D Hummele
«Värslibrinzle» im Fauteuil: Wenn Telebasel den Takt durchgibt

Unser Kolumnist hat den Schnitzelbank-Abend im Fauteuil besucht und kommt zum Schluss: 2022 ist ein wunderbarer Jahrgang.

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Sorgte einmal mehr für viele Lacher mit seinen präzis gesetzten Sp(r)itzen: Dr. FMH und Schwester Gundula.

Sorgte einmal mehr für viele Lacher mit seinen präzis gesetzten Sp(r)itzen: Dr. FMH und Schwester Gundula.

Archivbild: Kenneth Nars

Der Schnitzelbank-Abend im Fauteuil beginnt um 19.30 Uhr. Aber bereits um 18.40 Uhr formieren sich die ersten Zuschauer im idyllischen Hof. Ohne Zweifel zahlreiche Stammkunden. Der Dresscode von der seltenen Kravatte übers Strickjäggli bis zur Trainerhose! Sie kommen aus dem Baselbiet, Solothurn, Innerschweiz. Es herrscht eine fröhliche Spannung. Alle sind echt glücklich, nach zwei Jahren wieder «Bängg loose» zu können – Genuss pur. Hausherr Claude Rasser ist omnipräsent, hilft und schaut, dass alles rund läuft.

Es geht pünktlich los. Der Vorhang geht auf; Moderator Franz Baur tritt auf die Bühne und stimmt das Publikum in Versform auf den Abend ein, witzig, breit gefächert mit Fingerzeig auf Pandemie und Tragik in der Welt. Mit dem ersten Bangg, Dr. FMH, ist der Abend lanciert – und wie: «Ahjä und Sie» ruft das Publikum, schon bevor er sich mit seiner «Schwester Gundula» zusammen im proppevollen Wartezimmer installiert hat. Donnernder Applaus mit Bravorufen begleiten Dr. FMH nach dem letzten Vers von der Bühne ins nächste Lokal. Pierrot in seinem herrlich frühlingsgrünen Kostüm ist nach Dr. FMH wahrlich nicht zu beneiden. Aber er nimmt die Hürde, zum Beispiel mit seinen klaren 4-Zeilern:

Isch dä David Dääge
fir der FCB e Sääge
das Bild do zaigt kai grosse Name
am beschte passt e Wäggselraame

Und er animiert das Publikum, die Refrains mitzusingen. Das Fauteuil wird zur Sängerschar. Die Wanderratte mit den trockenen Sechszeilern kann das Niveau halten. Schön der Djokovic-Vers:

Zersch isch er vonere wilde Horde
ane Holzkryz gnaaglet worde.
Druffaabe hän sy däm arme Gnoche
no die hailigy Lanze in Ranze gstoche.
Denn hett er sy Doornekrone abzooge
und isch beileidigt heim uff Serbie gflooge

Die Luuszäpfe und die Pandemix haben es ein wenig schwerer, aber das Publikum spendet dankbaren Applaus. Im Basler Keller, Hotel Basel, weiss gedeckt, Speis und Trank in edler Form. Auch viele Stammgäste, die der Schnitzelbank-Szene harren, die da kommen. Mac Värs singen mit «blinden Helgen», weil die Zeit nicht gereicht hat – und Zeedel gibt es auch keinen. Die 5 Schyneblooser Waggis annektieren den Keller, lärmen mit der Rätsche und intrigieren. Zusammen mit den Gästen singen sie am Schluss «z’Basel a mim Rhy». Stimmungsvolle Abwechslung.

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war jahrelang selbst als Bänkler unterwegs und ist dies als Connaisseur auch 2022 wieder. Und nein, sie fliegt nicht so schnell wie im Hummelflug von Rimski Korsakow – dafür sticht sie aber auch nicht zu. Da und dort landet sie, horcht und staunt. Oder eben nicht, je nachdem, was die Schnitzelbangg-Szene an die Oberfläche bringt.

Babberlababb begeistern mit dem Willkommenslangvers, (gestern in dieser Zeitung) - und die eigentliche Pointe hat deshalb keinen Platz (mehr). Der wunderschöne Schlüssel - Saal ist voll besetzt und hat eine kleine Bühne mit Technik für die Bänkler. Schoffsuuri, wie alle Jahre sehr sensibel, nachdenklich und auch melancholisch:

Bi me Härzinfarggt blybt der nimmi vyl Zyt
Und im Tempo 30 kunnts s Grangge-Auti nit wyt.
Do luegsch jo gscheiter, as e Taxi kasch haa
Und fahrsch vo deheime – diräggt s Heernli aa

Bei den Zürcher- und Schwobevärs hält sich die Begeisterung für die Blageeri in Grenzen. In der Kunsthalle – es ist mittlerweile 22.40 Uhr – geht es dem Feierabend entgegen. Claudia Danuser hat für die Bänkler extra eine Stube eingerichtet. Dr. FMH macht den würdigen Schluss auf der Bühne.

Dagegen ist im Kohlmanns noch Hochbetrieb. Vor allem, weil das Fernsehen – Telebasel – die Regie führt. Alles ist genauestens geplant, wer wann singt, wann das Essen kommt, et cetera. Der grandiose Singvogel mit dem Hunde-Schyssdrägg-Güggli-Präss-Container-Värs, die elegante Drey Daagsfliege mit den beiden Köppel-Värs,(Chapeau!) der schon zitierte Dr. FMH, die Gasladärne mit dem perfekten, althergebrachten (über 40 Jahre) Vortrag; sie wünschen sich anstelle von Beat Jans Frau Ackermaa zurück (sic). Zur Spitze gehört in diesem Jahr ohne Zweifel Brunzguttere. Wie sie die Mitbänggler nachahmen, imitieren – schlicht sensationell. All dies ist nur ein Ausschnitt aus der grossartigen Schnitzelbankwelt. Es fehlen viele Gruppen, viele Einheiten, viele Lokale. Es ist und bleibt eine Kunst, Verse zu schmieden und entsprechend vorzutragen. 2022 ist ein wunderbarer Jahrgang. Mittwoch und Samstag (Schlussabende) bleibt noch Zeit, die Schnitzelbänke zu geniessen.