D HUMMELE
19 Verse von 1958 bis 2021: So ein Karaoke-Abend muss einfach wieder stattfinden!

Unser Kolumnist hat den Schnitzelbank-Karaokeabend in der Spalebar besucht. Das Fazit: Wiederholungsbedarf!

D Hummele
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Dr Spitzbueb bei seinem Auftritt im Theater Basel. Er «platzte» auch in den Karaoke-Abend in der Spalebar.

Dr Spitzbueb bei seinem Auftritt im Theater Basel. Er «platzte» auch in den Karaoke-Abend in der Spalebar.

Juri Junkov

Der Dienstag ist für die Bänkler wie eine Kür. Singen, wo man Lust hat – meist ohne Routenplan. Eher spontan. Spontan war auch die Idee der Bebbi mit dem ersten Schnitzelbank-Karaoke in der «Spalebar». Thomi Stauffer von den Bebbibänggler schildert den Ablauf: «Die Gäste werden animiert zum Schnitzelbanksingen. Die 19 Verse stammen aus der Zeitspanne 1958 bis 2021. Begleitmusiker mit den entsprechenden Instrumenten stehen bereit. Mikrofon auch.» Um 20 Uhr eröffnet «Heidi» den Schnitzelbankreigen mit dem Uffegumperli aus dem Jahr 1982:

My Frindin schlieft zu mir ins Bett –

scho het’s en in der Hand

si drait dra umme, fahrt uffen und aabe – mir raubts fascht der Verstand

sit Wuche drybbt sy’s jeedi Nacht, die sott sich wirklig schämme

und bletzlig steehnt sy; ai ai ai – y ha der Würfel zämme.

«Vreni» wagt sich an den Luggebiesser-Värs aus dem Jahr 1979:

Mäntig BAZ, Zyschtig BAZ

Mittwuch BAZ, Samschdig BAZ

am Sunntig haltet sie der Latz,

vyl besser wär am Sunnti aini

derfir die ganzi Wuche kaini.

«Annemarie» wählt vom Zyttigsanni den wunderbaren Vers von 1976:

Dr Papscht verbietet d’Luscht bim Liebe

de darfsch au nimme sälber iebe.

Au schwul sy findet är nit guet,

mai die Bischöff hän e Wuet.

Heer Papscht, e Ruggdritt wär sehr schlau

und sage sy e Gruess dr Frau.

Wow ... was für eine Stimmung, was für ein Applaus im randvollen Restaurant.

Da am Dienstag der internationale Tag der Frau war, wagte sich «Georges» ans Mikrofon – mit perfekter musikalischer Begleitung zelebrierte er den Vers vom Stachelbeeri aus dem Jahr 1975:

Si dängge sicher, ych haig au

E zimpfitge Värs zum Jahr der Frau !

Fidigei, fidigei fidigei fidigeigeigei -

Emol muess ych jo wider hei.

Eine Equipe mimte das Schweizer TV mit guten Kameras- und Beleuchtungs-Attrappen. Es ist kein Wettbewerb, keine Rangliste, keine Preise. Applaus und Begeisterungsrufe sind die Gage.

Mitten in den Abend platzte der Spitzbueb, er sang seinen eigenen Vers vom vergangenen Jahr:

Ych hör vom Mammi hüt no Döön

«Iss uff, denn wird morn s’Wätter schön!»

Jetz hämmer d’Stroff, dass Gott erbarm

Ych vyl z’digg und s’Wätter z’warm.

Benni Huggel kam auch in die «Spalebar» und sang den Fussballvers der Standpauke aus dem Jahr 1975:

Si schutte’s scheen, si schutte’s toll

si schutte’s wirklig wundervoll

si schutte’s digg, do gits nüt z’kääre-

wenn’s numm kaini Schwoobe wäre.

Das ganze Lokal tobte und jubelte – Riesenfreude. So ging es den ganzen Abend bis nach Mitternacht. Thomi Stauffer sagte, dieses Karaoke sei das erste und das letzte Mal. Nein, nochmals nein, da halte ich klar dagegen. Denn Idee, Lokal, Ausführung – einfach sensationell. Dieser Abend MUSS wieder stattfinden.

Von Keller zu Keller

Ich wechsle in die Keller, die ohne Zweifel ihren eigenen Charme haben. Im Grandbaleese-Käller (vormals Luskaibe) singen die Tschugger. Sie versuchen sich mit dem (zu langen) Langvärs über die derzeitigen Probleme. Applaus. Leider kein Zeedel.

Im Aagfrässene-Käller (Hof) drückt die Kälte auf die Stimmung. Schade für den Vortrag der Tintelumpe, die sich über Bundesrat Maurer und Gspönli Köppel mokieren; auch hier kein Zeedel. Zum bersten besetzt ist der Pfluderi-Käller. SkandalNuudle stellen sich vor:

Mir Peerle sin in däm Joor nei - und wärfe uns doo hit vor d’Sei.

Lyychtfiessig cringe pink schrill und haiss - fäderlicht frivol und faiss.

E Containerschiffmegaskandal - gits im Summer im Suezkanal.

Well mir zwai deert bitz bäädele – kasch bi uns nimm läädele.

Die «Skandal um Rosie»-Melodie der Spider Murphy Gang macht den Bank noch schriller. Um 00.30 Uhr zurück im Grandbaleese-Käller singen die Gesangsvirtuosen s Schunggebegräbnis:

In Rom hett der Presi Mattarella

nüt z lache

är isch achzig und muess trotzdäm

no siibe Johr mache,

au fürs s Basler Baudepartemeänt

wünschte mir ys sone Häppyänd

ach , wäre mir doch froh,

wurd der Wessels widder ko!

(Ob die das ernst meinen?)

Das war’s, wie schon gesagt, ein guter Jahrgang, in Zukunft vielleicht weniger Zürcher und Schwoobevärs, die sind obsolet. Die Weltlage machte es ja nicht einfach, in irgendeiner Form an die Fasnacht zu gehen. Der mentale Mix blockierte zuweilen. Aber die Fasnacht ist ein Identitäts-Anker. Die Fasnacht – vor allem in Basel – ist echt, historisch und authentisch zugleich. Sie war gestern, sie ist heute – carpe diem – und morgen. Sie gibt Hoffnung und Freude. Die Fasnacht ist Heimat, uralt und doch flexibel und überaus lebendig.

Für all dies sind die Schnitzelbänkler Sprecher und Herolde – die Juwelen. Mit diesen Gedanken ging ich auf die Route. Es war bereichernd.

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