Pharaonengräber
Das alte Ägypten blüht im Basler Antikenmuseum auf

Das Jenseits war bei den Ägyptern genau so bunt wie der Blumenschmuck, den sie in Gräbern beilegten. Das Antikenmuseum zeigt in seiner neuen Ausstellung die Frabenpracht der Pharaonengräbern.

Céline Feller
Drucken
Teilen
Diese Opferplatte der Ta-Renpet zeigt die Besitzerin zweimal vor einer Baumgöttin, die ihr Wasser, Nahrung und kühlen Wind spendet. Ptolemäisch, 3. Jh. v. Chr. Leihgabe aus dem Museum August Kestner, Hannover.
14 Bilder
Blumen wurden nicht nur als frische Pflanze in Schmuck verarbeitet, sondern sie wurden auch in dauerhafte Materialien umgesetzt. Dieser Halskragen besteht aus prachtvollen Blüten aus Fayence-Perlen. Leihgabe Martin von Wagner Museum, Würzburg. 18. Dynastie, 14. Jh. v. Chr.
Dieser hölzerne Uschebtikasten zeigt Nachtdjehuti mit seiner Frau Nefermahi. Nachtdjehuti hält in seiner linken Hand eine Lotusblüte, um an ihr zu riechen und den Duft der Regeneration einzuatmen. Leihgabe Hans und Sonja Humbel, Zürich.
Formgebend für diesen typischen ägyptischen Fayencebecher ist der Kelch einer Lotusblüte. Die Formen dieser Trinkgefässe sollen erreichen, dass sich beim Trinken aus dem Kelch die Regenerationskraft des Lotus’ auf den Inhalt und damit auf den Mensch überträgt. Leihgabe Bibel und Orientmuseum Fribourg.
In diesem rundplastischen Bronzewerk ist das Bildmotiv des Sonnenkindes auf der Lotusblüte zu erkennen und somit die ikonographische Umsetzung der Vorstellung, dass die Sonne täglich neu geboren wird und sich verjüngt. Spätzeit, 6.–4. Jh. v. Chr.
Das sogenannte Binsengefilde im Jenseits ist in der Sargkammer des Sennedjem (TT 1) als blühendes Paradies abgebildet: Der Verstorbene arbeitet auf dem Feld während in den Registern darunter früchtebeladene Bäume und verschiedene Pflanzen an einem Kanal wachsen. 19. Dynastie, 13. Jh. v. Chr. Rekonstruktion Wolfgang Wettengel.
Osiris war als Herrscher des Totenreiches einer der wichtigsten Gottheiten der alten Ägypter. Er besitzt explizit auch Züge eines Fruchtbarkeits- und Vegetationsgottes. In den Pyramidentexten wird er mit dem Wasser des Nils in Verbindung gebracht und als der «Grosse Schwarze» oder der «Grosse Grüne» bezeichnet in deutlicher Anspielung auf den fruchtbaren Nilschlamm und die sich immer wieder regenerierende Vegetation. Spätzeit, um 600 v. Chr.
Dieses Holzmodell einer Bierbrauerei aus dem Mittleren Reich (ca. 1980–1760 v. Chr.) vermittelt uns einen Eindruck, wie Bier im Alten Ägypten hergestellt wurde. Leihgabe aus dem Ethnographischen Museum Neuchâtel.
Blumenreich im Antikenmuseum - Wiedergeburt in Pharaonengräbern
Nachgebautes Grab des Sennedjem
Mumienbrett der Dame Nes-Mut, deren vollständiges Sargensemble ausgestellt ist. Auf der Brust und um die Schultern ist ein farbenfroher Blumenschmuck dargestellt. Dritte Zwischenzeit, um 900 v. Chr. Leihgabe aus dem Ethnographischen Museum Neuchâtel.
Zwei der restaurierten Glasrahmen mit Blumenpräparaten von Georg Schweinfurth. In beiden sind Zweige der Sykomorenfeigen erhalten, die aus dem Grab des Qen in Sheich Abd‘ el-Qurna stammen. (18./19.Dynastie, um 1300 v. Chr.). Botanisches Museum Zürich.
Restaurierter Glasrahmen mit Blumenpräparaten von Georg Schweinfurth. In der Mitte ist ein Weisser Lotus (Nymphaea lotus) zu sehen, der auf der Mumie des Königs Ahmose lag (18. Dynastie, um 1520 v. Chr.). Botanisches Museum Zürich.
Rekonstruktionen antiker Blumengebinde

Diese Opferplatte der Ta-Renpet zeigt die Besitzerin zweimal vor einer Baumgöttin, die ihr Wasser, Nahrung und kühlen Wind spendet. Ptolemäisch, 3. Jh. v. Chr. Leihgabe aus dem Museum August Kestner, Hannover.

Zur Verfügung gestellt

«Du stirbst, damit du lebst.» So lautet eine Stelle in den Pyramidentexten, der ältesten religiösen Spruchsammlung der Menschheit. War bei den alten Griechen zur Zeit Homers die Jenseitsvorstellung ein düsterer und schlimmer Ort, regiert von der Göttin der Unterwelt, Persephone, so ist die Weltanschauung der Ägypter eine ganz andere. Das Leben war nur ein Übergang zum Tod, der Tod der Ort der Verjüngung und der Regeneration. In dieser Symbolik der steten Regeneration und der Wiedergeburt waren die sich ständig erneuernde Blumenwelt und die Vegetation allgemein ein Sinnbild der Verjüngung. Die Natur war für die Ägypter der Beweis, dass der Tod nicht das Ende ist. So wurden bei Begräbnissen dem Verstorbenen immer bunte Blumen beigelegt, die ihm zu einem neuen Leben im Jenseits verhelfen sollten.

Die Vorstellung der Ägypter liegt unserer westlichen Welt heute ferner als die Vorstellungen der Griechen, für die das Hier und Jetzt das ein und alles war. Die Gedankenwelt und die Jenseitsbedeutung der Ägypter soll uns die Sonderausstellung «Blumenreich. Wiedergeburt in Pharaonengräbern» näherbringen. Sie beginnt heute im Antikenmuseum Basel. «Dies ist ein Projekt von nationaler und internationaler Bedeutung», sagte ein sichtlich stolzer Andrea Bignasca, Direktor des Antikenmuseums.

Jahrtausendealte, fragile Pracht

Wer die Ausstellung besucht, tritt immer tiefer ein in eine Art Blüte, an deren Aufbau das Konzept angelehnt ist. Je tiefer man in den Raum hinein geht, desto dunkler wird es, und je dunkler es wird, desto näher kommt man den lichtempfindlichen Stücken und damit dem Herzstück: den originalen Fragmenten von Blumengirlanden und Blumenschmuck aus pharaonischen Gräbern.

Entdeckt wurden die seltenen Überreste von Christiane Jacquat, einer Archäobotanikerin und Initiantin der Sonderausstellung. Bei Umzugsarbeiten im Depot des ehemaligen Botanischen Museums der Universität Zürich entdeckte Jacquat die 16 Blumenpräparate und erkannte deren Bedeutung sofort. Der jahrtausendealte Blumenschmuck war 1881 im grossen Mumienversteck in Theben zum Vorschein gekommen. Nach Zürich gelangt sind sie dank dem Deutschen Botaniker Georg Schweinfurth, der die wertvolle Pracht an verschiedene europäische Städte wie Paris, London oder Berlin verschickte – und eben auch an Zürich. Dort gingen die Stücke aber vergessen, bis Jacquat sie wieder fand.

Neben den «historisch bedeutenden Blumenpräparaten», wie Kurator André Wiese die Sammlung bezeichnet, sind noch weitere 100 Originalwerke zu bestaunen. Darunter befinden sich farbenprächtige Särge, auf denen die Blumengirlanden malerisch nachempfunden sind, Blumenskulpturen aus Papier, Duftstationen und Rekonstruktionen der Blumengirlanden. Abgetrennt werden die Themenbereiche durch verschiedenfarbige, Blütenblättern nachempfundene Trennwände.

Bei uns sind Blumen heute vor allem ein Zeichen von Zuneigung an andere Menschen, der Ehrerbietung oder einer engen Beziehung. Auch die Trauerfloristik hat eine lange Tradition. Im alten Ägypten jedoch sind sie nicht nur ein letzter Gruss, sondern Symbol des bunten Jenseits, in das die Toten entlassen werden. In Basel lassen sie für einmal die ägyptische Blütezeit wortwörtlich wieder aufleben.

Aktuelle Nachrichten