«Federer-Express»
Roger Federer gesteht bei der Einweihung seines Trams: «Ich bin auch schon schwarz gefahren»

Andere Städte haben Strassen nach ihm benannt. Nun ehrt auch Basel Roger Federer – mit einem eigenen Tram.

Andreas W. Schmid
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Ein Mann und sein Tram: Roger Federer freut sich über die Ehre in der Heimat.

Ein Mann und sein Tram: Roger Federer freut sich über die Ehre in der Heimat.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

So manch eine und einer dachte am Freitag in der Basler Innenstadt wohl, an Halluzinationen zu leiden. Da sass doch tatsächlich Roger Federer im Führerstand eines Trams – gleich neben der Tramführerin. Manchmal winkte er den Leuten freundlich zu, wenn sie ihn erkannten und stehenblieben. Bereitete sich der Tennisstar auf eine zukünftige Beschäftigung nach der Karriere vor? Diese ist ja auch als Teilzeitjob möglich und wäre sicher eine spannende Abwechslung zum geplanten Tätigkeitsfeld als Unternehmer, Botschafter und Philanthrop.

Soweit wird es jedoch nicht kommen. Federer fuhr auf der Jungfernfahrt mit «seinem» Tram bloss spazieren – dem Roger-Federer-Tram, das von nun an vor allem auf den Linien 1 respektive 14, 3 und 6 zu sehen sein wird. Das Gefährt ist ein Geschenk, das sich die Basler Verkehrs-Betriebe 2020 zu ihrem 125-Jahre-Jubiläum machen wollten, wegen Corona aber erst mit zwölf Monaten Verspätung realisiert werden konnte. Die blaue Aussenhülle des Flexity-Trams wurde in enger Zusammenarbeit mit dem 40-jährigen Basler gestaltet.

Es sei nicht einfach gewesen, sich selber auf einem Tram zu verwirklichen, sagte er. Entsprechend lang verlief der ganze Prozess. Schliesslich einigte man sich darauf, dass seine wichtigsten Erfolge gezeigt werden sollten: Dazu gehören die Grand-Slam-Titel an den vier grossen Schauplätzen des Welttennis sowie die Swiss Indoors, sein Heimturnier in Basel, das er bereits zehnmal gewinnen konnte. Im Innern wiederum ist zu lesen, wie alles anfing («Der Bub Roger Federer»), dass er in der Region schon in Birsfelden, Riehen, Münchenstein, Bottmingen und Oberwil wohnte, oder welches Zitat zu ihm passt («It’s nice to be important, but it’s more important to be nice.»).

Wie es ihm nach seiner Knie-Operation gesundheitlich geht, darüber wollte er nichts sagen. Immerhin schien er wieder gut zu Fuss zu sein. Fast vier Monate sind es nun her, seit er letztmals auf dem Tennisplatz zu sehen war: In Wimbledon schied er im Viertelfinal gegen den Polen Hubert Hurkacz in drei Sätzen sang- und klanglos aus. Seitdem herrscht bei ihm Funkstille in Sachen Tennis. Anfang Woche flog Roger Federer aus den Top Ten der Weltrangliste, was auch deshalb bemerkenswert ist, weil er in den vergangenen beiden Saisons gerade mal sechs Turniere bestritten hatte.

«Jahrhundertsportler und einer von uns»

In der letzten Oktoberwoche hätten traditionellerweise die Swiss Indoors auf seinem Turnierkalender gestanden. Doch das Basler Hallenturnier wurde coronabedingt frühzeitig abgesagt, ausserdem hätte Federer sowieso nicht spielen können: Sein Comeback wird frühestens nächsten Frühling erwartet.

Trotzdem ist er sehr präsent, vor allem, wenn das Fernsehen Werbung zeigt: Dort ist er derzeit vor allem als Sänger zu sehen. Ausserdem erschien im Sommer ein Globi-Band, der ganz ihm gewidmet ist. Und dann schrieb er noch mit dem Börsengang von On Schlagzeilen. RF total also – und nun auch noch Federer auf dem Basler Trämli? Beat Jans, der Basler Regierungspräsident, fand es hochverdient, dass «King Roger» in dieser Stadt mit einem fahrenden Denkmal endlich gebührend geehrt werde: «Schliesslich ist er ein Jahrhundertsportler und gleichzeitig einer von uns.»

Andere Städte und Institutionen nahmen ihn im Vergleich zu Basel schon viel früher in Beschlag: In Biel und Halle in Westfalen gibt’s jeweils eine Roger-Federer-Allee. Die Post ehrte ihn mit einer Briefmarke, die SBB mit einer Lokomotive. Basel hingegen gab sich bis jetzt überraschend zurückhaltend. Auf der Tennisanlage des TC Old Boys gibt es einen Roger-Federer-Court. Am Spalenberg ist er einer von Dutzenden von «Ehrespalebärglemern». Ansonsten jedoch ging bis jetzt nicht viel, ausser nutzlosen Vorstössen, dass eine Strasse oder aber die Joggelihalle nach ihm benannt werden müsse.

Roger Federer jedenfalls freute sich sichtbar über die Ehrung. Bei der Fahrt vom Depot Wiesenplatz bis zum Schänzli und zurück wurden Erinnerungen in ihm wach an die Jugendzeit, als er in den kälteren Jahreszeiten mit dem Tram ins Training fuhr. «Am Aeschenplatz sprintete ich damals im Menschengewirr auf den Achter und wurde dabei das eine oder andere Mal fast überrollt.» Manchmal hatte er in der Eile auch keine Zeit mehr, um ein Billett zu lösen. «Dann fuhr ich halt schwarz», sagte er und schob hinterher, dass das aber nicht allzu oft vorgekommen sei – «vielleicht bei 10 Prozent meiner Fahrten?» Die BVB werden es ihm sicher nachsehen.

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