Herzstück
COVID-19 und der XMV

Martin Dürr ist evangelischer Pfarrer und seit 2009 Co-Leiter des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft Basel-Stadt und Baselland. Er lebt in Basel.

Martin Dürr
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Nein, das ist nicht einfach «wie die Grippe». (Symbolbild)

Nein, das ist nicht einfach «wie die Grippe». (Symbolbild)

KEYSTONE/Anthony Anex

Nochmals von vorne. COVID-19 ist ein bis vor wenigen Monaten noch nicht bekanntes Virus aus der Familie der Corona-Viren. Familien teilen durchaus genetische Eigenschaften. Das können Sie leicht herausfinden, wenn Sie Fotos von ihren Eltern und Grosseltern hervorkramen. Das heisst aber nicht, dass alle gleich sind.

Das gilt auch für COVID-19. Nein, das ist nicht einfach «wie die Grippe». Ich bin weder Arzt noch Virologe. Ich gehöre mit einer Herzkrankheit und als Asthmatiker zu einer Gruppe mit – leicht – erhöhtem Risiko. Ich kenne privat und noch mehr durch meine Arbeit viele Menschen, die aus dem einen oder anderen Grund stark gefährdet sind durch diese neue Infektionskrankheit. Deshalb informiere ich mich und mache mir Gedanken.

Vieles wissen wir noch nicht. Aber einiges ist schon ziemlich klar (schliesslich beschäftigen sich rund um die Welt viele kluge und gut ausgebildete Leute damit, unter anderem auch in Basel). Wir wissen zum Beispiel, dass junge, gesunde Menschen und Kinder zwar auch angesteckt werden können. Aber sie haben in den allermeisten Fällen so milde Symptome, dass sie es selbst kaum merken. Bei anderen hingegen kann es zu einer schweren Lungenentzündung kommen, mit drastischen Folgen bis hin zum Tod.

«Na und, wir müssen alle irgendwann sterben.» Ja. Richtig. Aber das ist leicht gesagt von jemandem, der nicht zu einer Risiko-Gruppe gehört. «Es gibt mehr Verkehrstote als COVID-19-Tote». Ja, zumindest im Moment noch. Im günstigsten Fall bleibt das so. Ich verlange nicht, dass Autofahren total verboten wird. Aber ich werfe mich auch nicht vor ein Auto.

Zu den haltlosen Verschwörungstheorien: Nein, das ist nicht «die böse Pharmaindustrie», die sich etwas ausgedacht hat, um Geld zu machen. Ich habe übrigens keine Pharma-Aktien. Ich appelliere an den XMV, den «Xunde Mensche-Verstand», wie eine Freundin sagt. Was ich mit meinem beschränkten medizinischen Vorwissen verstanden habe: Dieses neue Virus ist darum so gefährlich, weil es hoch ansteckend ist und gleichzeitig eine – relativ – hohe Sterberate hat. Mehrfach höher als die normale Grippe.

Den Umgang damit haben unser Körper und unsere Gesellschaft noch nicht gelernt. Wir sind erst am Anfang der Geschichte, übrigens. «In China nehmen die Infektionen schon wieder ab». Ja. Aber unter einer Diktatur können drastische Massnahmen durchgezogen werden. In unserer freien Gesellschaft geht das nicht. Wir sind darauf angewiesen, dass alle sich freiwillig an die vom BAG und der Regierung dringend empfohlenen Massnahmen halten.

Das ist eine riesige Verantwortung jedes und jeder Einzelnen. Wenn Sie es nicht für sich selbst machen, dann machen Sie es bitte für jemanden in Ihrem Umfeld, dessen Gesundheit nicht so stabil ist wie Ihre. Machen Sie es für unser medizinisches Personal und die Altenbetreuung.
«Aber das Leben geht weiter.» Ja! Richtig! Unbedingt! Darüber habe ich vor einer Woche an dieser Stelle geschrieben. In Ihrem Altpapier – oder online. Bleiben Sie gesund und leben Sie intensiv und heiter. Aber setzen Sie Ihren XMV ein.