Politik

Das Ende des Facebook-Hypes bei Basler Parteien

Auch in Social-Media-Zeiten nicht totzukriegen: der Flyer.

Auch in Social-Media-Zeiten nicht totzukriegen: der Flyer.

Die Basler Parteien setzen im Wahlkampf auf bewährte Mittel – einige schrauben gar ihre Social-Media-Budgets zurück.

Die Prognose schien alles andere als gewagt. Im Coronajahr 2020 verlagern die Basler Politikerinnen und Politiker ihren Wahlkampf ins Netz – dies, weil der Strassenwahlkampf gar nicht oder unter erschwerten Bedingungen stattfindet. So manch einer mag sich daher im Wahlherbst gewundert haben, dass er bei der Benutzung der sozialen Medien nicht andauernd mit Wahlempfehlungen konfrontiert wird. Eine Untersuchung der Etats für Facebook-Werbung erstaunt tatsächlich.

Die Facebook-Datenbank, welche die Dauer und Ausgabenhöhe von Werbeplatzierungen ausweist, zeigt, dass unter anderem die SP Basel-Stadt bei den Regierungsratsersatzwahlen und den Nationalratswahlen vor einem Jahr noch bedeutend mehr ausgab. Rund 3000 Franken bezahlten die Sozialdemokraten bisher für die gesamte Wahlkampagne auf Facebook – das entspricht in etwa dem, was die SP 2019 alleine für die Regierungskandidatin Tanja Soland aufwendete. Die gesamten Ausgaben allein für den Regierungswahlkampf 2020 liegen bei der SP bei 114000 Franken.

Ähnlich überschaubar sind die Facebook-Auslagen bei der SVP, die nicht mal tausend Franken ausgibt, und bei der FDP Basel-Stadt, die nur noch zirka 1500 Franken in die Facebook-Kampagne investiert – bei einem Wahlkampfbudget von 120000 Franken ist auch das im Vergleich zu den Vorjahren eine rückläufige Zahl.

In den sozialen Medien gewinnt man keine Wahlen

Angesprochen auf das verhältnismässig kleine Budget für die Facebook-Kampagne meint FDP-Präsident Luca Urgese: «Es ist bekannt, dass man die Wahlen nicht in den sozialen Medien gewinnt.» Wechselwähler würde man kaum erreichen. Es würde eher darum gehen, dass man die eigenen Wähler an die Urne hole.

Die Freisinnigen hätten ihren Wettbewerbsvorteil auf andere Weise herauszuholen probiert: Indem sie schon früh Plakate aufgehängt hätten und einen intensiven Tür-zu-Tür-Wahlkampf betrieben. Grundsätzlich Social-Media-kritisch äussert sich der Basler SVP-Wahlkampfstratege Joël Thüring: «Vor ein paar Jahren hat man Facebook überschätzt. Diese Facebook-Videos schauen in erster Linie diejenigen, die ihre Meinung schon gefällt haben – sie gucken sie, weil sie die Person schon kennen oder sich übers Video lustigmachen wollen.»

Auch der Basler SP-Präsident Pascal Pfister sagt, Social Media ist zwar heute ein «normaler Bestandteil» der Wahlkampagne. «Ein Wundermittel ist es aber bestimmt nicht.»

Parteien sollten mehr auf Wählernachwuchs achten

Der renommierte Zürcher Werbeexperte Frank Bodin ist über die Entwicklung nicht überrascht. Er sagt: «Facebook hat den Zenit überschritten. Für die Jüngeren ist das fast irrelevant geworden.» Er kann gut nachvollziehen, dass die Basler Parteien vermehrt in die bewährten Mittel wie Inserate, Flyer und vor allem Plakate investieren. «Ein gutes Plakat oder ein gutes Inserat sind immer noch hervorragende Werbemittel.»

Bodin ist aber der Meinung, dass die Parteien in den sozialen Medien durchaus weiter präsent sein sollten. «Plattformen wie Tiktok dürfen nicht mehr ausser Acht gelassen werden. Da halten sich die Wähler von morgen auf», sagt der Werbeexperte.

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