume. Warum?

Zum Tod von Bruno Manser gibt es verschiedene Thesen. Sich auszudenken, welche davon zutrifft, ist erzählerisch aber nicht spannend. Das Ende des Films zeigt, dass Manser in der Vorstellung des Penan-Häuptlings angekommen ist und in der Schönheit der Natur eine höhere Wahrheit gefunden hat. Es ist ein romantisches Bild, eine Art Liebeserklärung an die Natur, wie sie auch in den Zeichnungen Mansers zum Ausdruck kommt. Die ästhetische Gestaltung des Films orientiert sich ganz an dieser Naturromantik, die auch der Motor für seinen Kampf war.

Hatten Sie keine Angst vor Kitsch?

Es war zwingend, den Urwald so schön wie möglich zu zeigen, sodass man erkennt, was verloren geht. Schlecht ausgeleuchtet und mit wackeliger Handkamera hätte das keinen Sinn gemacht.

Und was möchten Sie mit Ihrem Film erreichen?

Wir wollen zeigen, dass sich beim Handel mit Tropenholz sowohl Produzenten als auch Konsumenten korrupt verhalten: Malaysia deklariert Strassenblockaden als Terroraktionen, während in den Hinterzimmern europäischer Handelskommissionen Lobbyisten die Abholzung zur Entwicklungshilfe umdeuten. Ich wünsche mir, dass der Film auf seine Art den Kampf der Penan weiterträgt und ihnen hilft. Aber das ist vielleicht nur eine Fantasie von mir.

Wie waren die Reaktionen der Angehörigen?

Wir haben den Film allen Beteiligten schon im April vorgeführt: der Familie, die uns eng begleitete, und dem Bruno Manser Fonds. Im Juni haben wir ihn auch den Penan gezeigt, mit fünf Urwald-Screenings im Sarawak. Die Familie ist begeistert, und auch Mansers engster Mitstreiter Roger Graf war zu Tränen gerührt.

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