Konzert

Chris Browns frecher Showzirkus in der St. Jakobshalle

Chris Brown in Basel. Keystone

Chris Brown in Basel. Keystone

Der Auftritt von Chris Brown in der St. Jakobshalle war eigentlich eine Frechheit. Playbacks und technische Stimmeverfälschungen, dafür aufwendige Choreografien. Dem Publikum hat es trotzdem gefallen.

Sie waren aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland angereist, um ihn zu sehen: den Zampano des Mainstream-HipHop und schlagenden Ex-Freund von Rihanna: Chris Brown. Letzteres scheint jedoch keine Rolle mehr zu spielen. Vielleicht ist es dem Publikum egal, vielleicht begreift es angesichts der rotierenden Marketingmaschinerie selbst Gewaltexzesse als Promo-Gag. Jedenfalls wimmelte es nur so von jungen Frauen, die den Superstar frenetisch bejubelten, als er dann endlich auf der Bühne erschien.

Zuerst wurden die Zuschauer jedoch eine Stunde lang hingehalten. Der Deutsche Dj Gabri versuchte alles, um die Stimmung anzuheizen, doch da das Publikum nur auf Chris Brown wartete, reagierte es auch nur bei dessen Songs oder solchen aus seinem nahen Umfeld. Immerhin nutzten einige Tänzer den Vorlauf für einen Break-Dance-Contest, was nicht nur unterhaltsam war, sondern auch aufzeigte, dass Brown speziell bei Tänzern einen hohen Stellenwert geniesst.

Punkt neun Uhr dann öffnete sich der Vorhang und enthüllte eine graue Pyramide, auf deren verschiedenen Ebenen sich Brown und seine Crew in den nächsten knapp eineinhalb Stunden virtuos rauf und runter bewegten. Laserstrahlen durchschnitten die Luft in der Halle, die Kostüme leuchteten in grellen Neonfarben, eine amerikanische Pop-Show wie man es sich vorstellt. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Playbacks und Vocoder

Jeder Song wurde begleitet von einer aufwendigen Choreografie, in die der Star sich immer wieder einreihte und bewies, dass er tatsächlich ein Ausnahme-Tänzer ist. Dazwischen gab er kleine Kostproben seines schauspielerischen Talents und fragte ungläubig in die Runde: «Are you real?» Man hätte die Frage gerne zurückgegeben, denn musikalisch war an diesem Abend kaum etwas echt. Grösstenteils wurden Playbacks eingespielt und Browns Stimme konstant durch einen Vocoder gejagt, der nicht nur allfällige Unreinheiten korrigierte, sondern auch für den typischen technoiden Effekt sorgte, der kaum noch etwas Menschliches hat.

Bei seinem aktuellen Hit «Don’t wake me up» jedoch verzichtete er auf technische Spielereien und bewies nicht nur, dass er eine tolle Stimme hat, sondern auch, dass er sein Publikum wirklich zu berühren vermag, wenn er sich darauf einlässt. Leider dauerte dieser Moment nur kurz, so wie sämtliche Songs auf etwa die Hälfte reduziert waren.

Haarsträubend, oder wenn man so will, entlarvend wurde es, als in einer Umbaupause ein Medley aktueller Chart-Hits eingespielt wurde. Spätestens hier war klar: Die Musik ist nur Beigemüse. Kurz darauf war es vorbei. Kurze Verbeugung, Abgang und das Saallicht ging an. «Carpe Diem» nennt er seine Tour: Nutze den Tag. Für viele im Publikum dürften sich die Erwartungen erfüllt haben.

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